LPG-Autos:Autogas, die günstige und saubere Alternative zu Benzin und Diesel

Kein Ruß, kaum Stickoxide, weniger CO₂ als ein Benziner: Liquified Petroleum Gas - auch bekannt als LPG oder Autogas - hat viele Vorteile. Diese Modelle fahren mit dem Öko-Kraftstoff.

Von Thomas Harloff

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Bilanzpressekonferenz Westfalen AG

Quelle: dpa

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Volltanken für 30 Euro? Bei einem Benziner oder Diesel ist das utopisch, für Autogas-Fahrer dagegen normal. Knapp 450 000 von ihnen profitieren derzeit deutschlandweit von den günstigen Preisen von nur etwa 60 Cent, die ein Liter LPG ("Liquified Petroleum Gas", oder gebräuchlich: Auto- oder Flüssiggas) im Schnitt kostet. Billiger geht es nicht, wie der ADAC jüngst in einem großen Kostenvergleich herausgefunden hat. Demnach rechnen sich die meisten Autogasmodelle bereits ab 10 000 Kilometer pro Jahr - und umso mehr, je größer die jährliche Fahrleistung ist. Jedenfalls jetzt noch, denn der Steuervorteil wird von Januar 2019 an jedes Jahr kleiner: Derzeit wird pro Liter eine Energiesteuer von 9,74 Cent fällig. Ab 2023 wird der Steuersatz mehr als das Doppelte betragen.

Doch mag das Kostenargument schwächer werden, die Vorzüge in Sachen Umweltschutz bleiben. Erstens durch das Herstellungsverfahren: Hinter LPG verbirgt sich Propan oder Butan (beziehungsweise ein Gemisch daraus), das bei der Verarbeitung von Rohöl zu Benzin als Abfallprodukt entsteht. In manchen Raffinerien wird es einfach verbrannt, wodurch Schadstoffe in die Luft gelangen. Dann doch besser das Autogas auffangen und selbst als Treibstoff nutzen. Außerdem hat LPG einen hohen Reinheitsgrad und einen sehr geringen Schwefelanteil. Deshalb verbrennt es fast rückstandsfrei, es entsteht kein Ruß. Hinzu kommt ein erheblicher Stickoxid-Vorteil: Wissenschaftler beziffern ihn auf etwa 20 Prozent gegenüber Benzinern und gar zwischen 95 und 99 Prozent im Vergleich zu Dieselautos. Außerdem enthalten die Abgase eines LPG-Autos weniger Kohlendioxid (CO₂) als die eines Benziners.

Das Problem: Ab Werk werden nicht viele Modelle mit Autogasantrieb angeboten. Unsere Übersicht zeigt, dass im Angebot dennoch Autos für sehr unterschiedliche Anforderungen enthalten sind.

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Quelle: Dacia

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Dacia Duster

Dacia streut den LPG-Antrieb fast über seine gesamte Modellpalette. Auch der neue Duster, der Anfang 2018 auf den Markt kommt, erhält ihn, wenn auch erst zu einem späteren, noch nicht näher definierten Zeitpunkt. Lange dürfte es allerdings nicht mehr dauern, schließlich ist das Modell bereits eingepreist: 14 500 Euro kostet der Duster LPG, der ausschließlich mit Vorderradantrieb und in der zweithöchsten Ausstattungslinie Comfort erhältlich ist.

Wie alle anderen Autogastriebwerke ist der 1,6-Liter-Vierzylinder bivalent ausgelegt. Er lässt sich auch mit Benzin antreiben und schaltet automatisch zwischen den Kraftstoffarten um. Im Gasbetrieb leistet der Motor 109 PS, als Benziner ist er fünf PS stärker. Schwerer wiegt das Manko des kleinen Tanks: Er befindet sich in der Reserveradmulde und fasst 33,6 Liter - macht bei einem Normverbrauch von 8,8 Litern eine Reichweite von etwa 380 Kilometern. Aber nur theoretisch, denn aus technischen Gründen darf ein Autogastank nur zu 80 Prozent befüllt werden. Eine Gasladung reicht also für gut 300 Kilometer. Gut, dass noch ein vollwertiger Benzintank an Bord ist und das Kofferraumvolumen (445 bis 1734 Liter) nicht beeinträchtigt wird.

Außerdem mit Autogasantrieb erhältliche Dacia-Modelle: Sandero, Logan MCV, Lodgy und Dokker.

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Quelle: Lada

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Lada 4x4

Der Dacia ist nicht geländegängig genug? Oder zu teuer? Oder zu modern? Kein Problem, es gibt ja noch den Lada 4x4. An diesem Offroader hat sich seit seiner Premiere zwar einiges am Namen geändert - man kennt ihn auch als Lada 2121, Niva oder Taiga -, aber nur wenig an der Technik. Seine Fans stört das nicht. Sie schätzen den Russen als Kraxler, für sein robustes Wesen und für seine Autogasanlage mit Unterflurtank, die sich für 2850 Euro vom offiziellen deutschen Importeur nachrüsten lässt. Für insgesamt 13 640 Euro gibt es also einen 83 PS starken Geländewagen, der in 19 Sekunden von null auf hundert und auf maximal 137 km/h beschleunigt. Ein König der Autobahn wird der 4x4 in diesem Leben nicht mehr - aber per Autogas bekommt ihn Lada zumindest einigermaßen sauber.

Außerdem mit Autogasantrieb erhältliche Lada-Modelle: Granta, Kalina, Vesta.

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Quelle: Adam Opel AG

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Opel Zafira

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Es sind keineswegs nur osteuropäische Sparpreisanbieter, die ab Werk Autos mit LPG-Antrieb im Programm führen. Auch Opel stellt einige Autogas-Modelle her. Zum Beispiel den Zafira Ecotec LPG. Ein solider Kompakt-Van, der auf Wunsch entweder bis zu sieben Personen oder maximal 1792 Liter Gepäck transportiert. Sein 140 PS starker 1,4-Liter-Motor beschleunigt den Autogas-Zafira in 11,8 Sekunden von null auf hundert und auf maximal 195 km/h. Er ist also absolut geeignet für die Autobahn - und mit einem Grundpreis von 27 715 Euro immerhin 900 Euro günstiger als der ebenfalls erhältliche Zafira mit Erdgasantrieb (eine Übersicht mit aktuellen CNG-Autos finden Sie hier).

Außerdem mit Autogasantrieb erhältliche Opel-Modelle: Crossland X, Karl (auch als Rocks), Adam, Corsa, Mokka und Astra Limousine (basiert noch auf dem Vorgängermodell).

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Quelle: Ford-Werke GmbH

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Ford C-Max

Es ist noch nicht lange her, da hatte Ford ein LPG-Trio im Angebot. Diese Zeiten sind vorbei, seitdem sowohl der Fiesta als auch der Focus ohne Autogas-Option auskommen müssen. Übrig bleibt der kompakte Van C-Max, wenn auch nur in der fünfsitzigen Variante. 117 PS leistet dessen 1,6-Liter-Vierzylinder im LPG-Modus, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h. Wie bei allen Autogas-Modellen gilt auch beim Ford C-Max: Er verbraucht im Gas- zwar etwas mehr als im Benzinbetrieb (7,9 statt 6,6 Liter nach Normzyklus), dafür stößt er weniger CO₂ aus (127 statt 154 Gramm pro Kilometer). Und das Kofferraumvolumen leidet etwas unter dem in der Reserveradmulde verbauten Ringtank; es schrumpft von 471 auf 400 Liter.

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Quelle: Hyundai Motor Corp.

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Hyundai i10

Wer nicht mehr als automobile Mindestanforderungen stellt, wird auf der Suche nach einem Autogas-Angebot sogar im Mini-Segment fündig - und zwar bei Hyundai. 11 490 Euro kostet der i10 1.0 LPG mindestens, er ist aber auch in den höherwertigen Ausstattungen Classic (12 830 Euro) und Trend (13 460 Euro) erhältlich. Sein Dreizylinder-Motor leistet 67 PS, beschleunigt den Kleinwagen in 15,2 Sekunden von null auf hundert und befähigt ihn zu einer Höchstgeschwindigkeit von 153 km/h. Wichtig zu wissen: Wie für alle anderen Modelle der Marke gilt auch für den i10 mit Autogas Hyundais Fünf-Jahres-Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Andere Marken bieten meist nur eine Absicherung von zwei oder drei Jahren.

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Quelle: Jim Fets; General Motors

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Die kleine Auswahl an ab Werk angebotenen LPG-Autos ist nur auf den ersten Blick ein Manko, denn die meisten Benziner lassen sich problemlos auf einen Autogasantrieb umrüsten. Viele Werkstätten bieten den Umbau an, die Kosten dafür liegen bei etwa 1800 bis 3500 Euro. Der ADAC hat für 50 gängige Modelle durchgerechnet, nach welcher Kilometerleistung sich das amortisiert und herausgefunden: Je größer das Auto und der darin installierte Motor, umso mehr lohnt sich der Wechsel auf Autogas. Das erklärt, warum LPG-Anlagen hierzulande besonders bei Fahrern von US-Autos beliebt sind und fast jeder Händler amerikanischer Fahrzeuge Umbauten anbietet. Mit Autogas können sogar Pick-ups wie der GMC Canyon einigermaßen wirtschaftlich bewegt werden.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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LPG-Auto-Fahrer müssen dennoch ein paar Nachteile in Kauf nehmen. Der offensichtlichste ist der Mehrverbrauch, der aus der geringeren Dichte des Flüssiggases gegenüber Benzin resultiert. Einen Teil davon gleicht der höhere Brennwert zwar aus. Trotzdem braucht ein Auto im LPG-Betrieb zwischen zehn und 30 Prozent mehr Kraftstoff im Vergleich zum Benzinmodus. Außerdem ist ein monovalenter Antrieb nicht möglich, da beim Starten und in Kaltfahrphasen vom Motor stets Ottokraftstoff benötigt wird.

Ein weiteres Manko - wenn auch ein kleines - ist die Infrastruktur. Die Datenbanken im Internet zählen zwischen 6500 und 7100 LPG-Tankstellen in Deutschland (im Vergleich zu derzeit etwa 14 500 normalen Tankstellen). Insgesamt gibt es europaweit etwa 30 000 Autogas-Zapfsäulen. Vor allem in Italien und den Niederlanden ist es ein verbreiteter Kraftstoff.

Alles Wissenswerte zum anderen alternativen Kraftstoff Erdgas lesen Sie hier.

© SZ.de/harl/ihe/liv
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