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Umbruch zum 100. Geburtstag:So radikal verändert sich BMW

BMW-Chef Norbert Reithofer stellt die Weichen für die Zukunft des Autoherstellers.

BMW-Chef Norbert Reithofer stellt die Weichen für die Zukunft des Automobilherstellers.

(Foto: Bloomberg)

In drei Jahren feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Jubiläum. Bis dahin wollen sich die Münchner komplett neu erfinden. BMW-Chef Norbert Reithofer steckt nun mitten in den Renovierungsarbeiten.

BMW-Land verändert sich - radikal im Bekenntnis zum Elektroauto, pragmatisch durch die Partnerschaft mit Toyota, behutsam in der Formensprache, mutig in den Keimzellen von Mini und Rolls-Royce, konsequent bei der Umstellung auf den Frontantrieb. Während andere in der Krise streichen und kürzen, hat Norbert Reithofer sein Unternehmen so konsequent neu aufgestellt wie kein zweiter Lenker einer Premiummarke. Zum Beispiel mit dem Project i, das mit Karbonkarosserie, Heckmotor und Elektro- oder Hybridantrieb gleich an drei Tabus rüttelt. Was passiert, wenn der i3 schon bei der Markteinführung im Herbst floppt, Herr Reithofer? "Nichts. Das ist kein zweites Rover-Abenteuer, sondern eine Erfahrung, die unser Unternehmen verändert hat. Mag sein, dass wir uns zwei Jahre länger hätten Zeit lassen können. Das Projekt an sich darf man aber nicht in Frage stellen, nur weil sich das Kundenverhalten vielleicht zu langsam anpasst. Wir müssen bereit sein, und das setzt voraus, gewisse Risiken einzugehen."

Egal, ob die Effizienz-Offensive schnell oder langsam anläuft - den Vorsprung durch Technik kann den Münchnern keiner mehr nehmen. Der Umgang mit dem neuen Werkstoff Kohlefaser, die cleveren Fertigungsprozesse, die frühe Erfahrung mit den alternativen Antrieben und das Fahrdynamik-Know-how werden sich in anderen Segmenten gleich mehrfach bezahlt machen. Der i3 startet als Limousine, das bereits gezeigte Coupé soll noch in diesem Jahr grünes Licht für die Serienentwicklung erhalten. Anfang 2014 kommt der i8, ein als Plug-in-Hybrid konzipierter Sportwagen für begüterte Trendsetter. Wie geht es weiter? Sobald sich Produktion und Vertrieb eingespielt haben, könnte ein viertüriger i5 das Programm abrunden. Der als Stadtwagen und Smart-Alternative angedachte, rundum eingekürzte i1 gilt dagegen ebenso als Streichoption wie der kleinste projektierte BMW-Fronttriebler mit dem Decknamen Joy, denn dieser Markt gehört eigentlich dem Mini.

Kompaktklasse ausbauen

Die zweite bedeutende Weichenstellung heißt intern UKL. Die untere Klasse war bislang die Domäne von Mini, doch im nächsten Jahr bringt auch BMW seinen ersten Fronttriebler. Damit sich das rechnet, poolen beide Marken ihre Entwicklung, den Einkauf und die Fertigung. Von der neuen UKL-Architektur sollen langfristig bis zu zehn verschiedene Minis und zunächst fünf verschiedene BMW-Modelle abgeleitet werden. Den Anfang macht 2014 der Compact Active Tourer (ein Einser im Stil des Golf Plus), gefolgt vom Family Sports Tourer (ein Einser nach Art des Touran). Auf der gleichen Matrix basieren die Crossover X1 (zweite Generation) und X2 (der Coupé-Ableger). Die Zweier-Reihe, die im nächsten Frühjahr als Ersatz für das Einser Coupé und Cabrio auf den Markt kommt, bleibt mindestens bis 2020 dem Mix aus Heck- und Allradantrieb treu. Auch für die meisten UKL-Modelle ist xDrive beziehungsweise ALL4 eine wichtige Option. Mini bringt schon im Juli 2014 sein neues Basismodell auch als Viertürer. Der nächste Clubman bekommt 2015 ebenfalls vier Türen, bleibt aber wenigstens der markanten zweiflügeligen hinteren Ladeöffnung treu. Angedacht sind darüber hinaus ein MiniVan im Maxiformat als Gegenstück zum Family Sports Tourer und eine knackige viertürige Limousine mit der vielversprechenden Projektbezeichnung Coolbox. BMW nennt sein zunächst für China reserviertes Stufenheck-Pendant schlicht NES, New Entry Sedan.