BMW:BMW präsentiert das Interieur der Zukunft

BMW Vision Future Interaction

So soll es im Inneren des neuen 3er BMW bald aussehen.

(Foto: BMW)

Puristisch und elegant wie ein iPhone: Im nächsten BMW 3er dürfte das seriennahe Konzept erstmals zum Einsatz kommen.

Apple inside: So puristisch-elegant wie die elektronischen Endgeräte aus Cupertino wirkt auch ein neuartiges BMW-Interieur. Zum anstehenden hundertsten Geburtstag wagt die Marke einen längst überfälligen Schritt in die Zukunft: "Vision Car" heißt die Studie eines innovativen Anzeige- und Bedienkonzepts, das BMW in gut einer Woche auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorstellen wird. Genauso schnörkellos wie der Name wirkt auch das Design der Instrumententafel: Aus dem Halbdunkel des ersten Pressefotos ragt eine breite Video-Wand mit sechs verschiedenen Anzeige-Segmenten auf.

Der Großbildschirm wirkt ähnlich lang und schmal wie das Doppeldisplay der neuen Mercedes E-Klasse. Bei den Stuttgartern erreichen die beiden Mattscheiben mittlerweile eine stolze Diagonale von jeweils 12,3 Zoll (31 Zentimeter). Allerdings deckt das Lenkrad einige Flächen ab und schränkt so die Darstellungsmöglichkeiten ein. Auch das Gegenstück aus München wirkt mindestens einen halben Meter breit. Anders als bei Mercedes zieht sich das durchlaufende Projektionsband jedoch auf der Beifahrerseite unter der Windschutzscheibe entlang. Vor dem Fahrer erhebt sich ein kompaktes Cockpit mit Hutze im traditionellen BMW-Stil.

BMW wirkt weniger revolutionär als Mercedes - aber wesentlich seriennäher

Ist das tatsächlich eine ferne Vision wie die jüngsten Forschungsfahrzeuge von Mercedes? Bereits auf der CES vor einem Jahr hatten die Stuttgarter mit dem F 015 Aufsehen erregt: Die Silber-Flunder verfügt über drehbare Frontsitze und Displays rundum. Der Raumschiff-Look im Interieur und Exterieur setzte sich vor wenigen Wochen mit der Vision Tokyo fort. Der Van-artige Eintürer ersetzt die traditionellen Sitzreihen durch eine Lounge-Landschaft. Beide Konzeptfahrzeuge gehen von einem komplett autonomen Fahrmodus aus. Bis es soweit ist, müssen aber noch viele Technologien und Gesetze weiterentwickelt werden. Deshalb spricht Mercedes Design-Chef Gorden Wagener von einer Zukunft, "die nach 2030 beginnt".

BMW wirkt mit dem fahrer-orientierten Cockpit weniger revolutionär - dafür aber wesentlich seriennäher. Auf dem ersten Bild liegt ein gut sichtbarer Mitteltunnel zwischen den Frontpassagieren. An drehbare Polster für eine entspanntere Sitzpositon während des autonomen Fahrens ist also nicht zu denken. Dadurch können die traditionellen Sitzschienen ebenso weiterverwendet werden wie die bewährte Airbag-Anordnung im Lenkrad und in der Instrumententafel. Ein Sicherheitsrisiko besteht trotzdem: Der Fahrer muss seinen Blick von der Straße abwenden, um das Mäusekino auf der Beifahrerseite zu betrachten.

Deshalb setzt das "Vision Car" eine neue Generation von Fahrerassistenzsystemen voraus. Schon in absehbarer Zeit wird eine Umfelderkennung im Auto zumindest auf einfachen Autobahn-Passagen selbsttätig Gas geben, bremsen und lenken können. Wenn man die politische Diskussion in den USA verfolgt, könnte dieses pilotierte Fahren mit Tempolimit in naher Zukunft auf den dortigen Car Pool Lanes mit 120 km/h Höchsttempo erlaubt sein. Auch in Europa werden die Vorschriften der Wiener Konvention momentan überarbeitet. Automatisiertes Fahren soll legal werden, solange der Fahrer jederzeit eingreifen kann. Entsprechend darf er den Blick nur für wenige Sekunden von der Straße abwenden und muss in Fahrtrichtung sitzen bleiben.

Ein großer Sprung steht bevor

Für eine schnelle Interaktion mit dem Auto soll eine weiterentwickelte Gestensteuerung im BMW "Vision Car" sorgen. Damit lassen sich auch die Inhalte des Breitwandkinos auf der Beifahrerseite steuern, ohne dass der Fahrer das Display berühren muss. Mit diesem "AirTouch" gehen die Münchner einen Schritt über die Gestensteuerung im neuen BMW 7er hinaus. Auch dort erkennt ein 3D-Sensor einige definierte Handbewegungen im Bereich der Mittelkonsole. Häufig genutzte Funktionen des Infotainmentsystems zum Beispiel für Telefongespräche lassen sich auf diese Weise steuern.

Fragt sich nur, wann das weiterentwickelte Anzeig- und Bediensystem in Serie geht. Gegenüber der SZ hatte BMW Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich vor einigen Monaten durchblicken lassen, dass ein großer Sprung bevorstehe: Der BMW 3er könne ab 2018 bei der Entwicklung neuer Mensch-Maschine-Schnittstellen weiter gehen als der gerade eingeführte BMW 7er und der neue BMW 5er (2016). Die beiden Business-Limousinen sollen konservative Kunden nicht vergraulen. Gleichzeitig muss die Marke zeigen, dass sie auch jüngere Käufer im digitalen Zeitalter erreichen kann.

© SZ.de/pamu
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