bedeckt München 26°

S-Pedelec:Teuer, unkomfortabel und der Radweg ist tabu

Mit 4399 Euro gehört die U-Serie von Flyer nicht gerade zu den günstigsten Rädern im Laden.

(Foto: Flyer)

Die Deutschen greifen nur selten zum S-Pedelec. Sogar der Radfahrerverband ADFC ist gegen die bis zu 45 km/h schnellen Elektroräder. Ein Test der U-Serie von Flyer zeigt, warum die Skepsis groß ist.

Die erste Ausfahrt dauert noch keine drei Minuten, da kommt schon der Ruf. Eine Dame in einem grauen VW Polo lässt noch während des Überholvorgangs die Seitenscheibe runter und ruft laut: "Faaahrradweeeeeeeg!!!" Die drei Ausrufezeichen sind ihrem verärgerten Tonfall deutlich zu entnehmen. Eingeholt an der nächsten roten Ampel, folgt eine Kurzinformation zum Straßenverkehrsrecht: Das Versicherungskennzeichen am Heck weist das Rad als S-Pedelec aus. Es kann mit elektrischer Unterstützung bis zu 45 Kilometer je Stunde schnell fahren, sein Fahrer darf damit schlicht nicht auf den Radweg. Das sieht der Gesetzgeber so vor. "Ach so", sagt die Dame im grauen Polo. "Wusste ich nicht."

Ist klar. Kaum einer weiß das. S-Pedelecs sind auf deutschen Straßen in etwa so selten anzutreffen wie, sagen wir, Kinderroller im Stadtverkehr von Downtown New York. Nach Angaben des Herstellerverbands ZIV beträgt ihr Anteil am deutschen E-Bike-Markt aktuell gerade einmal ein Prozent.

Elektromobilität und alternative Antriebe Pedelec mit 25 oder 45 km/h: Womit lässt sich besser pendeln?
Pedelec-Vergleichstest

Pedelec mit 25 oder 45 km/h: Womit lässt sich besser pendeln?

Unser Autor, ein begeisterter Rennradler, wagt den Selbstversuch mit Elektro-Fahrrädern. Warum ihm das schnellere Rad mehr Spaß macht - und er dennoch zum langsameren greifen würde.   Von Sebastian Herrmann

Ganz anders dagegen sieht es in der Schweiz aus: Dort ist etwa jedes vierte verkaufte E-Bike ein S-Pedelec, also ein Fahrrad mit Elektromotorunterstützung, das bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnell sein kann. Dort aber müssen S-Pedelec-Fahrer keinen Mopedhelm tragen wie in Deutschland, ein normaler Radhelm genügt. Und Radwege sowie -streifen stehen dort auch S-Pedelecs offen; in Deutschland sind sie für S-Pedelecs tabu. Deshalb haben auch Schweizer Hersteller wie Flyer oder Stromer oft gleich mehrere S-Pedelecs im Angebot. Und sie versuchen, auch den deutschen Käufer von den schnellen Akku-Rädern zu überzeugen.

Flyer zum Beispiel hat seit diesem Sommer ein speziell für den urbanen Markt kreiertes Rad aufgelegt. Die U-Serie soll "ein schnelles Stadtbike" sein. Der Rahmen ist sehr steif, die Anmutung dynamisch. Tatsächlich sitzt der Fahrer leicht nach vorn gebeugt in einer recht sportlichen Position. Mit 25 Kilogramm ist das Rad für ein S-Pedelec zumindest nicht allzu schwer, was ebenso zu einer flotteren Fahrweise animiert. Es fährt stabil und ist gut zu kontrollieren, auch oberhalb der Marke von 35 oder gar 40 Stundenkilometern.

Die Gänge wechselt eine Automatik

Allerdings sollte der Fahrer auch sportlich im Nehmen sein: Das Rad fährt sich extrem hart, Schläge und Löcher spürt man direkt in den Handgelenken. Auch die Experten des Fachmagazins E-Bike kommen zu dem Schluss, dass die Schweizer dem Rad vielleicht besser eine Federgabel spendiert hätten, das hätte auch die Fahrsicherheit verbessert. "Denn die schnelle Fahrt auf schlechten Straßen verlangt nach einem festen Griff am Lenker", so die Tester.

Der Panasonic-Mittelmotor schnurrt erstaunlich leise, der Fahrer kann zwischen drei Unterstützungsstufen wählen. Mit der Deore-Kettenschaltung von Shimano lassen sich die zehn Gänge hinten flüssig schalten, im Mittelmotor steckt ein zusätzliches Getriebe mit zwei Gängen. Damit schafft man auch steile Anstiege zügig. All das lässt sich über Taster am Lenkergriff steuern - oder man vertraut einer Automatik, die im Test gut funktionierte: Fahrer und Fahrzeug bildeten quasi eine Einheit.

Die umfangreiche Ausstattung hat ihren Preis

Wie bei vielen Schweizer Herstellern üblich, bietet die Technik auch noch jede Menge Spielereien: Verschiedene Bildschirmanzeigen informieren unter anderem über Geschwindigkeit und Ladestand, über zurückgelegte Strecke und absolvierte Höhenmeter, über Kadenz sowie die (rein rechnerisch) verbrauchten Kalorien. Das umfangreiche Ausstattungspaket hat allerdings auch seinen Preis: Mit 4399 Euro gehört die U-Serie nicht gerade zu den günstigsten Rädern im Laden. Und man muss sagen: Für die Stadt ist der flotte Flitzer eher weniger geeignet, mehr für die Überlandstrecke. Unter anderem, weil die deutschen Verkehrsregeln den S-Pedelecs die meisten Radwege nicht gestatten.

Der Hersteller plädiert daher dafür, die deutschen Regeln denen in der Schweiz anzupassen. Gerade für Pendler mit längerem Arbeitsweg könnten S-Pedelecs eine Alternative zum Auto sein, sagt Anja Knaus von Flyer. Doch aktuell sieht es nicht danach aus, als würden die Schweizer beim deutschen Gesetzgeber durchdringen. Auch der Radfahrerverband ADFC lehnt eine Lockerung der Regeln für S-Pedelecs ab: "S-Pedelecs möchten wir nicht auf dem Radweg haben", sagt Verbandssprecherin Stephanie Krone. Tatsächlich seien die schnellen Räder ein "ungelöstes Problem", eine "dritte Spezies, die nirgendwo so richtig hinpasst".

Flyer geht das Problem vorerst anders an: 2018 wird es die U-Serie auch als normales Pedelec geben, kündigt Knaus an. Da unterstützt der Motor bis maximal 25 Kilometer pro Stunde.

Fahrrad Zwölf Fahrräder für zwölf Pendlertypen Bilder

Fahrrad

Zwölf Fahrräder für zwölf Pendlertypen

Soll es ein Standardrad sein? Oder eines, mit dem man auch querfeldein fahren kann? Braucht es einen Elektromotor oder nicht? Diese Übersicht hilft Fahrradpendlern, das passende Modell zu finden.