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Sushi-Bike:So gut ist das Pedelec für tausend Euro

Sushi-Bike

TV-Moderator Joko Winterscheidt (links) unterstützt den Sushi-Bike-Erfinder Andreas Weinzierl nicht nur finanziell, sondern auch als Werbegesicht.

(Foto: Daniel Hofer)

Das "Maki" ist das erste Modell der neuen Marke "Sushi Bikes". Nicht nur Investor Joko Winterscheidt sorgt für Aufsehen, sondern auch der Preis. Aber was bekommt man dafür?

Für 899 Euro kann man gewöhnlich schon recht viel Fahrrad bekommen. Einen leichten Rahmen, passable Ausstattung, vielleicht sogar eine nette Federgabel. Oder ein Rad, das ohne Gangschaltung, Schutzbleche und Licht eher nackt, dafür aber mit Akku und Elektromotor ausgerüstet ist. So ein Rad ist das Pedelec "Maki" der Firma Sushi, das für die ersten Käufer für genau diese 899 Euro online vorbestellbar war. Jetzt kostet es 999 Euro. Die Auslieferung der ersten Räder ist noch in diesem Jahr geplant.

Entwickelt wurde das vergleichsweise günstige Elektrofahrrad vom Münchner Andreas Weinzierl. Weil es im Einstiegssegment für Pedelecs (also unter tausend Euro) bislang nur Räder gibt, die design- und komfortechnisch auf eine eher ältere Zielgruppe ausgelegt sind, baute der 24-Jährige zusammen mit seinem Vater ein eigenes Fahrrad. Dabei kam Weinzierl zu Gute, dass sein Vater neben seinem Job bei BMW einige Jahre lang eine eigene Fahrradwerkstatt führte. Allerdings sorgte nicht der niedrige Preis und die Gründergeschichte für die meiste Aufmerksamkeit, sondern ein prominenter Fürsprecher: TV-Moderator Joko Winterscheidt, der Weinzierl über einen gemeinsamen Freund kennenlernte, hat in das Fahrrad-Start-up investiert, genau wie die mymuesli-Gründer Max Wittrock und Philipp Kraiss. Mit Joko als Werbegesicht und dem günstigen Einstiegspreis soll das schlichte Pedelec vor allem eine junge, urbane Zielgruppe ansprechen, die Wert auf Design und Funktionalität legt, aber nicht unbedingt lange und komfortabel unterwegs sein will.

Doch was bekommt der Käufer für knapp tausend Euro? Zunächst einmal ist alles am "Maki" recht übersichtlich. Das Rad gibt es nur in schwarz, wahlweise mit braunen Reifen und in zwei Rahmengrößen. Das Sushi Bike hat einen geraden Lenker, mechanische Scheibenbremsen, einen abnehmbaren Akku, der wie eine Trinkflasche aussieht und auch als Powerbank für Smartphones genutzt werden kann. Schutzbleche oder Beleuchtung muss sich der Fahrer dazu kaufen, ab Werk hat das Maki beides nicht.

Auf den ersten Blick wirkt das Rad tatsächlich teurer, als es ist. Dazu passt die Anekdote, die Andreas Weinzierl erzählt. Der erste Prototyp wurde im Juli 2018 direkt geklaut. Zehn Monate später stoppte die Polizei den Fahrraddieb und brachte Weinzierl das Pedelec zurück - die Beamten waren ausgerechnet deshalb misstrauisch geworden, weil das vermeintlich teure Rad nicht zu seinem Fahrer passte.

Doch wie fährt sich das Maki von Sushi Bikes nun? Eine kurze Ausfahrt zeigt: Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, findet sich schnell zurecht. Am Lenker ist ein kleines Kästchen angebracht, mit dessen Hilfe sich der kleine, im Hinterrad untergebrachte Motor des chinesischen Herstellers Xofo steuern lässt. Die Bedienung dieses Kästchens ist ebenso einfach wie die Ausstattung: Der Fahrer kann wählen, ob er ein bisschen, ein bisschen mehr oder vergleichsweise stürmisch vom Motor unterstützt wird. Dabei spielt es keine Rolle, wie kräftig der Fahrer in die Pedale tritt. Entscheidend ist nur, dass er es überhaupt macht. Wer auf die maximal zulässigen 25 Stundenkilometer kommen will, sollte die dritte Stufe wählen - da gelingt das erstaunlich anstrengungslos. Ist man allerdings mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs, vermisst man eine Gangschaltung doch etwas: Die Trittfrequenz ist schon recht hoch. Wer das ändern will, kann das eingebaute Kettenritzel am Hinterrad gegen ein kleineres oder größeres ersetzen.

Das Maki ist mit 15 Kilogramm für ein Elektrorad ziemlich leicht - was auch an dem eher spärlich vorhandenen Akku liegt: Er hat nur eine Kapazität von 125 Wattstunden. Das ist nicht viel, soll aber im Stadtverkehr nach Angaben des Unternehmens für 35 Kilometer in der höchsten Unterstützungsstufe reichen. Wer weniger elektrische Unterstützung nutzt, soll sogar bis zu 60 Kilometer weit kommen. Wem das immer noch nicht reicht, der kann sich für 199 Euro einen zusätzlichen Akku kaufen, alternativ dreieinhalb Ladestunden einplanen oder einfach nur mit Muskelkraft fahren. Das ist kaum anstrengender als auf einem herkömmlichen Rad.

Im Grunde fühlt sich das Maki mit seiner munteren Unterstützung auf Stufe 3 wie ein E-Scooter mit großen Rädern und einem Sitz an. Wer so etwas sucht und zugleich findet, dass Pedelecs ansonsten sehr teuer sind, der wird sich mit dem Maki anfreunden können. Bald soll es zu einem ähnlichen Preis auch noch ein weiteres Modell geben, mit einem Holland-Rahmen, Schutzblechen und einem komfortableren Sattel.

Anmerkung der Redaktion: Der Einführungspreis von 899 Euro galt laut Hersteller bis zum 18.8., 23.59 Uhr. Seit dem 19.8. kostet das Fahrrad 999 Euro.

Sushi Bike

Sushi Bike (c) SUSHI Bikes/Dario Suppan; Sushi Bike Maki

(Foto: Sushi Bikes)