Bildung in Bayern Der Stipendiat

Jurij Vilisov studiert im 3. Semester an der TU München und ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.

(Foto: Carmen Wolf)

Jurij Vilisov, 24, Waldkraiburg, Studiert in München

Ich war zehn Jahre alt, als ich aus Kasachstan nach Deutschland kam. In Waldkraiburg bin ich in die vierte Klasse gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu können. Das war eine schwierige Zeit. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich mich sprachlich einigermaßen zurechtgefunden habe. Meine Mutter hatte in Kasachstan Deutsch gelernt und hat viel mit meinem Zwillingsbruder und mit mir geübt. Weder meine Mutter noch ich hatten eine Ahnung vom bayerischen Schulsystem und dass es in der vierten Klasse um den Übertritt auf weiterführende Schulen ging.

Als ich in die Hauptschule kam, hatte ich sprachlich eigentlich keine Probleme mehr. Meine Noten wurden immer besser. Deshalb bin ich dann auch auf die Realschule gegangen. Zu dieser Zeit hatte ich wenig Lust auf Schule, ich war Teenager und hatte alles Mögliche im Kopf. Meine Noten waren eher mittelmäßig. Ich wusste auch nicht recht, welche Ausbildung ich machen sollte. Bei einem Job-Test in der Agentur für Arbeit kam "Fluggerätemechaniker" heraus, dann habe ich das eben ausprobiert. Während der Ausbildung habe ich gemerkt, dass mir das Lernen eigentlich sehr leichtfällt. Deshalb habe ich mich entschlossen, auf die BOS in Altötting zu gehen und das Abitur zu machen.

Das war eine ganz andere Welt. Ich musste viel mehr lernen als auf der Berufsschule. Unser Lehrer hat ziemlich viel verlangt. Das war für mich ein Ansporn, gute Noten zu schreiben. Am Anfang war ich ein Zweierschüler, aber mit der Zeit habe ich mich bis zur Eins hingearbeitet. Nach der zwölften Klasse hatte ich das Fachabi, aber ich wollte unbedingt auch noch die dreizehnte Klasse und damit das Allgemeine Abitur machen. In den Prüfungen hatte ich dann einen Schnitt von 1,0. Die Schule hat mich deshalb für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen. Ich wurde mit 50 anderen, von denen die meisten eigentlich viel besser waren als ich, zu einem Auswahlseminar eingeladen. Ich war sehr nervös. Ich konnte es kaum fassen, als ich erfahren habe, dass ich ausgewählt worden bin. Jetzt studiere ich im dritten Semester Luft- und Raumfahrt an der Technischen Universität in München.