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Expansion einer Kultbrauerei:Der Denkmalschutz ist streng

Man kann zwei Tage um den See fahren und Dutzende Menschen treffen, die Ähnliches sagen, auch gerne in drastischeren Worten als Miller. Immer wieder fallen die Begriffe "Profitgier", "Wachstum um jeden Preis" und "CSU-Filz".

Die Wut der Menschen im Tegernseer Tal speist sich aus der erstaunlichen Karriere eines Bieres, das jahrzehntelang nur rund um diesen kleinen grelltürkisfarbenen See getrunken wurde. Irgendwann nach der Jahrtausendwende tauchte das Tegernseer Hell in Münchner Clubs auf. Das erste Helle in 0,33-Liter-Fläschchen. Die Flaschen machten bayerisches Bier erstmals komplett kalt trinkbar und brachten den Wirten mehr Umsatz. Heute bekommt man sie in fast jedem Spätkauf in Hamburg, in Kölner Büdchen und Kreuzberger Kneipen. Seitdem rüstet die Brauerei auf.

Neue Abfüllanlage mitten im Schutzgebiet

Sie lässt den Standort im Kloster ausbauen. Allein in diesem Jahr ist geplant: Die Aufstockung des Brauereigebäudes um 1,30 Meter; eine neue Fahrspur für Tanklaster; eine neue Lagerhalle; bis zu 15 Gärsilos im Innenhof. Aber der Denkmalschutz ist streng, viel mehr lässt sich im Kloster nicht machen. Also hat die Brauerei vor zwei Jahren den Koloss auf die Wiese gestellt. Eine neue Abfüllanlage, auf drei Hektar, mitten ins Schutzgebiet. In diesem Jahr wird die Anlage in der Fläche noch mal verdoppelt.

Die Gegner der Expansion werfen der Brauerei Gier und Arroganz vor - den Ausverkauf ihrer Heimat, der mit den Bauprojekten rund um den Tegernsee ohnehin seit Jahren erstaunliche Blüten treibt. Der Landrat, der das Bauprojekt abgesegnet hat, argumentiert, er müsse sich um Arbeitsplätze in der Region kümmern - und man könne ja keine "Käseglocke" übers Tal stülpen.

Einer der Gegner der Brauerei hat nun eine Petition beim Europaparlament eingereicht. Sie beruft sich auf die "Alpenkonvention", einen alten Völkerrechtsvertrag zum Schutz der Berge. Vor ein paar Wochen hat das EU-Parlament sich bei den Brauerei-Gegnern im Tegernseer Tal gemeldet: Die Petition ist zugelassen. Der Kampf geht weiter.

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© SZ vom 22.08.2014/amm

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