Lada Vesta im Test:Ein Billigauto, das zu teuer ist

Der Vesta ist das beste Auto, das Lada je baute. Im Test zeigt er dennoch zahlreiche Schwachstellen - die größte ist der Preis.

Von Thomas Harloff

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Der neue Lada Vesta

Quelle: Thomas Harloff; Bearbeitung SZ.de

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Er sieht zwar nicht danach aus, aber der Lada Vesta steckt voller Überraschungen. Die erste hält die Preisliste bereit. 12 490 Euro? Richtig, 12 490 Euro! Ziemlich viel für ein Modell einer Marke, die bislang dafür bekannt war, noch billigere Autos anzubieten als der osteuropäische Sparpreis-Konkurrent Dacia. Und ziemlich viel für eine schnöde kompakte Stufenhecklimousine. Bei Dacia gibt es für diese Summe nicht nur einen geräumigen Kombi, sondern einen noch geräumigeren Van oder ein gar nicht mal so schlechtes SUV. Ist der Lada Vesta, dieses neue Billigauto aus Russland, etwa zu teuer?

Der Infotainment-Bildschirm des Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff

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Kurz nach dem Einsteigen folgen die nächsten Überraschungen. Und einige Erklärungen, warum der deutsche Lada-Importeur den Preis - zumindest für seine Verhältnisse - so selbstbewusst kalkuliert hat. In der Mittelkonsole sitzt ein Touchscreen, der Radio, Navi und einige weitere Funktionen bündelt. Im Lenkrad gibt es Tasten, um es zu kommandieren. Eine Klimaautomatik hält selbständig die voreingestellte Temperatur. Und eine Rückfahrkamera erleichtert das Rangieren.

Luxus? Eher Merkmale, die bei etablierten Marken längst selbstverständlich sind. Bei Lada sind sie neu. Und nach eigenem Verständnis offenbar so bahnbrechend, dass sie der Hersteller in einem Ausstattungspaket bündelt, das "Luxus" heißt. Zusammen mit dem im Testwagen installierten Automatikgetriebe schraubt das den Preis auf 14 250 Euro hoch.

Das Cockpit des Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff

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Einen annehmbaren Radioempfang hat der Vesta auch in seiner Luxusvariante nicht. Die Sitze sind außerdem ziemlich dünn gepolstert. Und dann verströmt der Lada diesen Geruch - ein Bouquet, wie es nur der Kunststoff eines günstigen Autos auszudünsten vermag.

Aber all das eben Beschriebene war bei Lada früher viel schlimmer. Ein längerer Aufenthalt im Vesta-Innenraum verursacht weder Rücken- noch Kopfschmerzen. Das verarbeitete Plastik sieht besser aus und fasst sich angenehmer an, als es riecht. Die Bedienelemente - von den unter dem Automatik-Wählhebel platzierten Sitzheizungstasten einmal abgesehen - befinden sich dort, wo man sie erwartet, und tun das, was sie tun sollen. Gleiches gilt für den berührungsempfindlichen Sieben-Zoll-Bildschirm, der besser funktioniert als die Touchscreens in so manchem deutlich teureren Franzosen oder Japaner.

Der Kofferraum des Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff

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Platz hat der Lada obendrein, und zwar vorne, hinten und im 480 Liter großen Kofferraum. Der wächst mit zwei Handgriffen, die die geteilte Rücksitzlehne nach vorne klappen, auf 840 Liter bei fensterhoher Beladung. Leider ist die Durchreiche sehr eng.

Der Motor des Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff

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Wer nach weiteren Überraschungen sucht, findet sie nach dem Start. Der 1,6-Liter-Benziner mit vier Zylindern und 16 Ventilen nach bewährter Saugmotor-Bauart ist überhaupt nicht laut und ausreichend kräftig. Die 106 PS und maximal 148 Newtonmeter arbeiten ambitioniert mit. Zumindest bis in den Bereich der Autobahn-Richtgeschwindigkeit. Auf dem Weg von 130 hinauf zur Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h wandelt sich die Ambition dann doch in (Über-)Anstrengung. Aber angesichts der Leistungsdaten ist die Kraftentfaltung ordentlich. Übermäßig durstig ist der Lada Vesta mit 7,7 Litern im Schnitt auch nicht.

Der neue Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff; Bearbeitung SZ.de

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Dabei könnte er noch etwas sparsamer sein. Aber dazu bräuchte er ein anderes Getriebe als die 760 Euro teure automatisierte Fünfgang-Schaltung, mit der der Testwagen ausgerüstet ist. Keine echte Automatik übrigens, sondern ein manuelles Getriebe, dem eine elektronische Schaltbox vorgeschaltet ist. Und die agiert langsam - so langsam, dass viele Fahrschüler die Gänge schneller finden als die Elektronik im Lada. Dass das Getriebe manuelle Eingriffe erlaubt, macht es nicht besser. Und dass die Schaltvorgänge ein schabendes Geräusch hervorrufen, schafft nicht gerade Vertrauen in die eigenwillige technische Lösung.

Der neue Lada Vesta.

Quelle: Lada

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Fahrdynamisch bleibt die russische Limousine ohne große Auffälligkeiten. Der Lada ist weder zu straff noch besonders weich abgestimmt. Er ist deshalb weder außerordentlich agil noch komfortabel, sondern charakterlich sehr ausgeglichen. Die indirekte und gefühllose Lenkung lässt die Hoffnung auf ausgeprägte Kurvenkünste jedoch schwinden.

Der neue Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff; Bearbeitung SZ.de

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Für sportliche Abenteuer fehlt es an einer verlässlichen Bremse. Zu teigig ist das Pedalgefühl, zu spät ertastet der Fuß einen Druckpunkt. Dennoch präsentiert sich der Vesta im Alltag als solide Kompaktlimousine, die auch bei starkem Seitenwind souverän in der Spur bleibt.

Im Ernstfall muss sich der Fahrer allerdings auf sein eigenes Können verlassen. Mit seinen Sicherheitssystemen erreicht der Lada gerade einmal das Mindestniveau: Es gibt Front- und Seitenairbags, ein Anti-Blockiersystem sowie ein elektronisches Stabilitätsprogramm und Sensoren, die den Reifendruck überwachen und automatisch das Abblendlicht oder die Scheibenwischer einschalten. All das ist serienmäßig installiert, mehr gibt es nicht. Fast alle anderen Hersteller erreichen einen höheren Standard, selbst im Preissegment des Vesta. Aber kaum einer von ihnen bietet serienmäßig fünf Jahre Garantie oder für 2500 Euro extra eine ab Werk eingebaute Autogasanlage.

Der neue Lada Vesta.

Quelle: Thomas Harloff

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Beim Vesta summieren sich mehr Vor- als Nachteile, er ist deutlich besser als jedes andere Auto, das Lada je gebaut hat. Aber er ist eben auch 2000, wenn nicht gar 3000 Euro zu teuer. Denn im Dunstkreis von 14 000 Euro gibt es fast unzählige Konkurrenzmodelle. Die mögen weniger Überraschungen bieten, aber komfortabler, fahraktiver - einfach moderner - sind die meisten allemal.

Technische Daten Lada Vesta 1,6 16V Automatik

R4-Benzinmotor mit 1,6 Litern Hubraum; Leistung 78 kW (106 PS); max. Drehmoment: 148 Nm bei 4200/min; Leergewicht: 1280 kg; Kofferraum: 480 - 840 l; 0 - 100 km/h: 12,8 s; Vmax: 180 km/h; Testverbrauch: 7,7 l / 100 km (lt. Werk: 6,2; CO-Ausstoß: 141 g/km); Euro 6b; Grundpreis: 13 250 Euro (Testwagenpreis: 14 250 Euro)

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

© SZ.de/reek/mikö
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