Mitten in Bayern:Auszeichnung im Tiefschlaf

Mitten in Bayern: Ein Murmeltier in den Alpen. Im Winter sind die Tiere bis März nicht zu sehen.

Ein Murmeltier in den Alpen. Im Winter sind die Tiere bis März nicht zu sehen.

(Foto: Daniel Naupold/dpa)

Murmeltiere schlafen noch bis März. Trotzdem hat das Bayerische Artenschutzzentrum die Tiere jetzt zur "Art des Monats Januar" gekürt.

Glosse von Florian Fuchs

Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf, werden sich die Mitarbeiter vom Bayerischen Artenschutzzentrum gedacht haben. Und wahrscheinlich ist es auch ganz gut, dass die Murmeltiere überhaupt nichts mitbekommen von der Aufregung, die sie sonst noch ein paar Tage bis Ende Januar verfolgt hätte. Zur "Art des Monats Januar" hat das Artenschutzzentrum das Murmeltier erkoren, das die Lateiner "mus montis" genannt haben, also Bergmaus. Die Murmeltiere pennen ja gerade alle, sehr lange sogar. Im Oktober haben sie sich zur Ruhe gebettet, erst ab März werden sie wieder ihre Schnauzen aus ihrem Bau stecken.

Eine Auszeichnung im Schlaf, das schaffen nicht viele. Dabei ergibt das schon Sinn, gerade der Winterschlaf ist ja eines der faszinierenden Merkmale der Tiere. Es heißt nicht umsonst, man schlafe wie ein Murmeltier, obwohl dem Menschen die Nachahmung dieses Schlafverhaltens keineswegs zu empfehlen ist: Laut dem Naturschutzbund sinkt die Körpertemperatur von 39 auf bis zu sieben Grad Celsius, der Herzschlag von 100 auf manchmal nur zwei bis drei Schläge pro Minute. Die Atempausen dauern teils Minuten.

Auch als Diätvorlage taugt das Schlafverhalten der Tiere nicht: Bis März können Murmeltiere bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts verlieren. Immerhin haben sie es beim hungernden Schlafen kuschelig warm: Bei minus fünf Grad hat es in der Höhle zumindest für Fellknäuel angenehme zehn Grad. Könnte höchstens sein, dass es gegen Februar streng riecht, wenn zwanzig Murmeltiere ihren Winterbau mit Erde und Steinen verschließen, um nebeneinander zu schlummern und sich gegenseitig zu wärmen.

Andererseits verbringen Murmeltiere bis zu 90 Prozent ihres Lebens in ihren ausgeprägten Tunnelsystemen, die sich bis zu zwanzig Meter weit erstrecken. Murmeltiere gelten als Relikte der Eiszeit, sie haben nur wenige Schweißdrüsen. Wird es wärmer als zwanzig Grad, wird es für sie unangenehm. Wenn sie sich keinen Winterspeck anfressen müssten, würden sie ihren Bau wohl gar nicht verlassen. Draußen warten ohnehin nur Steinadler und Fuchs, und die haben ihre ganz eigene Diät im Sinn. Um einander vor Fressfeinden zu warnen, geben die Murmeltiere ihre typischen Pfeiftöne von sich. Ein langer Ton signalisiert Gefahr aus der Luft. Mehrere kurze Töne kündigen einen Räuber am Boden an. Da sind minutenlange Atempausen doch deutlich entspannter.

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