Übernahme durch Mahindra Pininfarina designt bald Nutzfahrzeuge statt Ferraris

Der Cisitalia 202, ein Pininfarina-Entwurf, hat es bis ins New Yorker Museum of Modern Art geschafft.

(Foto: Pressinform)
  • Pininfarina wurde an den indischen Mischkonzern Mahindra verkauft.
  • Damit fällt die nächste italienische Traditionsfirma in die Hände ausländischer Investoren.
  • Früher gestaltete die italienische Designschmiede Karosserien für Alfa Romeo, Lancia, Maserati und vor allem Ferrari. Bald werden es vorwiegend Pick-ups und leichte Nutzfahrzeuge sein.
Von Thomas Fromm

In einer Zeit, in der Autos noch wie Skulpturen bearbeitet wurden und die Designer moderne Bildhauer waren, entstand der Sportwagen Cisitalia 202. Das war 1946, und der Designer hieß Battista Farina. Weil der Mann klein war und als zehntes von elf Kindern geboren wurde, nannte man ihn "Pinin", den "Kleinen".

Pinin und Farina, das ergab dann den späteren Namen dieser piemontesischen Design-Schmiede: Pininfarina. Der Zweisitzer Cisitalia steht heute im New Yorker Museum of Modern Art, und aus Pininfarinas Carrozzeria wurde eine der Ikonen des italienischen Autodesigns. Alfa, Lancia, Fiat, Maserati, Ford - und immer wieder Ferrari, Pininfarina hat viele Automodelle entworfen. Sie stehen für große Eleganz, Kult und Made in Italy. Das Problem nur, wie bei so vielen italienischen Unternehmen: Irgendwann brachen die Großaufträge weg, einer nach dem anderen. Und zum Kult kamen dann die roten Zahlen dazu.

Zu klein, um alleine zu überleben. Aber zu schön, um einfach so zu sterben.

Das Unternehmen war schon seit Jahren auf der Suche nach einem großen, finanzkräftigen Partner. Jetzt hat sich der indische Mischkonzern Mahindra für 25,2 Millionen Euro bei Pininfarina eingekauft. 76 Prozent der Firmenanteile gehen nach Indien; für weitere acht Millionen Euro will Mahindra auch die restlichen 24 Prozent kaufen. Pininfarina, jene italienische Skulpturen-Werkstatt, ist nun nicht mehr italienisch, und das ist mehr als irgendein normaler, alltäglicher Firmen-Deal. Es ist ein weiterer Teil in der unendlichen Geschichte vom Ausverkauf Italiens.

Mit dem Ferrari Testarossa sorgte Pininfarina 1984 für Aufsehen.

(Foto: Ferrari)

Nur drei Beispiele von vielen

Einige Beispiele: Der Autodesigner Bertone - Konkurs im Frühjahr 2014. Die Turiner Kollegen aus dem legendären Design-Studio Giugiaro - 2010 von Volkswagen geschluckt. Der große Mailänder Reifenkonzern Pirelli - in diesem Jahr für 7,1 Milliarden Euro an den staatlichen chinesischen Chemiekonzern Chem-China gegangen.

Das sind nur einige große Namen. Viele andere, die von Investoren aus Asien geschluckt wurden, kennt man nicht.

Mahindra ist ein 17-Milliarden-Dollar-Konglomerat mit 200 000 Mitarbeitern in über 100 Ländern, ein Gigant im Vergleich zur Auto-Schmiede aus der Gegend von Turin. Mahindra hatte sich erst 2011 bei dem viertgrößten südkoreanischen Automobilhersteller und Geländewagen-Spezialisten Ssangyong eingekauft. Und: Mahindra stellt unter anderem Pick-ups und leichte Nutzfahrzeuge her, die mit einem Pininfarina-Ferrari ungefähr so viel zu tun haben wie Stahlkappen-Sicherheitsschuhe mit einem Paar Stilettos von Prada. Das Einzige, das Mahindra und Pininfarina also verbindet, ist dies: Die einen brauchen Geld, die anderen haben es. "Das Design von Pininfarina wird die Optik aller unserer Produkte verbessern", sagt der Chef der Mahindra-Gruppe, Anand Mahindra.