Verkehrsprognose 2030:Mehr Züge, mehr Autos und viel mehr Flüge

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Ein Stau auf der A7

Ein Stau auf der A 7 am Pfingstwochenende. Laut Verkehrsprognose 2030 wird der Verkehr in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

(Foto: dpa)

Verkehrsminister Dobrindt hat in Berlin die Verkehrsprognose 2030 vorgestellt. Demnach wird der Güter- und Personenverkehr in Deutschland stark zunehmen. Dobrindt sieht die Infrastruktur "vor einer Belastungsprobe". Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands stehe auf dem Spiel.

Bereits heute sind Deutschlands Straßen verstopft, immer mehr und immer längere Staus zeugen davon, dass das Verkehrsnetz dem immer höheren Verkehrsaufkommen nicht mehr lange gewachsen ist. Und glaubt man der Verkehrsprognose 2030, die heute in Berlin von Verkehrsminister Dobrindt vorgestellt wurde, wird der Verkehr in Deutschland in allen Bereichen auch weiter kräftig zunehmen.

Allein der Güterverkehr soll laut der Prognose um durchschnittlich 38 Prozent wachsen. Aufgrund der anhaltend hohen Dynamik des internationalen Handels werden in diesem Bereich sowohl der Binnenverkehr (um 31 Prozent) als auch der grenzüberschreitende (um 42 Prozent) sowie der Transitverkehr (um 52 Prozent) im Vergleich zum Jahr 2010 deutlich zulegen. Beim Güterverkehr wird die Bahn mit etwa 43 Prozent die größten Zuwächse haben, gefolgt vom Lkw mit einem Plus von 39 Prozent und der Binnenschifffahrt (23 Prozent).

Überdurchschnittliches Wachstum des Flugverkehrs

Der motorisierte Personenverkehr wird trotz abnehmender Einwohnerzahl im Vergleich zu 2010 um durchschnittlich 13 Prozent zulegen. Das größte Wachstum (65 Prozent) geht dabei wegen des Trends zu mehr und längeren Reisen auf das Konto des Luftverkehrs. Mit einem Plus von 19 Prozent folgt der Bahnverkehr. Eher gering fallen im Vergleich die Zuwächse beim Pkw-Verkehr (zehn Prozent) und öffentlichen Personenverkehr inklusive Fernbussen (sechs Prozent) aus. Dies führt das Ministerium vor allem darauf zurück, dass die immer höhere Anzahl älterer Bevölkerungsgruppen zwar auf das Auto zurückgreift, die Jüngeren aber vermehrt den öffentlichen Nahverkehr nutzen.

In seiner letzten Verkehrsprognose aus dem Jahr 2007 ist das Bundesverkehrsminsterium von einem noch stärkeren Wachstum ausgegangen. Diese sagte bis 2025 ein Wachstum des Güterverkehrs von mehr als 70 Prozent voraus. Allerdings habe die Finanz- und Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre die Entwicklung gebremst, sodass nun von deutlich geringeren Zahlen als vor sechs Jahren ausgegangen werden kann.

"Die Prognose 2030 zeigt, dass unsere Infrastruktur vor einer Belastungsprobe steht", sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung der Prognose. "Wir müssen deshalb weiterhin kräftig in den Ausbau und die Modernisierung des Gesamtnetzes investieren - in Schiene, Straße und Wasserstraße." Dobrindt sieht darin einen großen Faktor in der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands: "Ob wir Innovationsland bleiben oder zum Stagnationsland werden, entscheidet sich maßgeblich an der Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur."

Lange warnt vor drohendem Verkehrsinfarkt

Ulrich Lange, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sieht aufgrund der Prognose gar die Gefahr eines Verkehrsinfarktes auf Deutschlands Straßen und stellt konkrete Forderungen: "Es muss endlich Schluss sein mit der Flickschusterei beim Bau der Verkehrswege", sagt Lange, der höhere Investitionen für ein leistungsfähigeres Verkehrsnetz fordert. "Mit einem Mix aus Steuermitteln und Mauteinnahmen müssen langfristig die notwendigen Gelder für den Ausbau und Erhalt der Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden", sagt Lange.

Auch Dobrindt bekräftigte, dass normale Haushaltsmittel nicht mehr ausreichen, um nötige Investitionen zu finanzieren. Deshalb soll neben der Lkw- auch eine Pkw-Maut eingeführt werden. Die Maut soll 2016 via Vignette kommen und jährlich mehr als 250 Millionen Euro in die Kassen spülen. Dieses Geld soll ausschließlich in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden.

Die Verkehrsprognose 2030 stützt sich im Wesentlichen auf das zu erwartende Wirtschaftswachstum und die demografische Entwicklung. Sie dient als Basis des Bundesverkehrswegeplans 2015, der derzeit ausgearbeitet wird. Auf Grundlage der ermittelten Daten können nun die einzelnen Projektvorschläge für den Verkehrswegeplan bewertet werden, wodurch die dringlichsten Projekte per Kosten-Nutzen-Analyse identifiziert werden sollen.

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