bedeckt München 29°

Porsche 911 GT3 RS im Test:Ein Schönwetterauto, das Charakter verlangt

Der Porsche 911 GT3 RS will auf die Rennstrecke und gehört dort auch hin. Trotzdem ist er für öffentliche Straßen zugelassen - vom Fahrer fordert er vor allem Selbstdisziplin.

Ach ja, der deutsche Sommer. Wenn man auf sein schönstes Lächeln hofft, sich an seine warme Hand nehmen lassen möchte, zeigt er ungeniert den Mittelfinger - und grinst auch noch hämisch dabei. Sonnenschein wäre nett gewesen an diesem Testfahrt-Wochenende, wenigstens Trockenheit. Stattdessen gibt es einen Samstag voller Regen, tiefer Pfützen und tückischer Rinnsale. Es ist ein scheußlicher Tag, um ein Auto zu testen.

Besonders fies ist das deshalb, weil kein durchschnittlicher Kompaktwagen zur Proberunde bereitsteht. Auch kein Van oder SUV. Erst recht kein Allradler, bei dem der Regen zusätzliche Erkenntnisse gebracht hätte. Hier geht es um den Porsche 911 GT3 RS. Den extremsten Sportwagen, den Porsche seit Einstellung des 918 Spyder anbietet. Riesige Kühlöffnungen in der Frontstoßstange und den hinteren Seitenteilen, Luftauslasskiemen in den vorderen Kotflügeln und der monströse Heckflügel machen jedem klar, dass das hier kein bloßes Fortbewegungsmittel ist. 500 PS leistet der Vierliter-Sechszylinder-Boxer im Heck, auf maximal 310 km/h beschleunigt der RS, in 3,3 Sekunden geht es von null auf hundert - wenn es trocken ist.

Unbeholfen von Kurve zu Kurve

Ist es aber nicht, und Nässe mag der radikale Elfer gar nicht. Das liegt vor allem an seinen Reifen. Die sind einerseits sehr breit, vorne 265 und hinten 325 Millimeter - bekanntermaßen ein Nachteil bei nasser Straße. Und sie sind außerordentlich inselbegabt: Es handelt sich um Supersport-Pneus, auch Cup-Reifen oder Semi-Slicks genannt. Die sind dafür gebaut, dem Fahrer dieses Autos auf der Rennstrecke oder kurvenreichen Landstraßen Stunden voller Spaß zu bereiten - wenn es trocken ist.

Die Qualitäten solcher Reifen kehren sich bei Nässe jedoch um. Es gibt zu wenig Profil, um genug Wasser zu verdrängen. Vorne funktioniert es leidlich, die Pneus der Vorderachse vermitteln einigermaßen Vertrauen, bremsen mit der gebotenen Vehemenz und folgen der Richtung, die das Lenkrad vorgibt. Aber die hinteren Walzen, die vor allem beim Beschleunigen am Kurvenausgang gefragt sind, haben Mühe mit der Feuchtigkeit. Immer wieder will das Porsche-Heck ausbrechen, nur vorsichtiges Gasgeben hält es ohne schnelles Gegenlenken oder Hilfe der elektronischen Assistenten in Balance. Es muss für die anderen Verkehrsteilnehmer lustig aussehen, wie dieser Supersportwagen unbeholfen von Kurve zu Kurve rutscht.

Das Fahrwerk ist hart oder knallhart

Wie viel des fahrdynamischen Potenzials an diesem verregneten Samstag brachliegt, zeigt sich am freundlichen Sonntag. Nun zeigt der Porsche, warum er als einer der besten Sportwagen überhaupt gilt. Er verzögert mit Macht, lenkt unmittelbar und auf den Punkt genau ein und krallt sich an der Ideallinie fest - auf Wunsch in einem Tempo, das auf öffentlichen Straßen nicht zu verantworten ist. Ausgeklügelte Technologien wie eine mitlenkende Hinterachse, Torque Vectoring, das das Drehmoment so verteilt, dass es optimal auf die Straße übertragen werden kann, und eine Differenzialsperre unterstützen ihn bei seiner Kurvenkunst. Dass das Fahrwerk unverzüglich und intensiv über jede Unwucht im Asphalt informiert, müssen die maximal zwei Insassen aber in Kauf nehmen. Per Tastendruck lässt sich immerhin zwischen "hart" und "knallhart" wählen.

Dafür ist es im Interieur des RS erstaunlich komfortabel. Die engen Schalensitze suggerieren zwar etwas anderes, aber Rückenschmerzen bleiben auch nach langen Touren aus. Gut, ihre hohen Seitenwangen erschweren den Ein- und Ausstieg, aber wer sich darüber beschwert, soll Cayenne fahren. Im Cockpit kennt sich jeder Porsche-Fahrer auf Anhieb aus, neben dem zentralen Drehzahlmesser informieren Instrumente und Displays über Tempo, Temperaturen und Wohlbefinden des Autos. Zudem hat Porsche ein Ärgernis früherer RS-Generationen beseitigt: Der fest installierte Überrollkäfig quietschte gerne und laut. Der im aktuellen Über-Elfer lässt das sein. Ob er im Zweifelsfall hält, will man lieber nicht ausprobieren.