Reform der MPU Nicht ganz dicht

Erst die Verkehrskontrolle, später die MPU: Verkehrsminister Dobrindt will deren Verfahren nun reformieren.

(Foto: dpa-tmn)
  • Experten zufolge hat sich die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) bewährt. Dennoch gebe es Verbesserungsbedarf.
  • So ist die MPU nur äußerst dürftig gesetzlich geregelt. Bundesverkehrsminister Dobrindt will das nun ändern.
  • Das Verfahren soll transparenter werden und Betroffene sollen sich besser auf die MPU vorbereiten können.
Von Daniela Kuhr, Berlin

Die Aufgabe ist klar formuliert: Zwei Kugeln liegen auf dem Tisch, der Kandidat soll versuchen, sie aufeinander zu stapeln. Jeder Mensch mit einem Hauch von Intelligenz erkennt natürlich sofort, dass das nicht funktionieren kann. Greift der Kandidat dennoch nach den Kugeln, steht fest: Er ist nicht ganz dicht - und somit nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen.

Das müssen Sie über Promillegrenzen wissen

Das Thema "Alkohol am Steuer" sorgt häufig für Verwirrung. Wir klären auf: über Promillegrenzen, drohende Strafen - und wie Sie Ihre Blutalkoholkonzentration bestimmen können. Von Thomas Harloff mehr ...

Das soll, so wird es an Stammtischen immer wieder erzählt, eine der klassischen Aufgabenstellungen bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) für Verkehrssünder sein. Doch das stimmt überhaupt nicht. Es ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält - was umso leichter ist, als die MPU, die umgangssprachlich auch Idiotentest genannt wird, nur äußerst dürftig gesetzlich geregelt ist. Das will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nun ändern. Sein Ziel lautet: mehr Transparenz, bessere Informationen für die Betroffenen und ein klareres Regelwerk. Damit reagiert der Minister auf Kritik, die seit Jahren immer wieder erhoben wird.

Zur MPU müssen beispielsweise Autofahrer, die wiederholt alkoholisiert am Steuer erwischt wurden, die unter Drogeneinfluss standen oder die aus anderen Gründen nicht als fahrtüchtig gelten. Mit der Untersuchung will die Fahrbehörde eine amtliche Grundlage für ihre Entscheidung bekommen, ob sie einem Fahrer den Führerschein zurückgeben soll oder nicht.

Die Vernunft schwindet mit jedem Schluck

Soll der zulässige Alkoholwert für Radfahrer auf 1,1 Promille gesenkt werden? Der Verkehrsgerichtstag diskutiert das. Es wäre immer noch deutlich höher als bei Autofahrern - und inkonsequent. 0,0 Promille müssen her. Von Felix Reek mehr ... Kommentar

Einige Punkte, die nicht befriedigend geregelt sind

Die Experten sind sich weitgehend einig, dass sich die MPU alles in allem bewährt und die Verkehrssicherheit gesteigert hat. Allerdings sehen sie dennoch einige Punkte, die aus ihrer Sicht nicht befriedigend geregelt sind. So können die Betroffenen sich derzeit gegen die Anordnung einer MPU nicht zur Wehr setzen, eine gerichtliche Überprüfung ist nicht vorgesehen. Auch erfahren sie häufig gar nicht, worauf es ankommt bei der Untersuchung. Die Fragen unterscheiden sich stark von Bundesland zu Bundesland. Für die Betroffenen ist der Test daher häufig eine völlig undurchsichtige Angelegenheit. Eben das aber nutzen zahlreiche windige Berater aus, um Geschäfte zu machen - indem sie gegen teures Geld Kurse anbieten, die helfen sollen, den Test zu bestehen.

Mit der Reform will Dobrindt das Verfahren transparenter machen und so die Akzeptanz steigern. Beispielsweise soll es künftig einen einheitlichen Fragenkatalog geben, auf den die Kandidaten sich vorbereiten können. Auch sollen Obergutachter eingesetzt werden, bei denen man sich beschweren kann. Zudem müssen Berater künftig amtlich anerkannt sein. An diesem Donnerstag trifft sich eine Expertengruppe im Bundesverkehrsministerium, um die nötigen Schritte zu besprechen. Ihr gehören unter anderem Verwaltungsrichter, Verkehrspsychologen, Gutachter sowie Vertreter von Verkehrsverbänden und Fahrerlaubnisbehörden an. 2013 mussten bundesweit knapp 95 000 Verkehrssünder zur MPU.

Aktuelles Lexikon: Idiot

Alexander Dobrindt ist kein Idiot. Der Bundesverkehrsminister war schon vor 19 Jahren Mitglied im Marktgemeinderat Peißenberg, saß seit 2002 im Bundestag, nun ist er Minister. Einen Staatsmann könnte man ihn nennen, auch wenn Pkw-Maut oder Bundesverkehrswegeplan nicht nach weiter Welt klingen. Das Wort "Idiot" kommt aus dem Griechischen und meinte einen Menschen, der sich als Privatier von politischen Dingen fernhielt, einen Nicht-Staatsmann. Das lag selten an der Intelligenz, denn unter den Privatiers waren viele Bürger, denen der Zugang zu Ämtern möglich gewesen wäre. Später erhielt der Idiot den Ruch der Dummheit, wie Herders Conversationslexikon zeigt. Zunächst wurde ein "Nichtkenner einer Kunst oder Wissenschaft" so genannt, dann "der rohe Mensch" mit "geistiger Beschränktheit und Stumpfsinn". Je nach Definition gibt es in Deutschland eine variierende Anzahl Idioten. Nach griechischer Lesart sind es viele; siehe Wahlbeteiligung. Die Zählung der Dummen sei jedem selbst überlassen, als Hinweis nur ein Satz von Hermann Fürst von Pückler-Muskau von 1828: "Derselbe Mensch kann in elf Dingen erhaben sein, im zwölften als Idiot empfunden werden." Im Straßenverkehr gibt es eindeutig 95 000 Idioten im Jahr. Sie müssen zur medizinisch-psychologischen Untersuchung, vulgo "Idiotentest". Dobrindt will sie reformieren. In seiner Funktion als Nicht-Idiot. Johann Osel