Bayerischer Landtag:Handy-Verbot an Bayerns Schulen wackelt

Schüler mit Handy, 2017

Das Verbot zeigte wenig Wirkung, viele Schüler hätten ihr Handy trotzdem im Unterricht an.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Kultusminister Ludwig Spaenle will an einem Runden Tisch klären, wie die bislang strenge Regelung zum Handy-Verbot an bayerischen Schulen nachjustiert werden kann.
  • Die Opposition sowie Lehrer- und Elternverbände hatten gefordert, das Handy-Verbot zu lockern.
  • Die SPD kündigte an, einen Gesetzesentwurf zur Handynutzung an Bayerns Schulen vorzulegen.

Von Julia Huber

Das Handy-Verbot in bayerischen Schulen bleibt vorerst bestehen, allerdings stellte die Landtags-CSU am Donnerstag im Bildungsausschuss gewisse Lockerungen in Aussicht. Kultusminister Ludwig Spaenle will einen Runden Tisch einberufen, bei dem geklärt werden soll, wie die bislang strenge Regelung nachjustiert werden kann. Die Opposition sowie Lehrer- und Elternverbände hatten gefordert, das Handy-Verbot zu lockern.

Das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz legt fest, dass Handys, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, im Schulgebäude und auf dem Schulgelände auszuschalten sind. Ausnahmen sind nur in Einzelfällen möglich, wenn ein Lehrer dies gestattet.

Thomas Gehring, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, sagte: "Wir alle haben ein Handy, alle Kollegen haben es während der Sitzung an." Wie zur Bestätigung pingte und klingelte alle paar Minuten ein Smartphone im Saal. "Das Handy gehört auch zum Leben der bayerischen Schüler dazu", sagte Gehring. Das Verbot zeige ohnehin wenig Wirkung, viele Schüler hätten ihr Handy trotzdem im Unterricht an. Auch Leopold Herz von den Freien Wählern sagte, das Verbot sei "nicht mehr zeitgemäß". Die Anträge beider Parteien zur Lockerung des Verbots wurden am Ende abgelehnt.

Der CSU-Abgeordnete Manfred Ländner verwies auf Studien, wonach Unterrichtsstoff durch das "Tippen und Wischen" auf dem Smartphone schlechter vermittelt werden könne als durch das Schreiben von Hand. "Auch wenn Sie Professor Doktor Google fragen, brauchen Sie Vorwissen", sagte Ländner. "Wenn Sie ein Rehragout kochen wollen und ,Käse' ins Suchfeld eingeben, werden Sie nicht das richtige Rezept finden."

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses Martin Güll (SPD) bedankte sich trocken bei Ländner, dass der seine "Google-Erfahrungen geteilt" habe. Güll kündigte an, die SPD werde einen Gesetzesentwurf zur Handynutzung an Bayerns Schulen vorlegen. Wenn es eine neue Regelung geben soll, plädierte die CSU eher für eine einheitliche Lösung wie sie auch Freie Wähler und SPD vorschlagen. Man werde das nicht jeder einzelnen Schule selbst überlassen können, sagte Ländner. Das wiederum hatten die Grünen gefordert. Die Frage, wie viel Handy erlaubt ist, stellte sich auch im Bildungsausschuss. Als Gehring während der Stellungnahme von Gerhard Waschler (CSU) sein Handy zückte, empörte sich der: "Sie schauen ja auch ins Handy rein. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Informationsgewinnung dient - und ob Sie mir gleichzeitig folgen können."

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