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Bamberg:Kunst aus dem Hochdruckreiniger

Gekärchertes Kunstwerk an der Unteren Brücke in Bamberg.

Ein beliebter Treffpunkt mit herrlichem Blick auf die Regnitz und die Altstadt ist die Untere Brücke in Bamberg.

(Foto: Klaus Dauven)

Der Künstler Klaus Dauven hat die Untere Brücke in der Bamberger Altstadt in ein viel beachtetes Kunstwerk verwandelt - mit einem umgekehrten Graffiti.

Von Katja Auer

Besonders schön ist sie nicht, die Untere Brücke in Bambergs Altstadt, ein schmuckloser Betonstreifen, der über die Regnitz im Herzen der Welterbestadt führt. Aber beliebt ist sie, tagsüber sitzen viele junge Leute in der Sonne auf der niedrigen Betonbrüstung, am Abend wird sie zur langen Theke. Das hat Klaus Dauven besonders gefallen, das Verbindende zwischen Menschen und Kulturen ist auch Teil seiner Arbeit.

Dauven hat die Brücke zum Kunstwerk gemacht, mit einer Technik, die er selbst erfunden hat. "Reverse Graffiti" nennt er das, ein umgekehrtes Graffiti also, er fügt auf den Wände nichts hinzu, sondern nimmt etwas weg. Patina nämlich, die sich gebildet hat aus Moos, Flechten oder dem Dreck der Jahre. Mit einem Hochdruckreiniger malt er seine Bilder auf die Oberflächen, die Bamberger Brücke zieren nun verschiedene Gesichter.

Mit Schablonen aus Multiplex-Platten und martialisch anmutenden Reinigungsgeräten rückten Klaus Dauven und seine Helfer an, um die Brücke zu verschönern.

(Foto: Klaus Dauven)

"Ich war zuerst nicht begeistert", sagt Klaus Dauven. Die Brücke lässt nur einen schmalen Streifen für seine Kunst. "Aber da entstehen ja die schönsten Sachen." Zumal der Ort spannend gewählt ist für zeitgenössische Kunst, direkt vor dem barocken Brückenrathaus, in Blickweite zu Klein-Venedig mit seinen malerischen Fischerhäusern. Sonst gestaltet der 52-Jährige größere Flächen, Staumauern und Talsperren beispielsweise.

Er malte Hirsche und Rehe auf die Oleftalsperre in der Eifel und einen riesigen Tiger auf den Chungju-Damm in Südkorea. "Ich habe einen Hang zu großen Formaten", sagt Dauven. Der Aufwand dafür ist enorm. Für die Motive auf den großen Wänden werden Punkte markiert und mit Laser vermessen, dann zeichnet Dauven mit dem Hochdruckreiniger. In Bamberg war es einfacher, er fertigte Schablonen aus Multiplex-Platten, die dann an der Brücke befestigt und deren Freiflächen vom Schmutz befreit wurden.

Bamberg ist der erste Ort in Bayern, an dem ein Kunstwerk des aus Düren stammenden Dauven zu sehen ist. Anlass ist das 25. Jubiläum der Ernennung der Altstadt zum Weltkulturerbe. Seine Kunst macht der 52-Jährige bislang nebenbei, obwohl sie ihn schon weit in der Welt herumgebracht hat. Dennoch arbeitet er hauptberuflich als Lehrer in der Eifel. Unterstützt wird er bei seinen Graffitis von der Firma Kärcher, deren Hochdruckreiniger er verwendet.

Schon die Entstehung der Kunst ist spannend

Die Idee zu der neuen Technik kam ihm mit einem Staubsauger, erzählt Dauven. Als er den Kohlestaub wegsaugte, der ihm beim Zeichnen heruntergefallen war, sei ihm der Einfall gekommen. "Das isses", habe er gedacht. 1997 war das, zwei Jahre später probierte er das erste "Reverse Graffiti" im öffentlichen Raum aus. Mit einer Drahtbürste arbeitet er manchmal, meistens aber mit dem Hochdruckreiniger. Ein Vorteil seiner Technik: "Das funktioniert auch bei Leuten, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben." Denn schon die Entstehung der Werke ist interessant zu beobachten. Wie Kletterer hängen Dauven und seine Helfer an der Wand.

Die Gesichter, die nun von der Brücke auf Touristen und Einheimische schauen, sind keine bestimmten Personen, auch wenn sie freilich reale Vorlagen haben. "Sie sollten einen interessanten Gesichtsausdruck haben", sagt Dauven. Unterschiedliche Nationalitäten sind vertreten; so nimmt das Motiv die Funktion der Brücke als verbindendes Element auf.

Die Zeit wird Klaus Dauvens Kunstwerk wieder verblassen lassen. Wie lange das dauert, hängt von der Witterung und anderen Einflüssen ab. Ein Bild in Japan sei schon nach zwei Jahren verschwunden gewesen, sagt Dauven. Seinen Gesichtern an der Unteren Brücke gibt er etwa fünf Jahre.

© SZ vom 27.06.2018/vewo

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