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Bildung in Bayern:Die Migrantin

Sezgi Yildirim, 19, Staatliches Berufliches Schulzentrum Neusäß

Sezgi Yildirim geht in die 13. Klasse und macht im Mai Abitur.

Eigentlich wäre ich nach der vierten Klasse gerne auf die Realschule gegangen, aber meine Grundschullehrerin hat meiner Mutter gesagt, ich hätte nicht das Potential. Dass diese Einschätzung falsch war, sieht man jetzt, da ich das Abitur auf der FOS mache. Das Urteil meiner Lehrerin hat mich einerseits frustriert und andererseits angespornt. Ich habe gedacht: "Eigentlich kann ich es schon."

Auf der Hauptschule habe ich mich dann ins Zeug gelegt. Ich wollte mich von Anfang an nicht mit einem Hauptschulabschluss zufriedengeben. Nach der sechsten Klasse bin ich in den M-Zweig und habe nach der zehnten den M-Abschluss gemacht, der gleichwertig mit dem Realschulabschluss ist. Danach habe ich mich entschlossen, auf die FOS zu gehen und Abitur zu machen.

Meine Eltern haben mich nie unter Druck gesetzt, aber sie haben mir vermittelt, dass es wichtig ist, einen guten Abschluss zu haben. Ich hatte auch Vorbilder in meiner Familie, an denen ich gesehen habe, dass man auch als Migrantin Abi machen kann. Einer meiner Onkel hat Betriebswirtschaft studiert, ein anderer Medizin. Der Übergang von der Hauptschule auf die FOS war nicht einfach. In der Hauptschule ist mir alles leichtgefallen. Ich habe kaum gelernt und hatte trotzdem gute Noten. In Mathe zum Beispiel war ich eine Einser-Schülerin, im ersten Jahr auf der FOS hatte ich eine Vier in Mathe. Das war deprimierend, aber mit der Zeit habe ich es in den Griff bekommen.

Ich bin jetzt in der 13. Klasse und mache im Mai Abitur. Hier im Beruflichen Schulzentrum in Neusäß sind viele Schüler mit Migrationshintergrund. Ich glaube, das liegt daran, dass die Kinder in der Grundschule selbst noch nicht wissen, wie wichtig ein guter Abschluss ist. Ihre Eltern können sie oft kaum unterstützen. Die Mütter vieler Kinder mit Migrationshintergrund sprechen kein Deutsch oder haben keine Erfahrung, wie das Schulsystem funktioniert. Deshalb können sie ihre Kinder nicht so fördern wie die deutschen Eltern. Wenn die Kinder älter sind, nehmen sie selbst die Verantwortung in die Hand. Für den direkten Weg über das Gymnasium ist es dann zu spät, deshalb gehen viele den Weg über die FOS oder die BOS.