bedeckt München 28°

VW-Abgas-Skandal:Überall Sonderangebote

L.A. Autoshow - Volkswagen

Auf dem VW-Messestand bei der L.A. Autoshow in Los Angeles

(Foto: dpa)

Die VW-Abgasaffäre erschüttert nicht nur den Konzern. Auch Kunden und Händler müssen mit den Folgen umgehen. Eindrücke aus VW-Autohäusern rund um den Globus.

Von M. Grzanna, L. Klimm, J.Schmieder und A. Slavik

Da ist zum Beispiel dieser Vertragshändler in Hamburg. 24 VW Golf mit Benzinmotor hat er derzeit in der Datenbank, außerdem vier weitere mit Dieselantrieb. So oder so müsse man sich aber keine Sorgen machen. "Das Auto muss irgendwann nächstes Jahr mal in die Werkstatt, das ist alles", sagt er. Er lächelt sein schönes Autoverkäufer-Lächeln. Ob man Wert auf eine bestimmte Farbe lege?

VW versinkt in der Manipulationsaffäre und spätestens seit dem vergangenen Wochenende ist klar: Die Probleme resultieren nicht nur aus einem großen Fehler, der vor Jahren begangen wurde, der das Unternehmen jetzt einholt. Nein. Auch Autos, die erst in diesem Jahr vom Band liefen, wurden mit falschen - zu niedrigen - Angaben über den Kohlendioxidausstoß versehen. Steuernachzahlungen stehen im Raum, Volkswagen hat angekündigt, für etwaige Nachforderungen aufzukommen.

Die wirtschaftlichen Folgen, die die Affäre um manipulierte Emissionswerte haben wird, sind nicht absehbar - für VW nicht, aber auch nicht für jene, die diese Autos verkaufen müssen. Rund um den Globus hängt die Existenz der VW-Händler davon ab, ob Kunden weiterhin VW fahren wollen. Die Voraussetzungen sind höchst unterschiedlich. Die Gemütszustände auch.

"Der Preis bleibt, wie er ist"

Beim Volkswagen-Händler von Versailles in Frankreich gibt man schon am Eingangstor alles. "Place à la confiance" heißt es auf einem Plakat, das für den neuen Polo wirbt. Frei übersetzt: "Darauf können Sie vertrauen." Drinnen, in dem Autohaus im Südwesten von Paris, haben die Verkäufer so ihre Mühe, das Vertrauensversprechen einzulösen. Wer sich zum Beispiel für einen Golf Diesel interessiert, Modell Carat 1,6 TDI, wird resolut daran gehindert, die Verbrauchsangaben des Wagens aufzunehmen: Eine Frau eilt herbei, um die Informationen zum CO₂-Ausstoß mit ihrer Hand zu verdecken. "Das darf nicht fotografiert werden!", sagt sie aufgeregt. "Diese Angaben gelten nicht."

102 Gramm CO₂ je Kilometer und 3,9 Liter Verbrauch auf hundert Kilometer steht dort. Doch dieser Golf Diesel gehört, wie ein Verkäufer einräumt, zu den Schummel-Autos von VW. Was denn nun der richtige Abgaswert ist, das können sie in Versailles auch nicht sagen. Wer weiß in diesen Zeiten schon, was bei Volkswagen stimmt und was nicht. Die Frau sagt: "Wir werden in Kürze anders zu dem Wagen kommunizieren." Was das heißen soll? "Na, anders halt!"

Hoffnungen auf einen höheren Rabatt solle man sich aber keine machen. "Der Preis bleibt, wie er ist", sagt ein Verkäufer. "27 990 Euro." Gegenüber dem Katalogpreis von 32 528 Euro ist das aber schon ein hübscher Nachlass. Seine Kunden, räumt der Verkäufer ein, seien zwar verunsichert wegen des Dieselskandals. "Die Leute wissen doch auch, dass alle Hersteller bei den Dieseltests schummeln."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB