CSU-Parteitag Eisige Blicke für die Kanzlerin

Dass der Auftritt für Merkel nicht einfach werden würde, war von Anfang an klar. Die CSU ist schon seit Wochen fassungslos über den Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik. Die Bayern fordern vor allem eine Obergrenze für die Zahl der Flüchtlinge, und sie wollen, dass Angela Merkel sich endlich zu einer solchen Höchstzahl bekennt. Dass die Kanzlerin ihren Kurs auf dem CSU-Parteitag nicht grundsätzlich ändern würde, war eigentlich klar. Aber die Delegierten erwarteten sich wenigstens einige Signale, ein Zeichen, dass sie die Sorgen und Nöte der CSU ernst nimmt.

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Obergrenze für Flüchtlinge: Wie bewerten Sie den Leitantrag der CSU?

Beim CSU-Parteitag in München stimmt die Mehrheit der Deligierten für einen Leitantrag Horst Seehofers, der eine Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland fordert. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt dies ab.

Doch Merkel unternimmt nichts davon. Sie hält praktisch ihre Standardrede der vergangenen Wochen und erklärt den Delegierten sogar ziemlich deutlich, warum es mit ihr keine Obergrenze gibt.

Das sind die Momente, in denen man in die Gesichter der CSU-Größen in der ersten Reihe sehen muss. Es sind eisige Blicke, Gesten tiefer Entfremdung, mit denen die versammelte CSU-Spitze zuhört. Als Merkel ihre klare Absage formuliert, schüttelt es den bayerischen Staatskanzleichef Marcel Huber regelrecht. Markus Söder lässt die Hände abfällig nach unten sinken. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner blickt verzweifelt, und Europaministerin Beate Merk ist mit ihrem Tablet auf Facebook unterwegs. So geht es weiter während der Rede Merkels. Es sind nur mehr Reste von Höflichkeit, mit der die CSU-Führung ihrer Kanzlerin begegnet. Söder und Huber beherrschen die Kunst, so langsam und schlapp Beifall zu klatschen, dass es aussieht wie in der Super-Zeitlupe.

"Merkel raus!"-Schild zur Begrüßung

Schon vor dem Einzug Merkels in die Halle geht es unfreundlich zu. Mitglieder der Jungen Union halten bereits am Eingang Plakate hoch: "Zuwanderung begrenzen!", steht auf ihnen, "Transitzonen einführen!" und: "Klarer Kurs? Nur mit der CSU". Menschen aus der Parteiführung gelingt es noch, ihren Nachwuchs davon zu überzeugen, die Plakate herunterzunehmen. Merkel bekommt sie nicht zu Gesicht.

Doch spätestens beim Einzug in den Saal muss Merkel direkt erleben, wie es um die Stimmung in der CSU bestellt ist. Beim letzten Parteitag glich der Weg der CDU-Chefin zum Redepult noch einem Triumphzug. Die Delegierten klatschten euphorisch, viele hielten "Angie"-Plakate hoch. Diesmal bleibt die Hälfte gleich sitzen, der Applaus ist mehr als mau. Vereinzelt gibt es Pfiffe, Buhrufe sind zu hören. Und Roland Gaßner aus dem Kreisverband Neuburg-Schrobenhausen hält sogar einen Zettel hoch mit der Botschaft: "Merkel raus!"

Eines kann man der CSU an diesem Abend nicht vorwerfen: dass sie Konflikten aus dem Weg geht.

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