Donauwörth Hepatitis-Infektionen: Gesundheitsamt prüft 7500 Fälle

Das Klinikum informierte alle eventuell betroffenen Patienten.

(Foto: dpa)
  • Nachdem in einer Klinik im schwäbischen Donauwörth mehrere Patienten bei Operationen offenbar mit Hepatitis C infiziert wurden, prüft das Gesundheitsamt mittlerweile 7500 Fälle.
  • In diesem Zeitraum war ein mutmaßlich medikamentenabhängiger und selbst mit Hepatitis C infizierter Anästhesist an Eingriffen beteiligt.
  • Gegen den Mann ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Körperverletzung.
Von Christian Rost, Donauwörth

Nachdem in einer Klinik im schwäbischen Donauwörth mehrere Patienten bei Operationen offenbar mit Hepatitis C infiziert wurden, prüft das Gesundheitsamt mittlerweile 7500 Fälle. Es geht um sämtliche Operationen von November 2016 bis April 2018 in der Donau-Ries-Klinik. In diesem Zeitraum war ein mutmaßlich medikamentenabhängiger und selbst mit Hepatitis C infizierter Anästhesist an Eingriffen beteiligt. Gegen den Mann ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Körperverletzung. Es besteht der Verdacht, dass er die Patienten angesteckt hat. Belegt sind 693 Operationen, bei denen der Beschuldigte als Narkosearzt eingesetzt war. Wie der Leiter des Gesundheitsamtes, Rainer Mainka, sagte, müsse überdies abgeklärt werden, bei welchen weiteren Eingriffen er tätig war - als er in der Mittagszeit oder in den Abendstunden etwa für Kollegen einsprang, während diese Pause machten.

Bislang ist bei fünf Patienten eine Infektion mit dem Virus - kurz HCV - nachgewiesen worden. Werden Betroffene nicht behandelt, kann es zu schweren Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs kommen. Mittlerweile ist die Krankheit heilbar. In 95 Prozent der Fälle, so Rainer Mainka, schlage die Therapie an. Sie ist mit bis zu 40 000 Euro sehr teuer, wird aber von den Krankenkassen bezahlt.

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Das Gesundheitsamt hat am Mittwoch und Donnerstag in einem ersten Schritt alle 693 Patienten informiert, die im fraglichen Zeitraum in der Donau-Ries-Klinik operiert wurden und dabei Kontakt mit dem Narkosearzt hatten. Sie wurden aufgefordert, sich umgehend bei ihrem Hausarzt auf HCV testen zu lassen. In einem zweiten Schritt sollen dann alle Patienten benachrichtigt werden, die der Arzt auch als Aushilfe während seiner Dienste in der Klinik betreute. Das Gesundheitsamt lässt derzeit sämtliche Operationsberichte von November 2016 bis April 2018 auf eine Beteiligung des Anästhesisten prüfen.

Nicht geklärt ist bislang, wie das Virus auf die Patienten übertragen wurde. Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai sagte, es gebe eine "gewisse Wahrscheinlichkeit", dass der Narkosearzt, der nicht mehr an der Donau-Ries-Klinik tätig ist, dafür verantwortlich sei. Die Kriminalpolizei ermittle zwar auch in andere Richtungen. "Aktuell gibt es aber nur einen Beschuldigten", so Nickolai. Der Arzt hatte sich in der vergangenen Woche selbst bei seinem ehemaligen Arbeitgeber gemeldet und über seine HCV-Infektion informiert. Er selbst ist inzwischen geheilt. Die Ermittler lassen derzeit im Labor untersuchen, ob die Viren der fünf betroffenen Patienten demselben Virenstamm angehören und tatsächlich von dem Arzt übertragen wurden.

Wie das geschehen sein soll, darüber gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Fest steht aber, dass ein direkter Blut-zu-Blut-Kontakt bestanden haben muss. Die Frage ist nun, wie das Blut eines Narkosearztes mit dem von Patienten in Kontakt kommen kann. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält dazu fest, HCV-Übertragungen auf Patienten bei diagnostischen oder chirurgischen Eingriffen seien in Deutschland "eher selten". Auch Transfusionen sind als Übertragungsweg mittlerweile weitgehend auszuschließen: "Seit Einführung der diagnostischen Testung aller Blutprodukte auf HCV im Jahr 1991 ist die Übertragung durch Blutkomponenten in Deutschland kein relevanter Übertragungsweg mehr", so das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten.

Ermittler prüfen, ob das Virus möglicherweise über Spritzen übertragen wurde

Je nach Viruskonzentration im Blut könne HCV auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränen und Sperma nachweisbar sein. "Eine Ansteckung durch diese Körperflüssigkeiten ist jedoch sehr unwahrscheinlich." Übertragungen durch Niesen, Husten, über Nahrungsmittel und Trinkwasser oder durch Alltagskontakte ohne Beteiligung von Blut oder Blutspuren seien nicht bekannt, so das RKI.

Hepatitis-C-Infektionen grassierten über Jahre hinweg vor allem in der Drogen-Szene. Das Virus breitete sich durch mehrfach benutzte Spritzen und Drogen-Bestecke aus. Im Fall des Anästhesisten prüfen die Ermittler, ob er Patienten möglicherweise Narkosemittel mit Spritzen verabreichte, die er zuvor selbst benutzt hatte. Es kommen aber auch andere Übertragungswege in Betracht. "Vielleicht hat er beim Legen von Kanülen oder Venenschläuchen Fehler gemacht", sagte Gesundheitsamts-Chef Mainka.

Der Anästhesist arbeitete zehn Jahre lang an der Donau-Ries-Klinik. Bei einer routinemäßigen Gesundheitsprüfung, der sich die Mediziner alle drei Jahre unterziehen müssen, wurde 2016 noch kein HCV bei ihm festgestellt. Erst als er die Klinik verlassen hatte und an ein anderes Krankenhaus gewechselt war, wurde das Virus bei ihm nachgewiesen.

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