Augsburg:Eine Stadt ohne 50-Meter-Bahn

Spickelbad Augsburg

Schwimmvereine in Augsburg haben Befürchtungen, dass wegen fehlender Wasserfläche kaum Wettkämpfe stattfinden können.

(Foto: Stadt Augsburg)

Immer weniger Kinder lernen schwimmen, den Vereinen laufen die Leute weg - nun wird auch noch saniert. Augsburg hat ein Schwimmbad-Problem.

Von Florian Fuchs, Augsburg

Eigentlich ist das ja eine gute Nachricht: Das Spickelbad in Augsburg soll saniert werden. Die öffentlichen Schwimmbäder der Stadt sind in keinem guten Zustand, viele Augsburger fahren zum Schwimmen in die umliegenden Landkreise. Jetzt aber ist die Sanierung des sogenannten Plärrerbads abgeschlossen, mit dem Spickelbad soll als nächstes das Hallenbad mit der größten Kapazität dran kommen. Das kommt grundsätzlich der Öffentlichkeit und auch den Schwimmvereinen zugute, den Klubs aber bereitet dies auch gravierende Probleme: Fällt das Spickelbad mit seinen sechs Schwimmbahnen und einem Lehrschwimmbecken als Übungsort aus, fallen für die Schwimmvereine über zwei bis drei Jahre 40 Prozent der insgesamt zur Verfügung stehenden Wasserfläche in Augsburg weg. Die Vereine fordern wegen der Platzprobleme ein 50-Meter-Hallenbecken - nun soll eine kreative Lösung helfen.

Die Diskussion über ein 50-Meter-Hallenbecken schwelt schon seit Jahren. Während selbst kleine Kommunen solche Becken zur Verfügung stellen, ist Augsburg laut CSU-Stadtrat Bernd Zitzelsberger die einzige Stadt ihrer Größe in Deutschland, die überhaupt keine solche Sportanlage bietet. Für die Vereine kommt dies wegen der Sanierungen nun einer Katastrophe gleich, weil ihnen die Mitglieder weglaufen und ohnehin immer weniger Menschen schwimmen können - was wiederum auch die Wasserwacht und Rettungsdienste kritisieren. Eine Detailuntersuchung soll deshalb klären, wie und wo ein Hallenbad mit 50-Meter-Becken entstehen kann. Laut Verwaltung sei aber unklar, innerhalb welchen Zeitraums der Bau eines neuen 50-Meter-Hallenbads realisiert werden kann. Als Überbrückungslösung könnte deshalb im Winter eine Traglufthalle ein 50 Meter langes Freibadbecken überdachen.

"Wir brauchen vorrangig als nächstes Bädervorhaben ein 50-Meter-Hallenbad in Augsburg, einschließlich Lehrschwimmbecken", heißt es in einem Schreiben des Schwimmerbund Delphin 03 Augsburg an Sportreferent Jürgen Enninger. Die Verantwortlichen des größten und ältesten Schwimmvereins Schwabens sehen durch die Sanierung der bestehenden Hallenbäder erhebliche Einschränkungen für die Öffentlichkeit und die Schwimmausbildung an Schulen, der Vereine und der Wasserrettungsorganisationen. Bereits vor Corona habe es lange Wartezeiten von bis zu einem Jahr für Schwimmkurse gegeben. Da pandemiebedingt drei Schwimmkurszyklen ausgefallen seien, bestehe aktuell ein erheblich höherer Bedarf. Der Schwimmerbund Delphin 03 verweist auch auf die Klagen der Wasserwacht und Rettungsdienste, dass immer weniger Menschen, vor allem junge Leute, schwimmen können und so die Zahl der Badeunfälle steigt.

Taylan Toprak, Vorsitzender des Schwimmvereins Augsburg 1911, zeichnet sogar ein noch düstereres Bild. Eine mehr als 100-jährige Geschichte habe sein Verein, schreibt Toprak, der den Mitgliedern des Augsburger Sportausschusses ebenfalls geschrieben hat. Aber nun stehe der Wasserball-Sport auf der Kippe - Augsburg 1911 ist der einzige Verein in der Stadt, der so etwas anbietet. Gerade der Aufbau der Wasserball-Jugendgruppen habe in den vergangenen Jahren viel Arbeit und Mühen gekostet. "Diesen zarten Erfolg sehen wir derzeit akut gefährdet!", schreibt Toprak mit Ausrufezeichen. Natürlich profitiere auch sein Verein "sehr langfristig" von der Sanierung des Spickelbads. "Aber um einen weiteren eklatanten Mitgliederschwund zu vermeiden und dem Sterben einer ganzen Sportart in Augsburg entgegen zu treten, appelliere ich in meiner Funktion als Vorstand eindringlich an Sie, sämtliche Möglichkeiten zu prüfen, erst eine Ersatz-Wasserfläche zu schaffen."

Die Stadt will den sogenannten Masterplan Bäder und damit die Sanierung des Spickelbads zeitnah weiter verfolgen. Die Bemühungen zum Bau eines 50-Meter-Beckens dürften nicht zum Stillstand bei den Sanierungen führen, sagte Sportreferent Enninger. Deshalb sollen Detailuntersuchungen zu solch einem Bau die Planung voranbringen - und möglicherweise eine Traglufthalle als Zwischenlösung helfen. CSU-Stadtrat Bernd Zitzelsberger, der sich als Abteilungsleiter der Schwimmabteilung im Post SV Augsburg für ein 50-Meter-Hallenbecken einsetzt, hat die Idee eingebracht, mit der das Freiluft-50-Meter-Becken im Stadtteil Bärenkeller überdacht werden könne. Dies würde pro Jahr einen mittleren fünfstelligen Betrag kosten und während der Sanierung des Spickelbads die nötige Wasserfläche - auch für die Wasserballer - erhalten. Dies wäre, da war sich die Mehrheit der Stadträte einig, eine akzeptable Lösung, um mit der benötigten Sanierung der Bäder fortzufahren. Dennoch dürfe man den Vereinen keine Illusionen machen, dass eine solche Lösung tatsächlich umgesetzt werden könne. Die Stadt soll den Vorschlag aber bei Zustimmung des Stadtrats Ende Juli auf seine Umsetzbarkeit hin prüfen.

© SZ vom 13.07.2021
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