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Mundart:Bairisch für Anfänger: Oans, zwoa - droa?

Wäscheklammern mit dem Satz "I ko Boarisch"

Semmeln statt Brötchen und das letzte Bier ist ein Schnitt. npj/Foto: Jørgensen

(Foto: DAH)

Bayern ist für viele Auswärtige ein Rätsel, nicht nur wegen des Dialekts. Der wird im Freistaat schon noch gepflegt, wenn auch auf merkwürdige Weise.

Ein ewig' Rätsel wollte Ludwig II. sich selbst und anderen bleiben, ein Ansinnen, mit dem er es immerhin bis zum Märchenkönig gebracht hat. Ein Alleinstellungsmerkmal scheint das Unergründliche nicht zu sein, gelten doch die Bayern allgemein als mindestens sonderbar. Deswegen gibt es Reiseführer und Verhaltenstipps, Sprachhilfen ohnehin, und wenn den Touristen dann doch etwas völlig Unverständliches unterkommt, eine Marienerscheinung zum Beispiel oder ein Ochsenmaulsalat, dann wird das eben unter Folklore verbucht.

Mancher assimiliert sich, trägt Janker irgendwann und ordert Semmeln statt Brötchen, andere bemühen sich. Wie der Kollege H., der eines Abends in einem Lokal einen "Schuss" bestellte, nicht ohne Stolz, diesen Aspekt der bayerischen Wirtshauskultur durchdrungen zu haben. Der Kellner allerdings blickte ihn genauso ratlos an wie die Freunde am Tisch, bis jemandem dämmerte, dass er einen Schnitt gemeint haben müsse, das letzte Bier also, das nur gut zur Hälfte eingeschenkt wird.

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Die Sprache kann eine Hürde sein, selbst wenn noch gar kein Dialekt im Spiel ist. Dieser steht in Bayern unter höchstem politischen Schutz, glaubt man den Beteuerungen vieler Minister, die alle möglichen Programme auflegen, um die Mundart am Leben zu erhalten. Gerade erst hat Heimatminister Albert Füracker den Dialektpreis verliehen, um jene zu ehren, die sich besonders verdient gemacht haben um die bairische Sprache. Und dass Dialekt-Sprechen sich positiv auf das Denken auswirkt, ist ohnehin längst bekannt.

Nichtsdestotrotz gibt es gesellschaftliche Gegenbewegungen, so soll kürzlich ein Mädchen in der Oberpfalz im Kindergarten gerügt worden sein, weil es "Wurschtbrot" sagte. Dabei ist es doch zunächst erfreulich, dass das Kind überhaupt noch ein Wurschtbrot kennt und es sogar essen mag, obgleich das Angebot an Quinoa-Burgern und Pulled-Pilz-Sandwiches ständig zunimmt. Ein Förderprogramm für Wurschtsemmeln, Ziebeleskäs und Zwetschgennudeln wird das nächste sein, worüber sich der Heimatminister Gedanken machen muss.

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Aber erst der Dialekt. Wie mühsam es ist, diesen zu erhalten, erlebt gerade eine junge Familie. Das Mädchen, Grundschülerin, spricht wie die Eltern Dialekt, den haben sie ihr von klein auf beigebracht. Wie auch dem kleinen Bruder, der allerdings standhaft auf Hochdeutsch antwortet. Das hat er im Kindergarten gelernt. Aber jetzt, als es in den Ferien vier Wochen keine Betreuung gab, ließ der Bub seine ersten Worte Bairisch hören. Große Freude bei den Eltern. Bis der Kleine anfing zu zählen: Oans, zwoa - droa.

Wer sich nun wundert, wo genau das Problem zu suchen sei, dem sei dringend ein Bairisch-Wörterbuch empfohlen. Wer sich nicht wundert, der kläre andere auf. Das könnte ihm eines Tages den Dialektpreis einbringen.

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