Mobileye "Tötet ein Computer, gibt es einen Aufschrei"

Noch Auto oder schon High-Tech-Wohnzimmer? Ein BMW aus der Zukunft, gezeigt Anfang Januar bei der Elektronikmesse CES in Las Vegas.

(Foto: Bloomberg)
  • Gemeinsam mit BMW und dem Chiphersteller Intel arbeitet Zulieferer Mobileye am autonomen Fahren.
  • Der isrealische Spezialist für Kamerasysteme ist entscheidend für die Fortschritte des selbstfahrenden Autos, sagen jene, die mit ihm zusammenarbeiten.
  • Mobileye-Chef Amnon Shashua geht davon aus, dass der Straßenverkehr durch autonomes Fahren sicherer wird. Doch dafür müssen die Systeme ausgereift sein.
Von Thomas Fromm

Bevor sich die drei Herren auf die Bühne setzen, werden sie als "Boygroup" angekündigt, und das passt ganz gut, denn solche Jungen-Bands sind ja meistens auf Tournee, und ein bisschen gilt das auch für diese drei hier: Intel-Chef Brian Krzanich, BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich und Amnon Shashua, der Mitgründer des israelischen Kameraspezialisten Mobileye, sind zwar alle schon in ihren 50ern, aber sie waren schon vor ein paar Tagen bei der Elektronikmesse CES in Las Vegas auf der Bühne, jetzt sitzen sie bei der Digitalkonferenz DLD in München. Eine Art Boygroup auf Tour also.

Wenn Boygroups unterwegs sind, spielen sie neue Songs. Auch die Manager haben etwas sehr Aktuelles im Programm: Der Song heißt "autonomes Fahren", gespielt haben sie ihn zum ersten Mal im vergangenen Sommer und er geht so: Wir drei sind ab sofort ein Team und werden bis 2021 gemeinsam fahrerlose Autos auf die Straße bringen - und das wird dann der ganz große Hit. Wer will, kann mitmachen.

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Nun kennt man BMW und auch den Chip-Giganten Intel - aber wer war noch mal Mobileye? Die Fakten: 1999 gegründet, Sitz in Jerusalem, knapp 700 Mitarbeiter. Ein Lieferant von Kameratechnik für Fahrerassistenzsysteme, aber irgendwie auch mehr als nur ein Auto-Lieferant.

Nach dem Auftritt der Boygroup sitzt BMW-Mann Fröhlich in einem kleinen Besprechungsraum und sagt: "Amnon Shashua ist mit seiner Forschung für die Firma entscheidend. Wenn Mobileye nicht im Markt wäre, dann würde die Entwicklung von selbstfahrenden Autos erheblich erschwert werden." Einige meinen sogar, ohne Mobileye und Amnon Shashuas Technologie für selbstfahrende Autos würde es überhaupt nicht gehen. Kameras, Sensoren, Softwarepakete, die alle zusammen das Umfeld eines fahrenden Autos im Blick haben: andere Autos, Radler, Fußgänger.

"Im stockenden Verkehr lese ich lieber ein Buch"

Der 56-Jährige, um den sich gerade alle reißen, hat schon viel gesprochen an diesem Sonntag. Es ist eisig kalt in München, draußen fällt Schnee, und der Professor für Informatik an der Hebräischen Universität Jerusalem und Mobileye-Gründer braucht Tee und Fisherman's Friend-Pastillen. Der Mann, der die Zukunft mit fahrerlosen Autos plant, erzählt von sich. Shashua fährt noch gerne selbst, vor allem Motorräder. Aber er würde sich auch fahren lassen: "Im stockenden Verkehr etwa lese ich lieber ein Buch als mich zu langweilen."

Und er hat eine Vision: Er will, dass Autos fahrerlos fahren, damit es weniger Unfälle auf den Straßen gibt. "Werden im Straßenverkehr Menschen von Menschen getötet, wird es hingenommen. Tötet ein Computer, gibt es einen Aufschrei." Einen Aufschrei hatte es gegeben, als im vergangenen Jahr der Fahrer eines Teslas bei einem Unfall ums Leben kam, nachdem er auf Autopilot umgestellt hatte. Tesla und Mobileye, bisher Lieferant des Elektroauto-Pioniers, trennten sich voneinander. Shashua war die Sache bei Tesla offenbar zu schnell gegangen - gerade jetzt, in der Frühphase der neuen Technologie, brauchte er keine schlechten Nachrichten. Und Shashuas kleine Firma kann sich aussuchen, mit wem sie zusammenarbeitet. Die Unternehmen stehen Schlange.