Parteitag der CSU:Ein Stoffel namens Seehofer

Merkel Speaks At CSU Party Congress

"Es wird an einer Begrenzung und an einer Obergrenze kein Weg vorbeiführen": Horst Seehofer gibt bereits zu Beginn des Parteitages in München den Ton vor.

(Foto: Jörg Koch/Getty)

Merkel will es allen recht machen. Doch am stoffeligen Seehofer scheitert die Kanzlerin - auf dem CSU-Parteitag behandelt er sie wie ein Schulmädchen.

Kommentar von Heribert Prantl

Allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die keiner kann - auch Angela Merkel nicht; aber ihr Regierungsprinzip besteht nun seit zehn Jahren darin, so zu tun, als könne sie es. Zehn Kanzlerjahre lang hat sie das mehr oder minder erfolgreich praktiziert und dabei die Mittel verbindlicher Unverbindlichkeit eingesetzt. In der aktuellen Flüchtlingspolitik geht das nicht gut.

Merkel kann nicht Flüchtlingsaufnahmekanzlerin sein und zugleich Flüchtlingsabweisungskanzlerin. Sie versucht das zwar, sie versucht also, rhetorisch zu jonglieren, sie versucht, die divergierenden Positionen zu verbinden - aber die CSU vereitelt diesen Versuch, indem sie unerbittlich eine "Obergrenze" fordert und sich um die grundgesetzliche Problematik einer solchen Forderung nicht schert.

Seehofer hat sich nach der wackeren Rede Merkels auf dem CSU-Parteitag auch um die Regeln der Höflichkeit nicht geschert. Er hat die Kanzlerin bei seinen langen Dank- und vor allem Mahnworten neben sich stehen lassen, als sei er der große Lehrer und sie das kleine Schulmädchen - der nun "der Angela" mitzuteilen hat, was an ihrem Referat gut war und was nicht; und was sie zu verbessern habe.

Seehofer sagte das in säuselndem Ton, aber doch in der Attitüde deutlich; es war ziemlich stoffelig. Diese kalkulierte Stoffelei sollte wohl, zum Gefallen des Parteitags, die Überlegenheit der CSU-Positionen demonstrieren. Souveränität sieht anders aus.

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