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Urbane Mobilität:Weniger Autobesitzer, mehr Carsharer

Die Zahl der Autobesitzer sinkt, die der Carsharer steigt. Von 1998 bis 2008 sank der Autoanteil von 44 auf 42 Prozent und der der Fußgänger von 31 auf 26 Prozent, während der Anteil der Fahrräder von zehn auf 14 Prozent und des öffentlichen Personennahverkehrs von 15 auf 18 Prozent zunahm. Die Studie des Bundesverkehrsministeriums "Mobilität in Deutschland 2008" belegt: Der Radverkehr steigerte sich von 2002 bis 2008 von 24 auf 28 Millionen Wege pro Tag. Gleichzeitig geht der Trend hin zur Kombination verschiedener Transportmittel.

Dies versucht man auch in Barcelona zu nutzen. 1,5 Millionen Menschen quetschen sich hier auf einem Zehntel der Fläche Berlins. Ein Versuch, den Autoverkehr auf Dauer zu reduzieren ist das vor sechs Jahren installierte Bicing-System: An 400 Stationen, meist an U-Bahnen oder anderen Knotenpunkten, stehen 6000 Mieträder bereit - sozusagen für den letzten Kilometer.

Und günstige Preise sollen aufs Rad locken: Die ersten 30 Minuten sind kostenlos, jede weitere halbe Stunde kostet nur 60 Cent. Die Grundgebühr beträgt 35 Euro im Jahr, 120.000 Nutzer haben sich bislang registriert. Klingt gut, ist aber ein Zuzahlgeschäft. 16 Millionen Euro kostet Bicing pro Jahr, 90 Prozent davon trägt die Stadt.

Deshalb überlegt man, das Angebot zu reduzieren - auch deshalb, weil die Räder nur in einer Richtung genutzt werden: bergab Richtung Strand, vor allem im Sommer. Mit hohem Aufwand müssen die Bikes wieder in der Stadt verteilt werden. Es gibt auch Überlegungen, die Dreigangräder gegen Elektroräder auszutauschen, was die Bergauf-Motivation erhöhen dürfte, aber die Kasse kräftig belasten würde.

In Kopenhagen hat man die Zeit der Experimente hinter sich, Radfahrer prägen das Stadtbild. Der Kronprinz fährt seinen Nachwuchs mit dem Cargo-Bike zum Kindergarten, Minister bekommen öffentlich Fahrradhelme überreicht. Die Argumente der Kopenhagener: Radeln ist schneller, sagen 55 Prozent, unkompliziert (33 Prozent), gesund (32 Prozent) und billig (29 Prozent). Zudem sei das Radeln ein guter Start in den Tag (21 Prozent), schneller (zehn Prozent) und käme Klima und Umwelt zugute (neun Prozent).

In den Büros sind Duschen und Umkleiden für Radler selbstverständlich; Neubauten müssen Radparkplätze ausweisen. Auf den Straßen gibt es Garagen für Cargo-Bikes in witzigen Designs, eigene Haltelinien an den Ampeln, grüne Welle bei Tempo 20 und morgens alle Viertelstunde einen sogenannten Cycle Bus: Windschatten-Fahrgemeinschaften auf den Hauptverkehrsachsen.

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