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Verkehrsanalyse:München ist wieder Deutschlands Stau-Hauptstadt

Stau am Mittleren Ring, Georg-Brauchle-Ring zwischen BMW-Welt und Olympiapark

Für Autofahrer in München ein vertrautes Bild: Stau auf dem Georg-Brauchle-Ring zwischen BMW-Welt und Olympiapark.

(Foto: Florian Peljak)
  • In der bayerischen Landeshauptstadt standen Pendler mit dem Auto im vergangenen Jahr im Schnitt dreieinhalb Tage im Stau.
  • Damit liegt München wieder vor Berlin, das 2018 den unrühmlichen Titel "Stau-Hauptstadt" trug.
  • Dies geht aus einer Analyse von Verkehrsdaten hervor.
  • Dennoch lohnt es sich auf den Hauptpendelstrecken zeitlich meist nicht, auf ÖPNV oder Fahrrad umzusteigen.

Viele Autofahrer haben schon längst das Gefühl, dass die Staus auf den Pendelstrecken immer länger werden. Diese Wahrnehmung stützen die neuesten Zahlen der amerikanischen Firma INRIX, die für ihre "Traffic Score Card" Verkehrsdaten aus 900 Städten in 43 Ländern untersucht hat. Diese stammen laut INRIX aus unterschiedlichsten Quellen wie zum Beispiel aus vernetzten Fahrzeugen, von Stadtverwaltungen oder auch aus sozialen Medien sowie Presseberichten.

Erst vor wenigen Tagen hat München den Zuschlag für die nächste Internationale Automobilausstellung (IAA) bekommen - unter der Prämisse, dass es dabei 2021 nicht nur um Autos, sondern um sämtliche Mobilitätsformen gehen soll. Die Analysen von INRIX zeigen: Das ist in München nötiger denn je. Denn die bayerische Landeshauptstadt hat sich den unrühmlichen Titel "Deutsche Stau-Hauptstadt" von Berlin zurückerobert. In München verloren Autofahrer im vergangenen Jahr insgesamt 87 Stunden im Verkehr. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Berlin mit 66 und Düsseldorf mit 50 Stau-Stunden.

Dank einer neuen Methodik sind die Berechnungen laut INRIX in diesem Jahr noch aussagekräftiger. Während im Vorjahr der Fokus ausschließlich auf Wegen in die Stadtzentren lag, hat man jetzt die von Pendlern am stärksten befahrenen Strecken untersucht, auch über das Stadtzentrum hinaus. Zudem gibt die aktuelle Auswertung Auskunft darüber, inwieweit es sich für Autofahrer auf den entsprechenden Strecken lohnt, das Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als Auto-Ersatz zu nutzen.

Dabei gilt zumindest auf den Hauptpendelstrecken, dass Radfahrer und ÖPNV-Nutzer trotz zunehmender Staus immer noch mehr Zeit brauchen als Autofahrer. Am geringsten ist der Zeitverlust mit dem Fahrrad in München und Berlin, hier benötigen Radfahrer auf den untersuchten Strecken im Tagesdurchschnitt nur höchstens 50 Prozent mehr Fahrzeit als Autofahrer. Fährt man mit dem Auto also 40 Minuten zu seinem Ziel, braucht ein Radfahrer weniger als 20 Minuten länger dorthin.

Insgesamt schneiden Bus und Bahn als Alternative für Pendler im Vergleich zum Fahrrad deutlich schlechter ab - in sieben der Top-Ten-Städte benötigt man mehr als doppelt so lang. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass die Studie sich auf die von Autofahrern meistgenutzten Strecken konzentriert. Abschnitte, auf denen Radfahrer oder öffentliche Verkehrsmittel voraussichtlich erheblich schneller sind, fallen daher nicht oder kaum ins Gewicht.

Zumindest bei den Stau-Brennpunkten liegt Berlin auch in diesem Jahr wieder vor München: Gleich drei Berliner Straßen führen die Liste der staureichsten Streckenabschnitte Deutschlands an. Wer zum Beispiel die Bundestraße 2 zwischen "Seeburger Chaussee" und "Hofjägerallee" nutzt, verbringt dort jährlich eineinhalb Tage im Stau.

So erschreckend diese Zahlen klingen, im internationalen Vergleich landet die deutsche Stau-Hauptstadt München nur auf Platz 47. Die schlimmsten Staus gibt es demnach in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, wo Autofahrer jährlich etwa acht Tage im Verkehr feststecken. Ähnlich hohe Zahlen weisen die Verkehrsdaten für Rom und Paris aus.

Auch finanziell wirkt sich der stark stockende Verkehr aus. Allein in München fielen 2019 durch den Zeitverlust Kosten in Höhe von 774 Euro pro Autofahrer an, das entspricht bis zu 405 Millionen Euro im Jahr. In Berlin belief sich die Summe auf 587 Euro pro Autofahrer, in Düsseldorf waren es immer noch 445 Euro. In den untersuchten Städten in Deutschland sind im vergangenen Jahr so Staukosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro entstanden. Als Berechnungsgrundlage setzen die Verkehrsanalysten den durchschnittlichen Stundenlohn pro Kopf an. Bei dieser wirtschaftlichen Analyse der Gesamtkosten sind direkte, durch Verschwendung von Zeit und Benzin entstehende Kosten berücksichtigt, sowie indirekte Kosten, die etwa betroffenen Unternehmen entstehen - und die sie in Form von höheren Preisen an die Haushalte weitergeben.

© SZ/edi
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