Engpass auf der Schiene Per Katapult nach Westerland

Über den Hindenburgdamm fahren nicht nur Personenzüge, auch viele Autos werden per Schiene von und nach Sylt transportiert.

(Foto: Ulrich Perrey/dpa)

Eine Satire bietet eine alternative Reisemöglichkeit nach Sylt. Dahinter steckt ein ernsthaftes Anliegen - denn die beliebte Ferieninsel hat ein großes Verkehrsproblem.

Von Peter Burghardt

Mit der Catapult Air geht es jetzt sehr schnell auf die deutsche Lieblingsinsel, das war eine wirklich gute Idee. Keine Schienen, keine Verspätungen. Nur ein kurzer Flug. "Da", sagt ein Betreiber und zeigt am Deich mit dem gebotenen Ernst aufs Wattenmeer und eine schemenhafte Landmasse, "da ist Sylt. Und mit uns sind sie in zwei Minuten da."

Man setzt sich mit Gepäck auf die Schleuder und fliegt hinüber, landet drüben in einer Art Hüpfburg am Strand oder im Wasser. "Wir halten viel aus und können auch viel ertragen", erläutert ein weiterer Mann von Catapult Air, "aber irgendwann ist auch mal Ende. Wir haben das Gefühl gehabt", er hebt die rechte Hand, "wir wurden am langen Hindenburgarm ausgehungert. Was heißt verrückte Idee", er zuckt mit den Schultern, "es musste ja was passieren. Wir haben also unsere eigene Infrastruktur geschaffen."

Seit einigen Tagen ist dieses durchaus sehr lustige Video der fiktiven Catapult Air ("Im hohem Bogen nach Sylt") im Netz zu bewundern. Mehr als 200 000 Menschen haben es schon gesehen, darunter vermutlich die meisten der 20 000 Sylter und 4500 Pendler sowie Zehntausende Touristen. "Ein Hilfeschrei", sagt Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH, die den Gag gemeinsam mit einer Werbeagentur entwickelt hat. "Denn mittlerweile", wie es im Nachspann heißt, "ist das hier echt nicht mehr lustig."

Die Trasse durchs Wattenmeer ist in miserablem Zustand

Im echten Leben hängt das Eiland seit 1927 am Hindenburgdamm wie an einem Tropf. Es gibt zwar auch eine Fähre und Flugzeuge, aber die große Mehrheit der Dienstreisenden und Urlauber fährt mit der Bahn über diese Trasse durchs Wattenmeer. Die einen sitzen dabei in ihrem Fahrzeug auf dem Autozug, die anderen in Abteilen - und fast alle regen sich auf, weil die Strecke in einem miserablen Zustand ist und sie ständig hängen bleiben.

22 Kilometer zwischen Niebüll und Westerland sind seit der Einweihung vor 91 Jahren immer noch eingleisig, obwohl dort jeden Tag 120 Züge hin- und herfahren und allein in Mai und Juni 2018 mehr als 150 Züge ausgefallen sind. Angesichts der ständigen Verzögerungen, Ausfälle und Proteste steht am Ende der viel geklickten Katapult-Satire ein Hinweis auf eine reale Onlinepetition, die einen zweigleisigen Ausbau der beiden Engpässe fordert.

Mehr als 10 000 Menschen unterstützen den Aufruf bereits und in Kürze wird sich zeigen, ob der Ruf auch in Berlin angekommen ist.