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VW Eco-Up! im Test:Gas geben ist teuer

VW Eco-Up!

Der VW Eco-Up! kostet mindestens 12 950 Euro - 2975 Euro mehr als das Basismodell.

(Foto: Volkswagen AG)

Erdgasautos haben auf dem deutschen Markt einen schweren Stand. Schade, denn wie der VW Eco-Up! zeigt, gibt es im Alltag keine Nachteile gegenüber der Benziner-Variante. Das Problem ist der Preis.

Kaum ein Thema wird in der Autobranche derzeit so heiß diskutiert wie das der alternativen Antriebe. Das Interesse an Elektro- und Hybridautos oder Fahrzeugen mit Gasantrieb ist also vorhanden. Das Problem: die Verkaufserfolge. Die Zulassungsstatistik für den Juli wies folgende Zahlen aus: 2196 neu zugelassene Pkw mit Hybridantrieb, 597 reine Elektroautos, 621 Fahrzeuge mit Flüssiggas- und 792 mit Erdgasantrieb. 266 043 im Juli zugelassene Neuwagen werden dagegen von einem Diesel- oder Benzinmotor angetrieben. Das sind 98,44 Prozent.

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Elektroautos, Hybridantrieb, Flüssig- und Erdgasmotoren: Was eine Alternative sein soll, ist eine Randgruppe. Gerade bei den Gasautos verwundert das auf den ersten Blick. Die Tankstellennetze für Flüssiggas (auch Autogas oder LPG genannt) oder Erdgas (auch als CNG bekannt) sind inzwischen ordentlich ausgebaut und das Tanken geht ähnlich einfach wie bei Benzin oder Diesel. Zudem muss das Auto nicht mehr aufwändig auf den Gasantrieb umgebaut werden, denn längst bieten einige Hersteller ab Werk für jede der beiden Gasarten insgesamt mehr als ein Dutzend Fahrzeuge an. In der Kleinwagenklasse offeriert der Volkswagen-Konzern das fast baugleiche Erdgas-Trio Seat Mii Ecofuel (ab 12 160 Euro), Škoda Citigo G-Tec (ab 12 640 Euro) und VW Eco-Up! (ab 12 950 Euro).

VW Up! mit Erdgasantrieb im Praxistest

Letzterer soll zeigen, ob der CNG-Antrieb zu Unrecht verschmäht wird und musste sich einem zehntägigen Praxistest unterziehen. Mit allen Herausforderungen, die das tägliche Leben so stellt: Fahrten zum Supermarkt, zur Arbeit, ins Fitnessstudio und zu den Schwiegereltern.

Die Tankanzeige des VW Eco-Up!

Innen sieht der Eco-Up! fast genau wie die Benziner-Varianten aus. Einziger Unterschied: die Tankanzeige, die über die Füllstände beider Tanks Auskunft gibt.

(Foto: Volkswagen AG)

Beim ersten Anlassen gleich die bange Frage: Ist der kaputt? Denn der Einliter-Dreizylindermotor rattert los wie ein Rasenmäher. Aber nein, das gehört zum Konzept, denn ein unkultivierter und rauer Motorlauf mit vielen Vibrationen ist eine Eigenheit von Dreizylindermotoren. Allerdings tritt das Phänomen außen deutlicher zutage als im Innenraum. Und ist der Motor erst einmal auf Betriebstemperatur, nimmt der Lautstärkepegel spürbar ab.

Ist wirklich alles in Ordnung?

Nach den ersten Beschleunigungsversuchen kommen die nächsten Zweifel, ob mit dem Motor alles in Ordnung ist. Natürlich sind ein Liter Hubraum, 68 PS, maximal 90 Newtonmeter und der Verzicht auf irgendeine Form der Aufladung nicht gerade die Zutaten, die aus einem Klein- einen Sportwagen machen. Der Motor lässt sich sehr lange bitten, um einen Tritt auf das Gaspedal in Beschleunigung umzuwandeln - und dies fast unabhängig von der Drehzahl. 3000 Umdrehungen sollten es mindestens sein, damit der Eco-Up! beim Gasgeben auch schneller wird.

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Diese Schwäche hat die Erdgasvariante mit den 60 beziehungsweise 75 PS starken Benzinervarianten des VW Up! gemeinsam. Dass es besser geht, zeigen einige Konkurrenten. Zum Beispiel der neue Citroën C1, dessen Basismotor nur ein PS stärker ist, aber spürbar kräftiger antritt.

Ein schwacher, knurriger Motor in einem kleinen, mit 1031 Kilogramm Leergewicht recht schweren Auto - nicht die besten Voraussetzungen für die nächste Aufgabe, die der Eco-Up! bewältigen soll: Einmal von München nach Nürnberg und wieder zurück, zweimal etwa 175 Kilometer, die meisten von ihnen auf der Vollgas-Autobahn A9.