Cockpits:Videotelefonate auf dem Fahrersitz

Wesentlicher Bestandteil der Gesamtinszenierung sind auch die frei konfigurierbaren und verschiebbaren Inhalte: Mit situationsgerechten Hinweisen und personalisierbaren Umfängen lässt sich das Cockpit mit einem Wisch an das Nutzerverhalten anpassen. Vorteil beim Fahren mit Autopilot: Während sich die Maschine selbst steuert, kann der Passagier auf dem Fahrersitz zum Beispiel Videotelefonate führen - mit dem Bewegtbild des Gesprächspartners im Cockpit.

"Soll der Fahrer wieder das Kommando übernehmen, gibt ihm das System einen entsprechenden Hinweis. Dabei agiert die Technik immer so vorausschauend, dass dem Fahrer mindestens fünf bis sieben Sekunden Zeit bleiben", erklärt BMW in seiner CES-Pressemappe. Die Münchner haben in Las Vegas ein BMW i8 Cabrio mit Panoramadisplay, 3D-Anzeigen und einer weiterentwickelten Gestensteuerung zur Vision Future Interaction hochgerüstet (SZ berichtete): Eine 21 Zoll breite Großleinwand zieht alle Blicke auf sich. Anders als bei der neuen Mercedes E-Klasse mit zwei jeweils 12,3 Zoll (je 31 Zentimeter) breiten Displays läuft das Projektionsband jedoch auf der Beifahrerseite unter der Windschutzscheibe entlang. Das ist vorteilhaft, weil keine Anzeigeflächen vom Lenkrad verdeckt werden. Andererseits muss der Fahrer den Blick von der Straße abwenden, um die sechs verschiedenen Anzeigesegmente genauer ins Auge nehmen zu können. Viele Darstellungsmöglichkeiten sind daher nur im hochautomatisierten Fahrmodus nutzbar.

Ablenkung und potenzielle Reizüberflutung

Viele visionäre Interieurstudien verdrehen dem Fahrer den Kopf. Mehr noch als bei den unübersichtlichen Knopflandschaften alter Schule bilden die Ablenkung und potenzielle Reizüberflutung ein ständiges Sicherheitsrisiko. Schon heute laufen Tesla-Piloten Gefahr, den detailreichen Abbildungen des Riesenbildschirms mehr Aufmerksamkeit zu schenken als dem Geschehen auf der Straße. Die banale Realität und die funzelige Lichtleistung herkömmlicher Kombiinstrumente können hinter solchen farbig leuchtenden XXL-Displays nur zurückfallen.

Als einer der wenigen Hersteller ist Tesla nicht der Auto Alliance beigetreten, die schon 2006 Regeln für die Benutzung von Anzeige- und Bediensystemen aufgestellt hat: Einzelne Eingaben sollen nicht länger als zwei Sekunden dauern, während die gesamte Aufgabe zum Beispiel für eine Adresseingabe in das Navigationssystem 20 Sekunden nicht überschreiten soll.

Daher wird BMW den großen Sprung nach vorn erst wagen, wenn das Auto die Verantwortung für die Spurführung zumindest zeitweise übernehmen kann. Der nächste BMW 3er und der neue BMW i5 sollen ab 2018 bei den innovativen Mensch-Maschine-Schnittstellen an Mercedes und Audi vorbeiziehen. Dann dürfen Autopiloten voraussichtlich auf den Car-Pool-Lanes der USA benutzt werden. Momentan werden auch die Vorschriften der Wiener Konvention überarbeitet, die in Europa gelten: Hochautomatisiertes Fahren soll legal werden, solange der Fahrer jederzeit eingreifen kann. Entsprechend darf er den Blick nur für wenige Sekunden von der Straße abwenden und muss in Fahrtrichtung sitzen bleiben. Zumindest das hat sich seit den Gründertagen des Autofahrens (noch) nicht geändert.

© SZ vom 16.01.2016/reek
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