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Elektroroller:An die Steckdosen, fertig, los!

Vorstellung der Bird E-Scooter in Bamberg

Jan Giersberg von den Stadtwerken Bamberg testet einen Tretroller mit Elektroantrieb - in der oberfränkischen Stadt waren 15 Gefährte sechs Wochen lang in einem Pilotversuch unterwegs.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)
  • Voraussichtlich Mitte Juli dürften in Bayern die E-Scooter richtig losrollern.
  • Ein Dutzend Anbieter steht in Bayern in den Startlöchern. Jeder von ihnen will nach München.
  • Eigentlich müssten die Firmen nicht mit den Städten verhandeln, sondern könnten ihre Roller einfach aufstellen.

Die Testphase hätte kaum besser laufen können. "Die hohe Nachfrage hat uns überrascht", sagt Jan Giersberg von den Stadtwerken Bamberg. Von März bis Ende April lief in der oberfränkischen Stadt das bundesweit erste Pilotprojekt mit E-Scootern. Giersbergs Bilanz nach sechs Wochen: alle Roller verliehen, kein einziger Unfall. Nicht einmal aufgeregt hätten sich die Bamberger über den potenziellen Unruhestifter. Was vielleicht daran lag, dass sie ihn selten zu Gesicht bekamen. Nur 15 Fahrzeuge rollten in der Testphase.

Noch sind Tretroller mit Elektromotor Exoten im Straßenbild. Das könnte sich bald ändern. Seit Samstag gilt die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. Seitdem können Verleihfirmen eine Zulassung für ihre Gefährte beantragen; vielerorts laufen die Vorbereitungen, diese möglichst schnell auf die Straße zu bringen. Von den acht bayerischen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern wissen nur die Verantwortlichen in den Rathäusern von Fürth und Erlangen nichts von Interessenten. Der Konkurrenzkampf unter den Verleihern ist programmiert - und nach Ansicht von Kritikern auch das Chaos im Verkehr.

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Elektronische Tretroller sind seit diesem Samstag auf deutschen Straßen zugelassen. Nun hat der MVV bekannt gegeben, wie er mit den Rollern umgehen will.

Das Geschäft mit den Leihrollern klingt verheißungsvoll. Wer die Menschen als Erster an sie gewöhnt, könnte den Nahverkehr verändern und viel Geld machen. Dass es trotzdem einen Test in Bamberg gab, ist der Verunsicherung zu verdanken, ob sich dieses Versprechen erfüllen lässt. Außerdem sind vielen die Obikes noch gut in Erinnerung - mit diesen orangen Leihrädern hatte eine Firma München regelrecht geflutet, sehr zum Ärger der Einheimischen.

Ein Dutzend Anbieter steht in Bayern in den Startlöchern. Jeder von ihnen will nach München, die Rede ist von 10 000 Fahrzeugen. Sollte das Angebot dort angenommen werden, dürfte es bald auf weitere Städte ausgeweitet werden. In Nürnberg wollen vier Anbieter zusammen 2000 Roller bereit stellen. In Würzburg haben drei Firmen angefragt; vertiefte Gespräche sollen frühestens im Juli beginnen. Ingolstadt berichtet von zwei Interessenten, einer mit 250 Rollern. Regensburg steht in Kontakt mit Verleihern: Da man aber einen Fahrradverleih aufbaue, wollten E-Scooter-Anbieter vorerst nicht tätig werden, heißt es aus dem Rathaus. In Augsburg will ein Anbieter angeblich bereits in den nächsten Tagen seine Fahrzeuge aufstellen. Wie viele, weiß man im Rathaus noch nicht.

Eigentlich müssten die Firmen nicht mit den Städten verhandeln, sondern könnten ihre Roller einfach aufstellen. Doch zumindest Circ - einer der größten Anbieter am Markt - verweist darauf, nur dort starten zu wollen, wo man das Einverständnis habe. Die Firma sucht Personal in Augsburg, Erlangen, Fürth, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. "Wir wollen vermeiden, dass Städte mit Rollern überflutet werden", sagt eine Sprecherin. Anfangs seien eher kleine Flotten geplant: quasi als Test. Dass gleichzeitig Konkurrenten auf dem Markt drängen, macht die Sache für die Unternehmen nicht einfacher. Viele Menschen registrieren sich bestenfalls bei einem oder zwei Anbietern, selten bei fünf verschiedenen.

Was für die einen ein Versprechen ist, stellt für andere eine Gefahr dar. Hersteller und Verleiher verweisen auf die Sicherheitsstandards ihrer Gefährte - allerdings müssen sich die Fahrer daran halten. Aus anderen Ländern mehrten sich zuletzt Berichte über schwere Unfälle. Die Wiener Polizei stoppte unlängst einen aufgemotzten Scooter mit Tempo 73. Erlaubt sind in Österreich 25 Stundenkilometer. In Deutschland sind es 20, gefahren werden darf nicht auf dem Gehweg. Auch Privatpersonen können sich E-Roller zulegen, wenn sie mit einer entsprechenden Haftpflichtversicherung ausgestattet sind.

Voraussichtlich Mitte Juli dürften in Bayern die Scooter richtig losrollern: Erst muss das Kraftfahrtbundesamt die Modelle zulassen. Auch in Bamberg wird etwas Zeit verstreichen, die Zusammenarbeit mit Anbieter Bird war mehr PR-Phase als Härtetest. "Wir wissen noch nicht, ob das Modell auch einen Mehrwert für den ÖPNV-Kunden bringt", sagt Giersberg. Man sei derzeit in Verhandlungen. Doch die betreffen eher das Wann und Wie. Nach wie vor gilt der Plan, dass Bird 100 Roller aufstellt. Inzwischen haben sich fünf weitere Anbieter gemeldet.