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Blattmacher-Sieger 2018/19:Klassentreffen der Besten

Beim Blattmacher-Wettbewerb werden die besten Schülerzeitungen Bayerns ausgezeichnet. Viele Redaktionen haben gezeigt, wie guter Journalismus geht. Dabei bildeten sie ihren Schulalltag genauso ab wie die großen Gesellschaftsthemen

München, 22.7.2019 / Foto: Robert Haas Thema: Schülerzeitungs-Wettbewerb Blattmacher 2019 - Siegerehrung

(Foto: Robert Haas)

"Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen." Zu diesem Urteil soll - angeblich - der Philosoph Aristoteles gekommen sein. Wobei man daran große Zweifel haben muss: Erstens hat bislang niemand in seinen Werken das "Zitat" entdeckt, das Jugendkritiker so gerne bemühen. Zweitens gibt es immer wieder Veranstaltungen, die zeigen, dass junge Menschen mehr drauf haben, als ihnen manche Erwachsene gern zugestehen würden. Mehr als 100 Redaktionen aus dem ganzen Freistaat hatten sich in diesem Jahr beim Blattmacher beworben, dem großen Schülerzeitungs-Wettbewerb von Süddeutscher Zeitung und bayerischem Kultusministerium. 21 von ihnen konnten sich am Montag im SZ-Hochhaus in München besonders freuen, wurden sie doch als beste Schülerzeitungen des Landes prämiert. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte das besondere Engagement der Schüler. In den Redaktionen könne man lernen, "wie man im Team arbeitet, wie man schreibt, wie man diskutiert". Stefan Hilscher, Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, dankte den "Kolleginnen und Kollegen" für ihre Arbeit: Angesichts der Qualität der Einsendungen sehe er keinen Anlass zu Nachwuchssorgen.

Zum 14. Mal organisieren SZ und Ministerium den Blattmacher-Wettbewerb. Die Seufzer, die manches Jurymitglied von sich gab, zeigten, wie schwer die Entscheidung mal wieder fiel. Die Professionalität der Redaktionen beeindruckt wie auch der Wille, etwas Herausragendes zu schaffen in dem bisschen Freizeit neben Schule, Hausaufgaben und Hobbys.

Auf den ersten Blick kommen die Prämierten ganz unterschiedlich daher. Manche wie der Blog im Blauen Land (Realschule Murnau) sind nur im Netz unterwegs, andere gleichen Büchern - der Innfloh (Ruperti-Gymnasium Mühldorf) umfasst 171 Seiten. Auf den zweiten Blick einen die Ausgezeichneten pointierte Texte, durchdachtes Layout, guter Journalismus. Viele Redaktionen haben in ihren Zeitungen Schulalltag und Gesellschaftsthemen gleichermaßen integriert. So spielten die "Fridays for Future"-Demos fast überall eine Rolle. Das Echo (Gymnasium Wertingen) setzte sich mit Psychiatrieaufenthalten, Dieselskandal und Todesstrafe auseinander, die Hummelnews (Mittelschule Hummelsteiner Weg Nürnberg) mit Rechtsextremismus und Rassismus. Die Redakteure des Wortwechsels (Berufs- und Fachoberschule Erding) nutzten den Schwerpunkt "Minimalismus" als Mittel der Gestaltung, ihr Heft präsentiert sich entsprechend zurückhaltend. Und das Dach-Street-Journal (Samuel-Heinicke-Fachoberschule München) hatte sich auf "Helden" konzentriert. Ständig liefen Heldenfilme im Kino, erklärte Redakteurin Nini Sturm. Dabei gebe es auch an ihrer Schule Helden; Schüler, die gegen Schokolade kämpften oder gegen Krankheiten. "Wir haben so viele Helden, aber wir sehen sie oft gar nicht." Folgerichtig bat Hilscher alle Schüler ums Weitermachen. "Ihr schafft Öffentlichkeit für Themen, das ist heute wichtiger denn je."

Eine Blattmacher-Verleihung ähnelt oft einem Klassentreffen. Viele Redaktionen kennen sich, sind gewissermaßen Wiederholungstäter, die regelmäßig beim Blattmacher-Wettbewerb ausgezeichnet werden: etwa die Redaktion der Franzi (Franziskus-Schule Bad Windsheim). Zahra Lalzad - die neben SZ-Redakteurin Anna Günther durch den Tag führte - konnte ein Wiedersehen mit ihrer früheren Schule feiern: Die Berufs- und Fachoberschule Freising landete mit Zoom auf dem dritten Platz. Vor drei Jahren hatte Lalzad selbst noch einen Titel mit der Schülerzeitung geholt.

Alle Erstplatzierten müssen nun ein Jahr pausieren. Dafür werden sie Mitglied im "Club der Besten". "Wir wollen zusätzlich unterstützen", sagte Silke Zimmermann von der Nemetschek-Stiftung. Das funktioniert vereinfacht so: Die Schulen stellen aus einem breiten Angebot an Workshops und Ausflügen ihr "Wunschpaket" zusammen; die Stiftung sorgt mit der SZ für die Umsetzung. Im vergangenen Mai brachte so eine Flüchtlingsklasse der Berufsschule Schwandorf einen Tag in der Walhalla zu. Die Schüler des Gymnasiums Münsterschwarzach, der Mittelschule Eltmann und der Realschule Kemnath hatten im Juni die Möglichkeit, sich unter anderem in Medienethik fortzubilden. Die Stiftung übernimmt zudem die Preisgelder: Für die ersten Plätze gibt es je 500 Euro, für die zweiten 300 Euro, für die dritten 200 Euro.

Die Preisträger

Grundschulen: 1. Der kleine Hai, Grund- und Mittelschule Haimhausen; 2. Heininger Welle, Hans-Carossa-Grundschule Passau; 3. Spicker, Obere Schule Kulmbach

Mittelschulen: 1. The Sommer Time(s), Michael-Sommer-Mittelschule Schrobenhausen; 2. Hummelnews, Mittelschule Hummelsteiner Weg Nürnberg; 3. #Klätschblätt, Montessori-Schule Ingolstadt

Förderschulen: 1. Franzi, Franziskus-Schule Bad Windsheim; 2. Dach-Street-Journal, Samuel-Heinicke-Fachoberschule München; 3. Kitt, Anna-Kittenbacher-Schule Pfaffenhofen

Gymnasien: 1. Blickkontakt, Von-Müller-Gymnasium Regensburg; 2. Innfloh, Ruperti-Gymnasium Mühldorf am Inn; 3. Echo, Gymnasium Wertingen

Realschulen: 1. Pen(n)house, Realschule an der Salzstraße Kempten; 2. Egon, Staatliche Realschule Hilpoltstein; 3. Freestyle, Städtische Ludwig-Thoma-Realschule München

Berufsschulen: 1. Wortwechsel, FOS/BOS Erding; 2. Verweis, FOS/BOS Augsburg; 3. Zoom, FOS/BOS Freising

Sonderpreis Digitale Medien: LinNet, Lindenschule Memmingen; Blog im Blauen Land, Realschule Murnau; 480 Grad, Leonhard-Wagner-Realschule Schwabmünchen

Ums Heitere wie Nachdenkliche kümmerte sich der Münchner Sänger Paul Kowol. Mal rockig, mal poppig, mal schnipsend, mal auf der Gitarre trommelnd, erzählte der Singer-Songwriter vom Leben und wie es so spielt. Manche Zeile klang wie eigens für den Tag getextet: "Wo sind sie, die guten Geschichten? / Ihr findet sie nicht in den Abendnachrichten." Von derlei Unwägbarkeiten des Lebens - genauer: von der Unzuverlässigkeit der Postzustellung - könnten künftig die Redakteure des Von-Müller-Gymnasiums Regensburg berichten. Ihr Einladung ging verschütt, sie verpassten die Verleihung. Piazolo versprach, die Unglücklichen zur Nachhol-Ehrung ins Ministerium einzuladen.

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