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Münchner E-Auto-Firma:Sono Motors sammelt 50 Millionen Euro

Das Solarauto Sion bei seiner Vorstellung in München 2017.

(Foto: oh)

Die Münchner Firmengründer wollten ihre Idee vom Solarauto nicht verkaufen und starteten eine Crowdfunding-Kampagne. Nun teilen sie mit, dass sie ihr Ziel erreicht haben.

Sono Motors setzte am Samstagabend eine einfache Nachricht in die Welt: "Thank you" - Danke. Auf dem Bild, das bei Twitter veröffentlicht wurde, steht darunter die Zahl fünf und sieben Nullen: 50 000 000. So viele Euro, 50 Millionen, benötigte das Münchner Start-up, um seine Erfindung von einem Elektroauto mit Solarzellen in der Außenhaut plus Carsharing-Konzept umsetzen zu können. Nun hat es das Unternehmen nach eigenen Angaben geschafft. Man kann dies eine große Überraschung nennen.

Sono Motors ist seit einiger Zeit ein Tipp in der Elektroauto-Branche. Klingt ja auch nach einer fabelhaften Idee: Solarzellen in die Außenhaut der Karosserie integrieren und damit den Strom gewinnen, mit dem das Auto fahren kann. Bis zu 35 Kilometer täglich soll der Wagen mit dem Namen "Sion" nach Firmenangaben allein mit Sonnenenergie fahren können, bei weniger Sonnenstunden wie etwa im Winter allerdings weniger. Für den Rest kann die Batterie ganz normal über die Steckdose geladen werden. Den ersten Prototypen hatten die Firmengrüner Laurin Hahn und Jona Christians vor sechs Jahren in einer Garage in Pullach bei München gebaut, zwei Wochen vor ihren Abiturprüfungen.

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Doch im vergangenen Jahr ging das Geld aus. Dabei hatten bereits 10 000 Interessenten das Auto bestellt und Anzahlungen geleistet. Doch offenbar hatten Geldgeber von der Firma verlangt, das Sion-Auto aufzugeben, weil die Herstellung zu teuer sei, hieß es im Dezember in einer Erklärung. "Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder erkannt, dass wir ganz andere Ziele verfolgen als herkömmliche Finanzinvestoren", sagte Vorstandsvorsitzender Laurin Hahn. "Aggressives Wachstum und schnelle Gewinne lassen sich nur schwer mit einem nachhaltigen Unternehmens- und Fahrzeugkonzept vereinbaren." Deshalb entschloss sich Sono Motors zu einer Crowdfunding-Aktion. Binnen drei Wochen mussten 50 Millionen Euro her, "sonst wird der Sion nicht kommen", sagte Hahn.

Am 30. Dezember hatten die Münchner 32,5 Millionen Euro zusammen. Interessenten hatten ihre Anzahlungen erhöht, neue Käufer kamen hinzu, es gab Spenden und Darlehen. Die Firma ließ dann ihre Community abstimmen, ob sie den Zeitraum verlängern solle, was eine große Mehrheit der Investoren und Besteller befürworteten. Nun war Montag, 21. Januar, der Stichtag. Zwei Tage vorher ist es nun offenbar soweit. Unter anderem sollen zwei der bisherigen Großinvestoren ihre Einlagen kräftig erhöht haben.

"Anstatt aufzugeben, wer wir sind, haben wir beschlossen, für das zu kämpfen, woran wir glauben", schreibt das Unternehmen bei Twitter, "für eine Welt, in der jedes Auto auf der Straße elektrisch betrieben und mit anderen geteilt wird".

Für Sono Motors und seine 100 Mitarbeiter war die Crowdfunding-Kampagne die letzte Chance. So viel Geld hatte in so kurzer Zeit zuvor niemand geschafft, schon gar nicht in Europa. In den USA wurden für ein Computerspiel über mehrere Jahre 230 Millionen Dollar eingesammelt, für ein Smartwatch-Unternehmen gaben Menschen in mehreren Kampagnen rund 40 Millionen Dollar. In Deutschland bewegen sich die erfolgreichsten Crowdfunding-Projekte bei einstelligen Millionen-Beträgen.

Trotz des Erfolgs ist Sono Motors weiterhin ein Risikoprojekt. Die Großen fressen normalerweise schnell die Kleinen auf dem umkämpften Automobilmarkt. Start-ups mit neuen Ideen müssen meistens aufgeben und ihre Erfindungen verkaufen. Nur Tesla konnte sich zuletzt als neuer, privater Player etablieren, aber die Amerikaner haben auch den Multimillionär Elon Musk als Eigentümer und Investor.

Um die für Herbst 2021 geplante Produktion des "Sion" in einem ehemaligen Saab-Werk in Schweden anlaufen zu lassen, benötigt Sono Motors weiteres Kapital. Allerdings rechnet das Unternehmen damit, sogenannte CO₂-Zertifikte verkaufen zu können, weil es nur Elektroautos herstellt, während andere Hersteller eventuell solche Zertifakate zukaufen müssen, weil sie noch zu viele Diesel oder Benziner verkaufen. Klappt alles, könnten die ersten Sions Anfang 2022 an die Kunden ausgeliefert werden. Ob dann die Idee mit den Solarzellen in der Karosserie noch ein Alleinstellungsmerkmal der Münchner ist, wird man sehen.

© SZ
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