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Aussage über Flüchtlinge:Ehrenamtliche werten die Aussage als Schlag ins Gesicht

Flüchtingsmannschaft, Sportanlage des ESV Neuaubing: Vorstellung der ersten Flüchtlingsmannschaft Bayerns im organisierten Spielbetrieb des Deutschen Fußball Bundes

Paradebeispiel für gelungene Integration: Der ESV Neuaubing stellt seit 2015 die bundesweit erste Flüchtlingsmannschaft im Spielbetrieb des DFB.

(Foto: Florian Peljak)

Bernhard Gattner vom Caritasverband in Augsburg fordert die CSU auf, sich in ihrer Sprachwahl zu mäßigen. "Solche Beiträge tragen leider dazu bei, die Stimmung gegen Flüchtlinge aufzuheizen und dienen damit nicht den Zielen einer wahrhaft christlichen Politik", sagt er. Scheuer stärke damit die AfD mit ihrer Propaganda und schade der CSU.

Günter Reichert ist Erfinder der vielfach ausgezeichneten Asylotheken, in denen sich Ehrenamtliche darum kümmern, dass Flüchtlinge mit Büchern versorgt werden und Sprachkurse erhalten. Der Spruch von Scheuer mache vieles kaputt, "das ist schrecklich, das geht einfach gar nicht", sagt der Architekt. Er habe überhaupt nichts dagegen, Probleme anzusprechen, das sei notwendig. Dass aber jemand "nur überzeichnet, überzeichnet, überzeichnet", und dabei alles in einen Topf werfe, das sei schlicht "populistisch". Was man jetzt brauche seien verantwortungsvolle Politiker, "die das Land wieder zusammenbringen". Scheuer dagegen, "der entzweit".

Peter Barth aus dem oberbayerischen Hebertshausen ist Asylhelfer. "Die Äußerung von Herrn Scheuer ist im Grunde eine Beleidigung für viele Menschen in Bayern, die dazu beitragen, Asylbewerber - so auch jene aus dem Senegal - hier zu integrieren", sagt Barth. Er betreut in seiner Heimatgemeinde auch junge Senegalesen. Einem von ihnen hat er das Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht und ihm so einen Schulabschluss ermöglicht. Dem jungen Mann sei sodann eine Ausbildung im Mangelberuf Dachdecker angeboten worden. Die aber habe er nicht antreten können, weil Innenminister Joachim Herrmann 2015 unter anderem für Asylbewerber aus dem Senegal ein Arbeitsverbot erlassen habe. Tatsächlich spiele der junge Mann jetzt in einem türkischen Verein Fußball - "das ist jetzt mangels Arbeit sein Lebensinhalt", sagte Barth. Im Falle des jungen Mannes habe er beim Innenministerium interveniert. Die Antwort dort: "Wenn Sie ihm wirklich helfen wollen, dann sorgen Sie dafür, dass er zurück in sein Land geht." Vor einem solchen Hintergrund seien die Worte von Andreas Scheuer "empörend".

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© SZ vom 20.09.2016/dm/gla/kaa/prz/stma/wiw/imei
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