bedeckt München 24°
vgwortpixel

Ölkonzerne und der Wettbewerb:Frust an der Zapfsäule

Tankstelle: Günstig tanken

Immer günstig und zum fairen Preis tanken? Schön wärs.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)
  • Rohöl ist so billig wie seit sechs Jahren nicht, aber der Benzinpreis ist kaum gesunken.
  • Ausgerechnet seit Einführung der Markttransparenzstelle für Kraftstoff weichen Öl- und Kraftstoffpreise immer stärker voneinander ab.
  • Während das Bundeskartellamt und der Mineralölverband dafür einfache Erklärungen haben, fordern ADAC und Verbraucherschützer noch mehr Transparenz.

Autofahrer haben derzeit, so scheint es, wenig Grund zu klagen. Die Preise an den Tankstellen sind seit Wochen so günstig wie lange nicht. Und das, obwohl die Mineralölkonzerne diese in der Ferien- und Reisezeit eher erhöhen.

Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Benzinpreise noch deutlich niedriger sein müssten: Seit Monaten sinkt der Ölpreis. In der vergangenen Woche fiel er bis auf 40 Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter). So niedrig war er seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Trotzdem müssen Autofahrer in diesen Tagen für einen Liter Super E 10 im Schnitt etwa 1,40 Euro zahlen. Das sind nur knapp zehn Cent weniger als vor einem Jahr. Allerdings war Öl damals mit knapp 100 Dollar mehr als doppelt so teuer wie heute - ein Vergleich, der deutlich macht, dass Mineralölkonzerne die sinkenden Ölnotierungen nur zum Teil an ihre Kunden weitergeben.

"Keiner senkt seine Preise stärker als unbedingt notwendig"

Und noch etwas fällt auf: dass Benzin- und Ölpreis ausgerechnet seit Einführung der Markttransparenzstelle für Kraftstoff immer stärker voneinander abweichen. Das zeigt eine Datenanalyse der Süddeutschen Zeitung (siehe Grafik). Dabei sollte dieses Instrument, das im Dezember 2013 eingeführt wurde, Autofahrern den Rücken stärken und - so hofften zumindest viele - für günstige und faire Preise sorgen.

SZ-Grafik; Quelle: Bloomberg, Mineralölverband

Es war der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der die Transparenzstelle in der alten schwarz-gelben Bundesregierung durchsetzte. Er wolle so den "Preisexzessen" an den Tankstellen ein Ende setzen, versprach er vor drei Jahren. Die Spritpreise hatten gerade Höchstwerte erreicht, Konsumenten fühlten sich abgezockt. Das Bundeskartellamt, bei dem die Transparenzstelle angesiedelt ist, stellte in einer Sektoruntersuchung Wettbewerbsverzerrungen auf dem Tankstellenmarkt fest. Nur fünf große Anbieter - Shell, Esso, Aral, Total und Jet - dominieren den deutschen Markt.

"Auch die Mineralölkonzerne nutzen die Transparenzstelle"

Klar war allerdings schon damals, dass nicht nur Konsumenten, sondern auch Tankstellenbetreiber ihren Nutzen ziehen können aus der staatlichen Meldestelle, an die alle 14 000 Stationen in Deutschland seit eineinhalb Jahren jede einzelne Preisveränderung umgehend melden müssen. Mineralölkonzerne haben ebenfalls Zugriff auf diese Daten - und besitzen so die Möglichkeit, ihre Preise gezielter zu steuern. Oder sie nutzen sie gar für neue Geschäftsmodelle wie Shell mit einer Kundenkarte (siehe Kasten).

Geschäftsmodell

Die Konzerne haben sich lang gegen die Transparenzstelle gesträubt, doch sie bringt ihnen auch Vorteile. Vorher mussten sie sich über die Preise der Konkurrenz selbst informieren, nun erhalten sie diese von der staatlichen Datensammelstelle. Laut Gesetz sind Tankstellenbetreiber verpflichtet, Preisänderungen bei Super E 5, Super E 10 und Diesel spätestens nach fünf Minuten zu melden. Shell hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Das Unternehmen wirbt damit, dass Inhaber einer bestimmten Kundenkarte höchstens zwei Cent je Liter mehr zahlen müssen, als an der günstigsten Tankstelle in der Umgebung. Das Angebot komme gut an, sagt eine Shell-Sprecherin: "In der Spitze haben wir an einem einzigen Tag 7800 Neukunden registrieren können." Das Beispiel zeige, dass die Konzerne auf das gestiegene Preisbewusstsein der Autofahrer reagierten, heißt es dazu beim Kartellamt. Silvia Liebrich

Auch beim ADAC, Deutschlands größtem Autofahrerverband, ist das bekannt. "Transparenz gibt es nie nur für einen. Auch die Mineralölkonzerne werden die Möglichkeiten der Transparenzstelle ganz konsequent nutzen. Da bestand für uns nie ein Zweifel", sagt Jürgen Albrecht, Kraftstoffmarktexperte beim ADAC. Die Konzerne könnten sich gegenseitig so noch besser im Auge behalten. "Keiner senkt seine Preise stärker als unbedingt notwendig", glaubt er. Ob die Transparenzstelle eine Ursache dafür sei, dass die Anbieter den sinkenden Ölpreis nur teilweise weitergeben, könne er aber nicht sagen. "Auffällig ist aber, dass die Benzinpreise auch im Vergleich zum Diesel noch immer deutlich zu hoch sind."