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SPD-Vorsitz:Natascha Kohnen zieht sich zurück

Natascha Kohnen bei konstituierender Kreistagssitzung in München, 2020

Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen will bei der nächsten Vorstandswahl nicht mehr kandidieren.

(Foto: Claus Schunk)

Sie werde nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren, sagt sie, und den Weg für Jüngere freimachen.

Von Johann Osel

Das hartnäckige Gerücht gab es schon länger, wonach Natascha Kohnen den Vorsitz der Bayern-SPD aufgeben will. Am Wochenende nun hat Kohnen, 53, zunächst die Vorstandskollegen über den geplanten Rückzug von der Parteispitze informiert, danach die Öffentlichkeit via Facebook: Beim Landesparteitag, der voraussichtlich im Frühjahr stattfinden soll, werde sie nicht mehr antreten - "denn es ist in meinen Augen Zeit, dass mehr Jüngere die Verantwortung an der Spitze übernehmen".

Im Laufe der Jahre sei deutlich geworden, schrieb Kohnen, "dass viele Menschen ihr Vertrauen in die SPD verloren hatten, über Jahrzehnte hinweg, sie erkannten uns nicht mehr als Garanten eines starken Sozialstaates und einer gerechten Gesellschaft. Beides wünschen sich jedoch so viele". Persönlich will sie sich laut Erklärung zum Beispiel die schlechten Wahlergebnisse nicht anlasten - die Übergabe des Stabs an Jüngere ("Denn die Zukunft ist ihre") sieht sie aber gekommen. Ihr Landtagsmandat will sie weiterhin behalten.

Seit 2017 ist die Biologin Chefin des Landesverbands, zuvor war sie acht Jahre Generalsekretärin. In der SPD wird sie dem linken Flügel zugerechnet. Zu den zentralen Themen ihrer Arbeit zählen Wohnungsnot und Mieten. Zuletzt fuhr die SPD in Bayern herbe Niederlagen ein. Bei der Landtagswahl 2018 mit Kohnen als Spitzenkandidatin erreichte sie ein historisch schlechtes Ergebnis, 9,7 Prozent. Jüngste Umfragen laut BR-"Bayerntrend" taxieren die Sozialdemokraten sogar noch niedriger.

Wann genau der Parteitag mit Neuwahlen 2021 stattfinden kann, ist von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig. Womöglich könnte sich Kohnens Amtszeit so ungewollt verlängern. Denkbar ist in Zukunft jedenfalls eine Doppelspitze. Noch 2019 beim Parteitag in Bad Windsheim war ein Antrag dazu abgelehnt worden - er forderte nicht nur eine Aufteilung mit Frau und Mann, sondern auch mit Stadt und Land, weil ländlicher Raum und Metropolregionen unterschiedliche Bedürfnisse hätten.

Mittlerweile sind in der SPD aber deutlich mehr Sympathien für die Duo-Lösung zu vernehmen, etwa beim jüngsten Digitalparteitag. Nötig wäre eine Satzungsänderung bei einem Präsenzparteitag. Intern werden bereits Namen gehandelt, etwa der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn oder Generalsekretär Uli Grötsch. Beide dankten am Wochenende Kohnen für ihre Engagement, hielten sich aber auf Anfragen von SZ und BR zur Nachfolge noch bedeckt.

© SZ.de/lfr/kbl
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