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Hausärzteverband:"Man muss auf jeden Fall verhindern, dass sich etwas wiederholt"

Markus Beier, Chef des bayerischen Hausärzteverbandes, arbeitet seit dem Jahr 2006 als niedergelassener Arzt in einer Gemeinschaftspraxis in Erlangen.

(Foto: Privat)

Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands fordert nach den Party-Exzessen im Urlaub Konsequenzen - damit sich das Coronavirus im Freistaat nicht wieder verstärkt ausbreitet.

Interview von Dietrich Mittler

Die Bilder von hemmungslos feiernden deutschen Ballermann-Touristen auf Mallorca machten nicht nur Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fassungslos. Auch Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands, fordert nach den Party-Exzessen Konsequenzen, um zu verhindern, dass sich das Coronavirus im Freistaat wieder verstärkt ausbreitet.

SZ: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie diese Urlauber sahen, die eng an eng feiern - und noch dazu ohne Maske?

Markus Beier: Das Freundlichste, was ich jetzt dazu sagen kann - völliges Unverständnis! Das muss wirklich nicht sein. Jetzt gilt es, konsequent zu überlegen, wie man mit solchen Urlaubsheimkehrern umgeht.

Wie denn zum Beispiel?

Fangen wir an bei den Urlaubsgebieten. Die könnte man einteilen in grüne, gelbe und rote Regionen. Und wenn dann jemand aus einer roten Zone kommt, sollte es doch möglich sein, diese Person testen zu lassen.

Hat der Hausärzteverband weitere Strategien im Angebot?

Es ist nicht unsere Aufgabe, ein komplettes Konzept vorzulegen. Dafür gibt es politische Entscheidungsgremien. Aber dass wir vor derselben Situation stehen wie nach den Faschingsferien, das muss auf jeden Fall verhindert werden.

Bis Ministerpräsident Markus Söder in Bayern schließlich eingriff, ließ man auch hier die Rückkehrer aus den Faschingsferien ohne jegliche Tests in die Betriebe, in die Schulen oder Kindergärten gehen. Es gab lediglich Flyer, in denen die Rückkehrer zur Vorsicht aufgerufen wurden. Wiederholt sich da gerade was?

Ob sich da was wiederholt? Das weiß ich nun auch nicht. Aber man muss jetzt auf jeden Fall verhindern, dass sich da etwas wiederholt.

Im Klartext: Fordern Sie Corona-Tests für alle Urlaubsrückkehrer?

So eine Forderung wird der Bayerische Hausärzteverband mit Sicherheit nicht stellen. Mir geht es hier nicht um schnelle Überschriften in den Medien. Außerdem: Ich halte nun auch nicht jeden Urlaubsrückkehrer für potenziell gefährlich. Aber man sollte auf jeden Fall schon jetzt wissen, wie man reagiert, wenn sich gewisse Urlaubsregionen als hochproblematisch herausstellen.

Wäre eine staatlich angeordnete Quarantäne die geeignete Option?

Wenn die Gesundheitsämter generell für Urlaubsrückkehrer eine Quarantäne anordnen, dann hätten davon Betroffene in der Regel Anspruch auf eine Entschädigung für ihren Verdienstausfall. Aber nun stelle man sich vor: Diejenigen, die sich da ohne Schutzvorkehrungen am Ballermann rumtreiben, bekommen dann im Fall einer staatlich angeordneten Quarantäne auch noch eine Entschädigung auf Kosten der Steuerzahler. Ich bin nicht der Meinung, dass der Staat für jeden Unfug einstehen muss.

Was könnte der Freistaat konkret tun?

Bayern sollte nun rasch im Austausch mit den anderen Bundesländern ein Konzept entwickeln. Und: Hier im Freistaat gibt es ja immerhin bereits die Möglichkeit für jeden, sich kostenlos testen zu lassen. Wie zu hören ist, macht sich auch der Bayerische Städtetag ernsthafte Gedanken, wie im Fall neuer Corona-Hotspots vorzugehen ist.

Wie können Sie sich hier als Chef des Bayerischen Hausärzteverbands einbringen? Müssen Sie nicht letztlich doch tatenlos zuschauen?

Tatenlos zuschauen? Noch im Laufe dieser Woche werden wir ein Maßnahmenpaket veröffentlichen. Da geht es etwa darum, was Bayerns Hausarztpraxen leisten können - und was nicht. Oder auch um die Frage, wie bei einer steigenden Zahl von Corona-Testungen die dafür nötige Schutzkleidung organisiert wird.

© SZ vom 15.07.2020/vewo
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