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Pedelec Curt im Test:Schwarz, schlicht, schlank

Der Akku versteckt sich im Rahmen, der Motor in der Hinterradnabe: Das E-Bike Curt kostet 2890 Euro.

(Foto: Ampler)

Das Pedelec Curt wirkt gar nicht so, wie man sich ein Fahrrad mit Elektro-Unterstützung vorstellt. Vor allem im urbanen Umfeld dürfte es viele Fans finden - auch wegen seines Preises.

Von Titus Arnu

Kann ein E-Bike, das Curt heißt, cool sein? Lange hatten Fahrräder mit elektrischen Hilfsmotoren ja ein bräsiges Image. Sie wirkten schwer, klobig, wenig elegant. Doch seit immer mehr jüngere Leute auf das Auto verzichten und in der Großstadt aufs Elektrorad steigen, hat sich auch das Design der E-Bikes geändert. Verbesserte Technik hat zur Evolution des E-Bikes beigetragen, Antriebe und die Akkus werden immer kleiner. Das Modell Curt von Ampler ist dafür ein Paradebeispiel.

Schwarz, schlicht, schlank: Curt wirkt wie ein puristisches Design-Objekt, dem man auf den ersten Blick gar nicht ansieht, dass es elektrifiziert ist. Ein starrer Rahmen aus gebürstetem Aluminium, eine Gabel aus Carbon, ein gerader, nicht allzu breiter Lenker, schmale Schutzbleche - das Rad sieht geradlinig und funktional aus, es gibt keinerlei Schnickschnack. Sportliche Geometrie, fast spartanische Anmutung - der Hersteller, die junge estländische Firma Ampler, nennt das einen "athletischen Look". Man könnte auch sagen: Optisch ist Curt eine Kreuzung aus Manufactum und Fitnessstudio.

Nur ein grün leuchtender Knopf am Sitzrohr deutet auf das elektrische Interieur hin. Ein kleiner Hecknabenmotor, kaum zu bemerken hinter dem Zahnkranz, unterstützt am Hinterrad, wenn man in die Pedale tritt. Ein Akku ist nicht zu sehen. Er ist gut versteckt im Unterrohr platziert. Das ist optisch sehr fein gelöst, lässt sich aber auch als Nachteil interpretieren: Falls der Akku mal kaputt sein sollte, muss Curt in die Werkstatt, wo die Batterie herausoperiert wird. Der Anschluss für das Stromkabel ist im Sitzrohr untergebracht. Wer also im dritten Stockwerk wohnt und sein stylisches Urban-E-Bike aufladen muss, ist gezwungen, es komplett in die Wohnung zu schleppen.

Das fällt aber nicht allzu schwer, denn Curt wiegt nur 13,5 Kilogramm. Das geringe Gewicht macht sich auch bei den Fahreigenschaften bemerkbar: Curt beschleunigt an der Ampel sehr flott, auch auf längeren Strecken mit Hügeln erreicht man einen Durchschnitt von 23 bis 24 Stundenkilometer. Wie bei allen E-Bikes regelt die Unterstützung bei 25 Stundenkilometer ab. Es gibt drei Modi: keine Unterstützung, normale Unterstützung und Turbo. Dank Turbo radelt man mühelos steile Passagen - etwa den Schäftlarner Klosterberg im Münchner Süden - mit Tempo 20 hinauf. Die Steuerung des Motors ist indes gewöhnungsbedürftig, denn es gibt keine Bedienungselemente am Lenker. Auch der Akku-Ladestand lässt sich nicht ablesen. Die Einstellungen kann man entweder am Ein- und Ausschalter am Sitzrohr ändern, was während der Fahrt eher unpraktisch ist, oder eine App laden, um das Rad per Smartphone zu steuern.

E-Bike Curt
Foto: Curt
Online-Rechte?: Ja

Das Curt gibt es mit Zehn-Gang-Schaltung oder nur mit Freilauf und ohne Schaltung.

(Foto: Ampler)

Curt ist ein Federgewicht, aber nicht mal das leichteste E-Bike auf dem Markt. Der schwäbische Hersteller Remsdale hat die nach eigenen Angaben "leichteste Pedelec-Flotte der Welt" auf den Markt gebracht, das Modell Carbon Pedelec Road wiegt 10,9 Kilogramm mit Akku (aber ohne Pedale). Das österreichische Modell Vivax Veloce bringt gerade mal 9,8 Kilogramm auf die Waage, das Steinbach-Rennrad Sonnblick sogar nur sagenhafte 8,5 Kilogramm. Solche E-Rennräder sind mit Mini-Motoren ausgestattet, die bei Steigungen und Sprints zu punktuellem Elektro-Doping verhelfen. Sie kosten so viel wie ein kleines Auto: Das Carbon-E-Bike von Remsdale ist für 8499 Euro zu haben. Dagegen ist Curt von Ampler mit 2890 Euro fast ein Schnäppchen.

Das alltagstaugliche, voll für den Straßenverkehr zugelassene E-Bike ist als Singlespeed mit Riemenantrieb oder mit Zehn-Gang-Schaltung (Shimano Deore M 6000) erhältlich. Für den Einsatz in einer relativ flachen Stadt bietet sich der wartungsfreie Riemenantrieb ohne Schaltung an, für Pendler, die längere Strecken bergauf und bergab fahren, ist die Gangschaltung sicherlich sinnvoller. Pannensichere, schmale Reifen lassen Curt auf Asphalt ruhig und schnell dahinschnurren, auf Kieswegen und im Matsch tut sich das Rad dagegen schwer. Man sitzt eher gebückt und sportlich als aufrecht und bequem, Curt vermittelt somit eher ein Rennrad- als ein Rentnergefühl.

Ob Curt cool ist? Diese Frage ist spätestens dann beantwortet, wenn man abends mit Freunden in einer Bar sitzt und mit verliebten Blicken immer wieder zu Curt rüberschielt, der draußen vor der Scheibe schwarz schimmert. Kurz vor der Abfahrt gibt man die Route in die Ampler-App ein, und am Fahrrad geht automatisch das Licht an. Im Sattelrohr blinken rote LEDs auf, vorne leuchtet ein kleiner, starker Scheinwerfer die Nacht aus. Jetzt fehlt nur noch eine Funktion, die das Rad eigenständig an die Bordsteinkante fahren lässt, damit man bequem aufsteigen kann. Curt ist wie K.I.T.T., das mitdenkende schwarze Auto aus der TV-Serie "Knight Rider" - nur umweltfreundlicher.

© SZ vom 02.11.2019/cku
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