Coronavirus in Bayern:"Person wurde deaktiviert": Ärger wegen Mails vom Impfportal

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Weil sich eine Rentnerin in den letzten zehn Tagen nicht in ihrem BayIMCO-Konto angemeldet hat, wurde ihr mit der Löschung ihres Kontos gedroht. Das findet sie "unmöglich".

(Foto: dpa)

Die Staatsregierung versendet automatische Nachrichten an alle, die sich "die letzten zehn Tage nicht in ihrem BayIMCO-Konto angemeldet" haben. Das verunsichert vor allem ältere Bürger.

Von Dietrich Mittler

Das Impfportal "BayIMCO" hat anfangs auch durch Pannen auf sich aufmerksam gemacht, die Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) als "Kinderkrankheiten" umschrieb. Nun erhielten viele Bürgerinnen und Bürger vom Impfportal der Staatsregierung eine automatische E-Mail - und die sorgt insbesondere bei manchen älteren Personen je nach Temperament für Verunsicherung, beziehungsweise für Verärgerung. Die SZ-Leserin Barbara Friese aus Dillingen an der Donau gehört wohl zu jenen, die sich sehr geärgert haben. "Unmöglich", sagte die 76-Jährige am Donnerstag auf Nachfrage - das gelte sowohl für den Inhalt des Schreibens, als auch für die Wortwahl.

Die Mail beginnt so: "Guten Tag. Die Person Barbara Elisabeth Friese in Ihrem Konto wurde aufgrund von Inaktivität deaktiviert." Friese las erstaunt weiter: "Dies erfolgt, da Sie keinen Impftermin gebucht haben und sich die letzten zehn Tage nicht in ihrem BayIMCO-Konto angemeldet haben." Die Person werde drei Wochen nach Erhalt der Mail gelöscht, "falls Sie diese in Ihrem Konto nicht manuell reaktivieren und einen Impftermin vereinbaren". Friese fragte sich, was sie damit anfangen soll. "Warum hätte ich mich zwischenzeitlich einloggen sollen, bin ich doch bereits zweimal geimpft - und für die Auffrischungsimpfung wiederum zu früh dran", sagt sie.

Dieses Schreiben werde viele verunsichern, glaubt Friese. So ganz falsch liegt sie damit offenbar nicht, wie das Amt für Kommunikation der Stadt Nürnberg zu den Nebenwirkungen der BayIMCO-Mail mitteilte. "Deshalb sind viele verunsichert und suchen Hilfe bei den städtischen Hotlines", heißt es dazu - verbunden mit bürgernahen Angaben zum Hintergrund der Aktion. Im neuesten Update der Registrierungssoftware sei nämlich die Funktion "Account löschen" wieder aktiviert worden. Deshalb erhielten alle, die in den letzten zehn Tagen ihr Profil nicht geöffnet hätten, "eine Mail, dass ihr Account gelöscht wird".

Es werde aber auf die Möglichkeit hingewiesen, einer "Datenspeicherung für zukünftige Impfungen" zuzustimmen - also auch für Auffrischungsimpfungen. Tatsächlich ist der Weg in der Mail beschrieben - für Versierte ein Kinderspiel: Demnach besucht man über impfzentren.bayern/citizen seinen Account, sofern der noch besteht, gelangt auf einen gelb hinterlegten Hinweis zur Personenübersicht und damit letztlich zum blauen Kästchen "Daten für zukünftige Impfungen speichern".

Eine Anfrage im Gesundheitsministerium ergab: "Der Gesetzgeber schreibt vor, dass aus Datenschutzgründen bestimmte Daten nach einer gewissen Frist gelöscht werden müssen." Außerdem: Personen, die bereits gelöscht seien, hätten ja die Möglichkeit, sich jederzeit neu im System anzumelden. "Die Person" Barbara Friese hat auf jeden Fall mit BayIMCO gebrochen. Streng fragt sie: "Wieso steht da eigentlich ,die Person'? Ging die Mail auch an Tiere?" Letztlich aber braucht sie das Impfportal auch gar nicht mehr. Die dritte Impfung gegen Corona lässt sie von ihrem Hausarzt machen.

© SZ vom 24.09.2021/kafe
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