Motorrad-Fahrbericht BMW bringt das richtige Motorrad zur richtigen Zeit

Die neue BMW R nineT Scrambler kostet mindestens 13 000 Euro.

(Foto: BMW AG)

Die R nineT Scrambler ist puristisch, bequem und hat einen kernigen Klang. Beste Voraussetzungen, um ein Erfolgsmodell zu werden.

Test von Peter Fahrenholz

Nicht immer sind es die Marktforscher, die heraustüfteln, welche Bedürfnisse die Kunden haben. Manchmal führen auch einfach Glückstreffer zu unerwarteten Erfolgen. Als die Motorradentwickler von BMW Anfang 2014 die R nineT herausbrachten, war das eigentlich eine Art Geschenk an sich selbst zum 90. Geburtstag der Marke, daher auch der Name. Die im Look der Klassiker vergangener Jahrzehnte gestylte, aber mit modernster Technik ausgestattete Maschine sollte an die Wurzeln von BMW erinnern. Auch zur Überraschung der BMW-Strategen entpuppte sich das Geburtstagspräsent als Verkaufsschlager. Denn die Maschine traf zum genau richtigen Zeitpunkt den aktuellen Zeitgeist. Der verlangt nach puristischen, wertig gestalteten Maschinen, die klassische Optik mit zeitgemäßer Technik verbinden. Als Biken auch bei jüngeren Menschen plötzlich wieder cool war, hatte BMW die nineT zu bieten. Seither wurden weltweit mehr als 23 000 Exemplare verkauft, für ein Motorrad eine stolze Zahl.

Bei dem Erfolg war schnell klar, dass die R nineT um weitere Familienmitglieder erweitert werden sollte. Das erste Derivat kommt im September zu den Händlern: die R nineT Scrambler. Und die könnte an den Erfolg der Basis-nineT nicht nur anknüpfen, sondern ihn womöglich noch übertreffen. Denn sie ist weit mehr als nur eine optische Variante des Roadsters.

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Bequemer als die Basis-nineT

Scrambler, frei übersetzt "Kletterer", hat es in früheren Jahrzehnten auch schon gegeben, sie sollten ein Straßenmotorrad um eine milde Geländetauglichkeit ergänzen. Dazu gehörten eine relaxtere Sitzposition, höher gelegte Auspuffanlagen und grobstollige Reifen. BMW hat deshalb die Ergonomie der Scrambler deutlich verändert. Der Lenker ist höher platziert, die Fußrasten tiefer. Das ergibt eine aufrechtere, weit bequemere Sitzposition als bei der Basis-nineT, die deutlich sportlicher ausgelegt ist. Bei dem hohen Anteil an Silberrücken unter den Motorradfahrern kein unwesentliches Verkaufsargument.

Wie die nineT wird auch die Scrambler vom bekannten, durchzugsstarken 1200-Kubik-Boxermotor angetrieben. Spielerisch leicht lässt sich die Maschine in die Kurven legen, der Serienreifen, ein Tourance Next von Metzler, passt hervorragend zu der Maschine. Zusätzlich sind auch Grobstoller im Programm, aber die werden wohl nur die wenigsten Scrambler-Fahrer aufziehen lassen.

Kerniger, aber nie aufdringlicher Sound

Die höher verlegte Auspuffanlage mit den zwei übereinander angeordneten Akrapovic-Endschalldämpfern ist nicht nur optisch ein Gedicht, sie erzeugt auch einen kernigen, aber nie aufdringlichen Sound.

Mit der Scrambler hat BMW den Purismus, also den Verzicht auf überflüssigen Schnickschnack, noch ein Stück weiter getrieben. Der klassische Tacho hat weder einen Drehzahlmesser noch eine Tankanzeige, wenn das Benzin zur Neige geht, wird das von einer Restweitenleuchte angezeigt. Wem das nicht reicht, kann gegen Aufpreis ein zweites Rundinstrument mit einem erweiterten Bordcomputer ordern, der dann auch eine Ganganzeige enthält. Brauchen tut man das nicht, der kräftige Motor verzeiht es ohne Probleme, wenn man im falschen Gang unterwegs ist.

Ein weiteres Argument für die Scrambler ist ihr Preis: Sie soll 13 000 Euro kosten und ist damit knapp 2000 Euro günstiger als die Ur-nineT. Geboten wird dafür nicht nur ein sehr schönes Motorrad, sondern auch jede Menge Fahrspaß. Und deswegen fährt man schließlich Motorrad. Zwei weitere nineT-Derivate sollen die Familie schon bald komplettieren. Geplant sind eine Enduro-Variante, die an die Ur-GS von 1980 anknüpft, und ein klassischer Café-Racer.

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