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Mercedes-AMG GT-S im Fahrbericht:Schneller als der neueste Porsche 911

Der neue Mercedes-AMG GT-S.

Das Design des AMG GT-S zitiert Sportwagenikonen wie den Jaguar E-Type.

(Foto: STG)

Zum Herausforderer passt der neongrün geflammte "Tarnlook" des Erprobungsfahrzeugs. Mit der Signalfarbe zieht Jan Seyffarth eine Leuchtspur über die Rennstrecke: Der Supersportler macht auf dicke Backen, beschleunigt in 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h und ist damit kaum langsamer als der Mercedes SLS - und 0,2 Sekunden schneller als der Porsche 911 Carrera 4 GTS mit Doppelkupplungsgetriebe.

Auch im GT-S mit dem Stern schießt ein Doppelkupplungsgetriebe die Gänge durch. Im Race-Modus folgt dem Zwischengas-Gewitter beim Beschleunigen ein nicht minder theatralisches Auspufffeuerwerk beim harten Anbremsen.

Wie der Nürburgring überrascht Laguna Seca den Fahrer mit haarigen Kehren und rabiaten Senken. Doch der Mercedes bleibt selbst im Kurvengeschlängel ganz Gentleman. Bei voller Verzögerung tänzelt der 1570 kg schwere Wagen ein wenig und ringt auf holprigen Untergrund manchmal um Bodenhaftung, wenn alle Pferde gleichzeitig losdonnern. Doch wirklich erschrecken lässt sich der GT-S von der Kuvenkirmes nicht. Sein stabiler Gitterrahmen aus Aluminium gibt sich unerschütterlich und die verbindliche Fahrwerksabstimmung prügelt auch im Race-Modus nicht auf die Passagiere ein.

Entspannter Reisewagen mit Rennstreckenoption

Tobias Moers hört es nicht gerne, wenn man GT mit Gran Turismo übersetzt. Doch anders als der nervöse Jaguar F-Type, der überambitionierte BMW M3 und der relativ enge und laute 911 ist der AMG GT-S ein entspannter Reisewagen, mit dem man gerne lange Strecken fährt. Im Komfortmodus erinnert der Zweisitzer mit ordentlichem Gepäckraum sogar an eine straff ausgelegte C-Klasse, so sämig gleitet er durch die engen Täler des kalifornischen Hinterlands.

Der Innenraum des Mercedes-AMG GT-S.

Der Mercedes-AMG GT-S bietet nur zwei Sitze, aber einen ordentlich dimensionierten Gepäckraum.

(Foto: STG)

Verblüffend einfach findet die zielgenaue Lenkung ihren Weg: Wer mit dem AMG GT-S über leere Landstraßen zirkelt, kann das Bremsen vor den meisten Kurven schlicht vergessen. Ist das ein Lob für einen, der sich im Revier der wilden Hunde durchbeißen muss? Zumindest Mercedes-Fahrern dürfte es reichen, wenn sie das Biest nur gelegentlich von der Leine lassen. Mit einem Grundpreis von 134 351 Euro ist der AMG GT-S immerhin 50 000 Euro billiger als sein Vorgänger. Der etwas zahmere GT mit 462 PS und 600 Nm wird ab Herbst 2015 für 115 430 Euro zu haben sein.

© SZ.de/harl/todo
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