bedeckt München
vgwortpixel

Defekte Airbags in den USA:Tödliche Gefahr statt Lebensretter

Polizeiwagen bei Einsatzfahrt beschädigt

Die Airbag-Probleme des japanischen Zulieferers Takata lassen die US-Verkehrsaufsicht NHTSA Alarm schlagen.

(Foto: dpa)
  • BMW, Ford, Mazda, Honda und Chrysler sollen ihren Rückruf wegen defekter Takata-Airbags auf die ganzen USA ausweiten. Das fordert die US-Verkehrsaufsicht NHTSA.
  • Bislang beschränkten sich die Rückrufe wegen dieses Problems auf bestimmte US-Regionen. Takata vermutet die fehlerhaften Teile weiterhin nur dort.
  • Takata, Honda und Chrysler müssen sich am Donnerstag vor dem Senat verantworten. Auch die NHTSA steht unter Druck.
  • Bei den Fahrzeugen können sich Airbags auch ohne Aufprall entfalten und umherfliegende Metallteile Insassen verletzen.

Diese Autohersteller sind betroffen

Nachdem die US-Verkehrsaufsicht NHTSA bereits im Oktober in ungewöhnlich deutlicher Form vor den Airbags des japanischen Zulieferers Takata gewarnt hatte, sollen nun fünf große Autohersteller ihren Rückruf wegen der fehlerhaften Sicherheitssysteme in den USA ausweiten.Takata sowie BMW, Ford, Mazda, Honda und Chrysler wurden aufgefordert, landesweit alle Autos zurückzurufen, in denen auf der Fahrerseite Airbags des Zulieferers eingebaut sind. Dies teilte die US-Behörde am Dienstagabend (Ortszeit) mit. "Takata muss handeln", betonte der stellvertretende NHTSA-Chef David Friedman.

Honda Honda ruft 170 000 weitere Autos zurück
Wegen defekter Airbags

Honda ruft 170 000 weitere Autos zurück

Fehlerhafte Airbags eines Zulieferers sorgen für den nächsten Rückruf. Zum wiederholten Male sind Honda-Fahrer betroffen. Anlass ist erneut ein Todesfall.

Bereits 4,1 Millionen Autos in den USA zurückgerufen

Nach Darstellung von Takata können die Airbags nur unter feucht-warmen klimatischen Bedingungen ungewollt platzen. Deshalb hatten die Autohersteller den Rückruf bislang auf bestimmte Regionen wie die US-Bundesstaaten Florida, Alabama, Mississippi, Georgia, Louisiana und Texas beschränkt. Dabei ging es um insgesamt etwa 4,1 Millionen Fahrzeuge.

Nachdem das Problem nun aber bei einem Ford Mustang in North Carolina auftrat, müssten die Hersteller nun landesweit reagieren, erklärte die NHTSA. Wie viele Autos deshalb zusätzlich in die Werkstätten müssen, ließ die Behörde offen. Ford wollte zunächst nicht bestätigen, ob der bei dem Vorfall in North Carolina geplatzte Airbag von Takata stammte.

Tote und Verletzte wegen defekter Airbags

Die eigentlich zur Sicherheit eingebauten Luftkissen können bei einem Unfall, aber auch ohne Aufprall, explodieren, sodass heiße Metallteile umherfliegen. Nicht ganz klar ist, wie viele Todesopfer die defekten Airbags bereits gefordert haben. US-Anwälte gehen von vier getöteten Autoinsassen und etwa 150 Verletzungen aus. Laut anderen Angaben haben die Probleme fünf Todesopfer gefordert, die alle in Wagen des Takata-Großkunden Honda umgekommen sind.

Takata warnt vor einer Ausweitung des Rückrufes

Ein Sprecher des japanischen Zulieferers erklärte, bei Tests außerhalb der Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit sei es zu keiner Explosion gekommen. Takata komme mit der Produktion neuer Airbags kaum nach, weshalb ein landesweiter Rückruf den Austausch dort verzögere, wo er nötig sei. Das gefährde Menschenleben, so der Takata-Sprecher.

BMW 3er 1,6 Millionen BMWs müssen in die Werkstatt
Rückruf wegen defekter Airbags

1,6 Millionen BMWs müssen in die Werkstatt

Die Rückrufwelle der Autoindustrie nimmt kein Ende: Jetzt ruft BMW sein 3er-Modell zurück ins Werk. Grund sind möglicherweise defekte Airbags eines Zulieferers. Die hatten schon bei anderen Herstellern zu Problemen geführt.

Takata steht in den USA unter großem Druck und muss sich am Donnerstag zusammen mit Vertretern von Honda und Chrysler einer Anhörung im Senat stellen. Aber auch der NHTSA wird vorgeworfen, zu spät reagiert und nicht intensiv genug auf die Hersteller eingewirkt zu haben.

Auch Europa und Deutschland betroffen

Laut dem Branchendienst Automotive News wurden wegen defekter Takata-Airbags weltweit bereits etwa 17 Millionen Autos zurückgerufen. Auch die europäischen Märkte sind betroffen. So hatte Honda jüngst 30 772 in Europa ausgelieferte Autos in die Werkstätten beordert. Zusammen mit Nissan und Mazda hat der japanische Hersteller wegen des Problems in Deutschland insgesamt 86 000 Autos zurückgerufen. BMW musste im Juli 1,6 Millionen Autos wegen Airbag-Problemen in den Werkstätten überprüfen lassen, davon 450 000 in Deutschland.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) musste bisher keinen Rückruf anordnen, erklärte ein Sprecher der Behörde. "In Europa ist es nach heutigem Kenntnisstand zu keiner Fehlauslösung bekommen. Dennoch werden die Airbags durch freiwillige Rückrufe ausgetauscht", ergänzte er. Sollten die Autos deutscher Kunden von nochmaligen Rückrufen betroffen sein, werden die Halter von den Herstellern und vom KBA angeschrieben.