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Unterwegs im BMW Vierer:Gezähmte Schönheit

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Vom 5. Oktober an ist das Vierer Coupé von BMW erhältlich

(Foto: WGO)

So komfortabel und doch so schnell: Trotz eines sportlichen Fahrverhaltens steckt im neuen Vierer-Coupé von BMW so viel Gran Tourismo wie nie zuvor. Seine gelungene Optik macht ihn zum wohl schönsten Coupé des Jahres. Eine erste Ausfahrt.

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind das Kerngeschäft von BMW - und momentan dennoch zum Brot-und-Butter-Business degradiert. Sie müssen Geld liefern, damit BMW den Konzern umstrukturieren kann. Fahrzeuge wie der Einser oder der Dreier sorgen für die finanzielle Grundlage, damit die neue Generation von Elektrofahrzeugen wie der i3 (erhältlich vom November an) oder der i8 (vermutlich im kommenden Jahr verfügbar) gebaut werden können.

Das neue Vierer Coupé bildet da eine Ausnahme. BMW gönnt sich dieses Auto. Es ist eher Aushängeschild als Cashcow. Deswegen hat der Wagen gleich mal eine eigene Baureihe bekommen. Denn eigentlich sind die sportlichen Mittelklasse-BMWs 3er-Modelle. Nun werden Coupé und Cabriolet in der Nomenklatur aufgewertet und bilden die Vierer-Baureihe. Das soll dem Wagen ein höheres Prestige bescheren - und BMW mehr Geld. Denn der Exklusivitäts-Gewinn gegenüber dem Dreier bedeutet für den Kunden einen Aufpreis.

BMW Vierer Coupé

Mehr Prestige für mehr Geld

Gelungenes Coupé-Design

Die BMW-Presseleute werden nicht müde zu betonen, dass der Zweitürer die Grundwerte des Autobauers verkörpere wie kein anderes Fahrzeug im Konzern: Sportlichkeit und Eleganz. Gerade die Optik war bei BMW bei einigen Modellen der vergangenen Jahre streitbar. Beim neuen Vierer hingegen ist jede Diskussion überflüssig. Der Wagen zeigt eines der stimmigsten BMW-Designs seit Langem. Die Proportionen sind aus einem Guss und vereinen die gängigen Coupé-Merkmale in einer sehenswerten Form: die lange Motorhaube, die flache Silhouette mit nur 1,36 Metern Höhe oder die um 80 Millimeter verbreiterte hintere Spur, die zudem der breiteste Punkt des Wagens ist, kennzeichnen eine zeitlose sportliche Linie. Klar, die riesigen vorderen Lufteinlässe wirken etwas plakativ. Doch der souveräne Gesamtauftritt des Wagens macht solche kleinen Aussetzer schnell vergessen.

Der Innenraum orientiert sich an der bewährten BMW-Architektur. Kleinigkeiten sollen dem Vierer etwas mehr Flair und Schick verleihen, Klavierlack-Applikationen in der Mittelkonsole beispielsweise. Die Verarbeitung ist wie immer in Ordnung und das Leder schmeichelt der Hand und vor allem dem Rücken. Das Gestühl bietet einen hervorragenden Kompromiss zwischen sportlichem Halt und Komfort.

Doch in Details zeigt der Zweitürer Schwächen, im immerhin 445 Liter fassenden Kofferraum zum Beispiel. Die Unterseite der Hutablage ist dort nicht verkleidet. Wer Gepäck verstauen will, stößt im besten Fall gegen blankes Blech, im schlechtesten Fall kratzt er sich die Haut an den Plastikschrauben, die in den Innenraum ragen. Auch die Scharniere des Kofferraums sind nicht sauber entgratet. Das steht einem Wagen nicht gut, der wie das gefahrene Topmodell 435i inklusive Automatikgetriebe und Sport-Ausstattungslinie mindestens 51.450 Euro kostet. Schon gar nicht, wenn der Hersteller für den Vierer den Grundsatz ausgibt, er biete deutlich mehr Produktsubstanz als der deutlich günstigere Dreier, der die Basis für den Vierer bildet.

Abgespeckt - aber noch immer kein Leichtgewicht

Das Erbe des Dreiers ist für die neue Baureihe gerade im Bereich der Fahrdynamik ein schweres, gilt die BMW-Mittelklasse doch seit jeher als Referenz für Fahrspaß bei überschaubaren Fahrzeugmaßen. Auch der Vierer ist so eine Fahrmaschine geworden. Er ist das erste Serienmodell, dessen Schwerpunkt die 50-Zentimeter-Grenze unterschreitet. Dazu kommt eine Achslastverteilung im perfekten Verhältnis 50:50. Durch Verfeinerungen am Fahrwerk, wie eine zusätzliche Torsionsstrebe vorne, eine steifere Anbindung des Fahrwerks oder eine Fünflenker-Achse hinten, hat die Verwindungssteifigkeit um 60 Prozent zugenommen. Zehn Millimeter tiefer als das letzte Dreier Coupé ist er zudem.

Im Zusammenspiel mit der variablen Sportlenkung (300 Euro Aufpreis), die die Übersetzung der elektromechanischen Lenkung je nach Geschwindigkeit und Lenkeinschlag variiert, lässt sich der 1510 Kilogramm schwere Zweitürer durchaus sportlich bewegen. Dennoch ist der Vierer kein Sportwagen. Vielmehr erinnert sein Fahrverhalten eher an einen klassischen Gran Tourismo. Er eignet sich hervorragend, um auch weite Strecken zügig zurückzulegen.