Bentley und Rolls-Royce Getrennte Wege, ähnliches Ergebnis

Das Bentley-SUV soll 2016 auf den Markt kommen. Die technische Basis liefert der Audi Q7.

(Foto: Bentley)
  • Sowohl Rolls-Royce als auch Bentley verkauften so viele Autos wie noch nie. Doch während die einen auf künstliche Verknappung setzen, geht es bei den anderen um uneingeschränktes Wachstum.
  • Der Bentley-SUV Bentayga soll 2016 auf den Markt kommen und auf dem neuen Audi Q7 basieren.
  • Rolls-Royce will zwei Jahre später ein SUV auf den Markt bringen. Die Technik soll in weiten Teilen vom geplanten BMW X7 kommen.
  • Beide Hersteller setzen stark auf ihre Individualisierungsprogramme.
Von Georg Kacher

Die neue Heimat von Rolls-Royce liegt außerhalb von Goodwood im Süden Englands. Früher war das Unternehmen in Crewe beheimatet, doch der Standort in den Midlands gehört inzwischen Bentley. Hier wie dort zelebrieren Spezialisten die hohe Schule der Leder- und Holzverarbeitung, tragen mit sicherem Strich kontrastfarbige Zierlinien auf, dengeln so manches Stück Blech noch händisch in Form.

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Zwischen 1946 und 2002 unterschieden sich die meisten Bentley-Modelle von den baugleichen RR-Varianten nur im Detail, doch seit dem Markensplit gehen beide Anbieter getrennte Wege. Dabei bleibt sich Rolls-Royce bis ins Detail selbst treu. Man ist stolz auf den hohen Anspruch an Verarbeitung und Technik, auf den erstklassigen Ausstattungs- und Federungskomfort, auf das kultivierte und völlig unaufgeregte Fahrerlebnis. Das nimmt allerdings auch Bentley für sich in Anspruch - genauso wie die meisterhafte Handwerklichkeit, die individuelle Gestaltung von Farben und Oberflächen. Trotzdem kommen sich die Kontrahenten kaum ins Gehege, denn dafür ist Bentley in puncto Charakter und Ausstrahlung zu sportlich, zu leistungsfokussiert, zu sehr Fahrer-Auto statt Chauffeur-Limousine.

Rekordzahlen bei beiden

Anders als Rolls-Royce, das seine Exklusivität unter anderem durch die knappe Verfügbarkeit des Produkts definiert, hat Bentley keine Scheu vor fünfstelligen Stückzahlen. Im Gegenteil: 2014 freute sich CEO Wolfgang Dürheimer über "einen neuen Absatzrekord, ein neunprozentiges Wachstum auf 11 020 Einheiten und über eine noch breitere Marktabdeckung".

Sein Gegenpart Torsten Müller-Ötvös konnte mit 4063 Fahrzeugen sogar zwölf Prozent mehr verkaufen als im Vorjahr. Trotzdem spricht sich der Chef ganz klar "gegen Massenluxus, fünfstellige Stückzahlen und Wachstum als Selbstzweck" aus. Mehr als 6000 bis 7000 Autos pro Jahr sollen unter seiner Regie nicht produziert werden. Bei Bentley dagegen soll 2020 die 20 000-Stück-Schallmauer fallen.

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Für den größten Nachfrageschub dürfte ab 2016 der Bentayga SUV sorgen, der sich die DNA mit dem neuen Audi Q7 teilt. Zum Anlauf wird der opulent ausgestattete Geländewagen mit dem W12 bestückt. Später ergänzen ein Plug-in-Hybrid und ein V8 Diesel das Angebot. Die teuerste Variante wird mehr als 300 000 Euro kosten.

Zwei Jahre nach Bentley will auch Rolls-Royce der betuchten Kundschaft einen SUV anbieten

Zwei Jahre nach Bentley will auch Rolls-Royce die betuchte Klientel mit einem standesgemäßen Offroader beglücken. Der Deckname des Fahrzeugs, das Mitte des Jahres grünes Licht erhalten soll, lautet Cullinan - so heißt der größte jemals gefundene Diamant. Analog zum Bentayga ist der SUV kein Blender, sondern ein kompetenter Offroader, der sogar steile Sanddünen und tiefe Flussdurchfahrten meistert. Unter der Haube schnurrt entweder ein Drehmoment-optimierter V12 oder ein V8 Hybrid. Einen Diesel will sich die Marke dagegen nicht antun.

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Trotz der sehr selbstbewussten Abmessungen wird auf eine dritte Sitzreihe verzichtet. Stattdessen ist als Topversion ein Viersitzer mit Theaterbestuhlung in der zweiten Reihe vorgesehen. Die Achsen, den Allradantrieb und die Räder mit dem extra großen Durchmesser will man ebenso wie den Elektronik-Baukasten vom BMW X7 übernehmen. Aufbau und Interieur sind dagegen komplett eigenständig. Die Karosserie besteht nahezu komplett aus Aluminium.

Symbiose aus Erbgut und Altlast

Die aktuelle Bentley-Palette präsentiert sich als Symbiose aus Erbgut und Altlast. Während man die Gene des Mulsanne mit etwas gutem Willen bis ins vergangene Jahrhundert zurückverfolgen kann, teilen sich Continental GT und Flying Spur einige Baugruppen mit dem auch nicht mehr taufrischen VW Phaeton. Bei der anstehenden Erneuerung der Modellfamilie, die sich von 2017 bis 2021 hinziehen dürfte, wollen die Herren Dürheimer und Frech (Entwicklung) ihren früheren Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. MSB heißt das Objekt der Begierde, modularer Standardantrieb-Baukasten.

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Was nur die halbe Wahrheit ist, denn selbstverständlich haben die Porsche-Ingenieure in das Front-Mittelmotor-Layout auch einen Allradantrieb hineinkonstruiert. MSB debütiert Ende 2016 im Panamera-Nachfolger. Die Matrix lässt sich skalieren - nach unten bis etwa 4,50 Meter (Sportwagenformat), nach oben bis circa 5,50 Meter (Mulsanne-Format). Dazwischen ist viel Platz für das kaum veränderte Maßkonzept des neuen Conti GT, der 2017 auf den Markt kommen soll. Neben dem 2+2-sitzigen Coupé erwarten wir wieder ein Cabrio und den weitgehend eigenständigen Flying-Spur-Viertürer.