Bergrettung Wenn die Bergwacht E-Bikes retten muss

Wer mit Muskelkraft auf den Berg kommt, schafft es in der Regel auch wieder runter. Aber wie sieht es bei E-Bikern aus?

(Foto: Martin Schindler/oh)

Die Bergwacht in Bad Reichenhall ist viel gewohnt: Atemlose, überforderte oder verletzte Wanderer sind Alltag dort. Zwei E-Biker aus Niedersachsen überraschten die Retter aber mit einem besonderen Hilferuf.

Kolumne von Matthias Köpf

Der Spruch, runter komme man immer irgendwie, zeugt zwar von einem gewissen Grundvertrauen in die Schwerkraft, aber oft auch von übersteigerter bis völlig verstiegener Selbstsicherheit. Die Bergwacht zum Beispiel muss den Menschen in den seltensten Fällen beim Hinaufkraxeln beistehen, sondern hat in aller Regel damit zu tun, die Leute vom betreffenden Berg wieder herunterzubekommen - womit sie andererseits wieder mithilft, den Spruch zu bestätigen. Und runtergekommen ist ja auch dieser Ötzi irgendwann.

Das Pärchen aus Niedersachsen, dem gerade die Bad Reichenhaller Bergwacht zu Hilfe kommen musste, ist aber selber abgestiegen, aus 700 Metern, immerhin. Nur ihre geliehenen E-Bikes haben die beiden halt nicht wieder mit heruntergebracht. Unten in der Reichenhaller Rupertus-Therme hätte man die Räder aber schon gern wieder zurückbekommen, bat daher die Polizei um Hilfe, und die verständigte die Bergwacht, wie das Reichenhaller Tagblatt berichtet.

"You and your fucking hiking!"

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Für die Bergwachtler war der Einsatz am Müllnerhörndl nicht weiter ungewöhnlich, nur dass sie eben keine erschöpften, gestürzten, verletzten, blockierten oder sonstwie in Bergnot geratenen Menschen abseilen mussten, sondern zwei Räder mit Elektromotoren. Mit den E-Bikes waren die zwei Leiher zwar kommod hinaufgekommen zum Kugelbachbauern und zum Paul-Gruber-Haus, aber für den Steig hinunter nach Ulrichsholz hat es dann nicht mehr gereicht, wobei der schwere Motor bergab eh keine Hilfe mehr ist, sondern eher eine Last.

Da werden sich jetzt die nicht motorisierten Mountainbiker freuen, die lieber selber atmungsaktiv sind in ihren angeblich ebensolchen Leibchen. Wer nicht ehrlich und aus eigener Kraft selbst hinaufkomme, dem fehle oft auch das fahrerische Können, um wieder hinunterzukommen, heißt es dann zwar nicht ganz zu Unrecht, aber doch etwas herablassend von Leuten, die ihre Räder aus dem freizeitfreudigen Kleinbus heben, vom Dach des Familienkombis wuchten oder von der Anhängerkupplung hieven, statt die Räder ehrlich und aus eigener Kraft selber in die Berge zu tragen, leicht wie sie sind. Die Bergwacht hilft ihnen notfalls allen. Im Reichenhaller Fall allerdings gegen Rechnung über 565 Euro.