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Christian Stückl im Interview:"Jetzt könnt ich gut Papst werden"

Christian Stückl erhält Abraham-Geiger-Preis in München, 2020

Christian Stückl, 59, setzt sich mit der antisemitischen Geschichte der Passionsspiele auseinander.

(Foto: Stephan Rumpf)

Christian Stückl wird Ehrenbürger.

Interview von Christiane Lutz, Oberammergau

Christian Stückl wurde diese Woche nicht nur 59 Jahre alt, sondern auch zum Ehrenbürger von Oberammergau ernannt. Der Gemeinderat und Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) wollen damit Stückls Wirken als Passionsspielleiter auszeichnen.

SZ: Sie sind seit 1987 Passionsspielleiter - warum sind Sie nicht längst schon Ehrenbürger von Oberammergau?

Christian Stückl: Man denkt doch bei keinem jungen Menschen mit 30 oder 40 darüber nach, ob er Ehrenbürger wird, oder? Man geht davon aus, dass ein Ehrenbürger ein päpstliches Alter erreichen muss. Wahrscheinlich habe ich einfach das Alter jetzt erreicht. Jetzt könnt ich gut Papst werden. Oder eben Ehrenbürger.

Warum, glauben Sie, haben Sie den Titel verdient?

Ich habe immer das getan, was ich gern tue. Ich wusste mit zwölf Jahren schon, dass ich Passionsspielleiter werden will. Keine Ahnung, woher ich das wusste. Ich habe mich viel mit Themen auseinander gesetzt, immer versucht, das Passionsspiel weiter zu bringen. Wahrscheinlich wird es das sein. Ich bin übrigens nur der zweitlängste Passionsspielleiter aller Zeiten.

Wer war denn länger dabei als Sie?

Das war der Georg Johann Lang, der war 1922, 1930, 1934, 50 und 60 Spielleiter. Bei seiner letzten Passion war er 71 Jahre alt.

Welche Pflichten kommen jetzt auf Sie zu mit dem Amt? Welche Annehmlichkeiten?

Leider gibt es keinen lebenslangen freien Eintritt ins Freibad Wellenberg. Ich darf mich in das Goldene Buch eintragen. Außerdem hab' ich gehört, die Gemeinde übernimmt für ihre Ehrenbürger mal die Grabpflege. Aber auf die Ehre will ich erst mal verzichten.

Wer ist noch Ehrenbürger von Oberammergau? Sind Sie in guter Gesellschaft?

Der erste Ehrenbürger im 20. Jahrhundert war ein Engländer, Arthur Evans, der im Ausland große Werbung fürs Passionsspiel gemacht hat. Der war so verliebt in Oberammergau, dass er sich sogar hier hat begraben lassen. Dann ist der einstige Landrat Helmut Fischer dabei oder der ehemalige Ministerpräsident Max Streibl, der ja auch von hier kam.

Was müssten Sie Schlimmes anstellen, um den Titel wieder aberkannt zu bekommen? Passion - das Musical?

Das gibt's ja schon, "Jesus Christ superstar"! Ich glaube, man ist Ehrenbürger auf Lebenszeit. Über eine Aberkennung denk ich lieber nicht nach, ich bin am Ende doch sehr harmoniesüchtig.

© SZ vom 20.11.2020

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