Versteigerungen Matchbox für Milliardäre

Dieser Ferrari 250 GTO von 1962 kam 2014 in Pebble Beach unter den Hammer - für 38,1 Millionen Dollar.

(Foto: dpa-tmn)

Oldtimer gelten als Anlage für sehr reiche Männer. Gerade ging auf einer Auktion ein Ferrari 250 GTO für 48,4 Millionen Dollar weg - und das ist nicht der höchste Preis, der je für diesen Klassiker bezahlt wurde.

Von David Pfeifer

Ein Auto, das als nicht sehr zuverlässig gilt, das viel Sprit verbraucht und dauernd in die Werkstatt muss - für 48,4 Millionen Dollar? Das wurde jetzt bei einer Versteigerung von Sotheby's an den Mann gebracht, vielleicht auch an die Frau - Genaues weiß man nicht, weil die Käufer solch teurer Oldtimer gerne anonym bleiben. Allerdings sieht der Ferrari 250 GTO von 1962 auch aus wie eines jener Fahrzeuge, die früher beim Auto-Quartett unschlagbar waren.

Er stammt aus einer Zeit, als es noch keine Airbags und keinen Seitenaufprallschutz gab, als die Gentlemen nur einen Kamm ins Handschuhfach legten, um sich nach einem Rennen am Wochenende das Haar zu richten. Und er ist selten: Von 1962 bis 1964 wurden 36 Stück davon gebaut, von vielen kennt nur der Fachmann die heutigen Besitzer. Der bekannteste dürfte der Modemacher Ralph Lauren sein, der auch sonst über eine stattliche Oldtimer-Sammlung verfügt.

Der Ferrari 250 GTO - ein ausgezeichnetes Investment

Was man über den 48-Millionen-GTO weiß: Der Vorbesitzer Greg Whitten war einer der ersten Programmierer bei Microsoft und investierte im Jahr 2000 sein junges Geld in alte Werte. Er hat den 250 GTO für sieben Millionen Dollar gekauft, was sich 18 Jahre später als ausgezeichnetes Investment erweist.

Whittens ehemaliger Ferrari gilt damit als teuerstes jemals versteigertes Auto. Bisher lag der Auktionsrekord bei 38,1 Dollar, ebenfalls für einen 250 GTO von 1963. Viele Oldtimer werden allerdings nicht auf Auktionen gehandelt, sondern direkt von Menschen wie Simon Kidston vermittelt. Noch vor fünf Jahren erzählte der Oldtimer-Makler: "Um einen GTO für 30 Millionen Euro zu bekommen, müssen Sie viel Glück haben." Heute dürfte das unmöglich sein.

Kidston vermittelt sehr seltene, sehr teure Autos an sehr wohlhabende Menschen und hat beispielsweise die Sammlung des Schahs von Persien verkauft. Einmal im Jahr moderiert er außerdem den Concorso d'Eleganza, ein Schaulaufen der spektakulärsten Oldtimer am Comer See. Vor Jahren wurde dort ein verschollen geglaubter GTO präsentiert, den ein Bauer aus einer Scheune in Italien gezogen hatte. Er wurde mit dem Fund schlagartig reich.

Wenn er gerade nicht den Concorso moderiert, besteht Kidstons Job hauptsächlich aus Recherche: In Archiven wühlen, Belege für die Herkunft und die Verkaufsbiografie von Fahrzeugen finden. Da kommt ihm zugute, dass er zwar auf James-Bond-hafte Weise britisch wirkt, aber in der Schweiz zur Schule ging. Er spricht fließend Französisch und Italienisch. Und der Aufwand lohnt sich.

Vor allem Modell und Geschichte sind entscheidend

Denn neben dem Kunstmarkt sind Oldtimer als Anlageobjekte mit teilweise irrationalen Wertsteigerungen seit Jahren beliebt. "Der Wert von Klassikern wird durch die reichen Sammler definiert, die gerne im Rudel jagen, wie Wölfe", sagt Kidston, "das ist einer der Gründe, warum GTOs so wertvoll wurden - sie gelten als Visitenkarte für Milliardäre mit Geschmack." Der teuerste 250 GTO soll so für mehr als 60 Millionen den Besitzer gewechselt haben. Dabei war beispielsweise der Ferrari 250 Testa Rossa aus den 1950er-Jahren historisch genauso bedeutend und wurde ebenso selten gebaut - ist heute aber dennoch nur zwei Drittel so viel wert wie ein 250 GTO.

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Es sind also nicht nur Zustand und Alter des Fahrzeugs entscheidend, sondern auch die Baureihe. Und die Geschichten: Autos des Schauspielers Steve McQueen beispielsweise stehen besonders hoch im Kurs. Und ein ordinärer Golf erzielte vor einigen Jahren einen Preis von knapp 200 000 Dollar - weil er einmal Kardinal Josef Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., gehört hatte. Den Whitten-GTO fuhr einst der Formel-1-Weltmeister Phil Hill, der 1961 mit Ferrari den Titel holte.

Angesichts des florierenden Geschäfts gibt es im Ferrari-Stammhaus in Maranello eine lukrative Spezialabteilung: die Oldtimer-Restauration. In der rechteckigen Halle stehen wunderschöne alte Autos auf Hebebühnen, und die Hygienebedingungen ähneln denen in einem Operationssaal. Bevor die Mechaniker an die Arbeit gehen können, müssen sie in den Archiven erst nach den vergilbten Originalplänen suchen. Erst dann kann dieses Teil nachgedrechselt werden oder jenes geschweißt. Nur hinter vorgehaltener Hand erzählt einer der Mechaniker, was die größte Herausforderung sei an diesem Job: "Die reichen Käufer wollen, dass die Türen gut schließen und das Seitenfenster dicht ist - aber das war nicht mal so, als die Autos vom Band liefen. Wir müssen sie besser restaurieren, als sie gebaut worden sind."

Als teuerstes Fahrzeug der Welt gilt übrigens der Bugatti Atlantic. Von diesem Modell wurden in den 1930er-Jahren überhaupt nur vier Stück gebaut, heute gibt es nur noch zwei vollständig erhaltene Exemplare auf der Welt - wovon einer ebenfalls im Besitz von Ralph Lauren ist. Ein weiterer Atlantic wird seit den 1940er-Jahren vermisst. Zuletzt gesehen wurde er damals in Bordeaux.

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