Mitten in Bayern:Käfer und Motten in Bio-Bier-Brauerei

Mitten in Bayern: Wer eine Mass Bier genießt, will nicht unbedingt immer wissen, wie es im Brauhaus aussieht, aus dem sie kommt.

Wer eine Mass Bier genießt, will nicht unbedingt immer wissen, wie es im Brauhaus aussieht, aus dem sie kommt.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Schon oft rätselte man, warum dieses Bio-Bier aus dem Altmühltal so hervorragend schmeckt. Nun gab es einen Prozess in Regensburg, bei dem einem die Lust auf eine Halbe fast vergehen kann.

Glosse von Lisa Schnell

Hinter einem außerordentlich guten Getränk steckt meistens ein Geheimnis. Oder besser: Jemand macht ein Geheimnis daraus. Man möchte jetzt nicht behaupten, dass Cola außerordentlich gut schmeckt, aber ihre Erfinder haben extra einen Tresor gebaut, in dem sie ihr Rezept lagern. Und was ist eigentlich diese Prise "Nein, sag' ich nicht", die die Hollerlimo der Oma so unwiderstehlich macht? Als arge Geheimniskrämer sind auch Bierbrauer bekannt.

Letztens erst klappte einer von ihnen empört sein kleines Notizbüchlein zusammen, als man wagte, einen Blick in seine Braukunstaufzeichnungen zu werfen. "Das ist mein Rezept!", rief er und machte gleich zwei Sätze nach hinten, dass man ihm nicht sein Buch entreiße. So zugetragen hat sich das in einem kleinen Kommunbrauhaus in der Oberpfalz, aber auch die Großen sind nicht auskunftsfreudiger. Schon oft etwa rätselte man, was dieses Bio-Bier aus dem Altmühltal so vorzüglich macht. Nun könnte man dem Geheimnis eine Spur näher sein, denn ein Prozess in Regensburg offenbarte gerade, was außer Hopfen und Malz noch so im Brauhaus lagerte.

Im Zeugenstand berichtete ein Lebensmittelkontrolleur von "extremem Schädlingsbefall". Schon von außen hätten sie tote Insekten am Boden liegen sehen, aus der Mühle seien Reismehlkäfer und Motten gekrabbelt: "Es hat wirklich keine Stelle gegeben, wo wir keine gefunden haben." Der Mann hat schon einiges gesehen, so ein Gewusel aber selten.

Der verantwortliche Braumeister stellte zutreffend fest: "Da ist was schiefgelaufen". Und führte allerlei Gründe an: zu wenige Mitarbeiter, Starkregenereignis, ein altes Gemäuer als Brauhaus. Das erste Gericht, vor dem er stand, in Kelheim, überzeugte das nicht. Es verdonnerte ihn zu einer Geldstrafe von 11 400 Euro. Das Landgericht in Regensburg, das er daraufhin in Berufung aufsuchte, war da etwas milder. Er muss jetzt nur noch 5700 Euro zahlen.

Käfer und Motten - und damit kommen wir wieder zum Geheimrezept - sollen mit dem Bier nicht in Berührung gekommen sein. Man weiß also wieder nicht, warum dieses Bier so schmeckt, wie es schmeckt: gut. Eigentlich. Es bleibt ein Geheimnis. Und nach allem, was man nun weiß, ist das vielleicht gar nicht so schlecht.

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