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FCA-Chef Sergio Marchionne:"Wir bauen Autos, basta!"

FCA-Chef Sergio Marchionne beim Formel-1-Rennen in Spanien

Beschwerter Visionär: Sergio Marchionne, 63, sieht seinen Konzern vor riesigen Aufgaben. Und Erfolgsbeispiele sind rar.

(Foto: Clive Mason/Getty Images)

Jeder Autohersteller will Mobilitätsdienstleister sein - nur Fiat-Chrysler nicht. Bei einem Treffen mit Konzernchef Sergio Marchionne wird klar: Von der Zerschlagung bis zur Fusion scheint alles möglich.

Sergio Marchionne schlurft wippenden Schrittes um den Tisch an seinen Stammplatz in der Sonne, frisch geduscht nach einem weiteren Langstreckenflug, wache Augen in einem müden Körper. Mit zwei Handgriffen zückt der Italo-Kanadier seine vier Stammrequisiten, ein Doppelpack Mobiltelefone, eine Schachtel Muratti Privat, ein Billig-Feuerzeug. "Diese Industrie ist wieder einmal am Scheideweg", konstatiert er in seinem dumpfen Bär-will-Honig-Singsang. "Niemand hat eine Patentlösung. Jeder kämpft um den Zugang zu zukunftsweisenden Technologien. Das Auto ist das neue interaktive Medium zwischen alter und neuer Welt. Jetzt gilt es, schnell zu sein und die richtigen Entscheidungen zu treffen." Während die Linke das brummende Telefon zum Schweigen bringt, angelt sich die Rechte eine Zigarette. Multitasking nach Marchionne-Art.

Das Stichwort Tesla bringt den 63-Jährigen in Fahrt. "Ich mag Elon Musk, aber was er macht, erinnert mich fatal an die Internetblase. Wenn sein Geschäftsmodell funktionieren würde, hätten andere es längst abgekupfert. Tesla kann nichts, das wir nicht auch könnten. Aber wir müssen Gewinn machen, und ich weiß noch nicht einmal, wie man mit Elektroautos eine schwarze Null schreiben kann."

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FCA muss einen schnellen Euro machen

Was Sergio Marchionne verschweigt: Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hat einfach nicht genug Geld, um groß in Elektromobilität zu investieren. Das Unternehmen ist vielmehr darauf angewiesen, mit SUVs und Pick-ups einen schnellen Euro zu machen - wenig Aufwand, hohe Margen, zum Teufel mit der Nachhaltigkeit. Gespräche mit willigen Partnern wie dem chinesischen E-Auto-Start-up Le See hat der oberste Strippenzieher mehrmals platzen lassen.

Die Frage, welchen Anteil Dienstleistungen am FCA-Umsatz in fünf Jahren haben werden, beantwortet der charismatische Zyniker mit lakonischem Schulterzucken. "Wir sind nicht im Mobilitätsgeschäft. Wir bauen auch keine Mobiltelefone. Wir haben kein Interesse daran, Menschen von A nach B zu befördern und ihnen unterwegs irgendwelche Dinge zu verkaufen. Wir bauen Autos, basta!"

Selbst bei Ferrari setzt Marchionne den Rotstift an

Die Zukunft des Pkw sieht der Opernfan kritisch. In Amerika hat er kürzlich die Modelle Chrysler 200 und Dodge Dart vom Markt genommen, in Europa wurde die Entwicklung der Alfetta im BMW Fünfer-Format gestoppt. Statt dessen schwimmen fast alle FCA-Ableger auf der SUV-Erfolgswelle mit Jeep und Dodge Ram als den profitabelsten Gelddruckmaschinen. Sogar Alfa und Maserati bedienen die betuchte Hochsitzfraktion.

Nur mit Ferrari hat der neue CEO Erbarmen - setzt aber auch dort den Rotstift an. Zu den ersten Opfern zählen der Dino V6 und der Supersportwagen La Ferrarina. Marchionnes Kommentar: "Beim Dino haben wir Probleme mit den Kosten, dem Volumen und der Positionierung. Am obersten Ende der Preisskala schöpft schon 2017 der La Ferrari Spider mit geringem Einmalaufwand den Rahm ab."