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Autotest:Der kombinierte Verbrauch ist Augenwischerei

Tatsächlich verblüfft ein Sportwagen mit Elektromotor nicht nur den Fahrer, sondern mehr noch die Umgebung. Lautlos durch Palma de Mallorca zu gleiten, statt mit nervtötender Bollerei, lässt die Passanten immer wieder den Daumen hochrecken. Selbst Radfahrer, die auf Mallorca im Frühjahr in wahren Heerscharen unterwegs sind und die Autos auf den engen Bergstraßen als Pest empfinden, erst recht überbreite Sportwagen, zollen auf diese Weise ihre Anerkennung. Das wird der Porsche oder Ferrari-Fahrer eher nicht erleben. "Was mir Spaß macht, ist, dass das Auto ausschließlich positive Feedbacks auslöst, es generiert keinen Neid", schwärmt Rump.

Ob damit, wie man bei BMW glaubt, der Sportwagen als solcher in eine Zukunft geführt wird, in der nicht nur PS-Protzerei, sondern auch Nachhaltigkeit und damit eine gewisse Vernunft bei einem an sich unvernünftigen Auto eine Rolle spielen, sei allerdings dahingestellt. Denn in der bergigen Landschaft Mallorcas zeigen sich schnell alle Nachteile des Flügeltüren-Roadsters. Die breite A-Säule versperrt bei engen Kurven die Sicht, nach hinten ist sie ohnehin so gut wie nicht vorhanden, weshalb man beim Rangieren ohne Rückfahrkamera aufgeschmissen wäre. Und auf den engen Bergststräßchen treibt einem in dem fast zwei Meter breiten Wagen jedes entgegenkommende Fahrzeug den Angstschweiß auf die Stirn. Mehrere Begegnungen lassen sich nur zentimeterweise mit eingeklappten Seitenspiegeln bewältigen.

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Auch der kombinierte Verbrauch, den BMW mit zwei Litern auf 100 Kilometer angibt, ist in der Praxis natürlich Augenwischerei, wie bei allen Plug-in-Hybriden. Denn er ließe sich nur erreichen, wenn man fast ausschließlich im Kurzstrecken-Elektrobetrieb unterwegs wäre, was mit so einem Wagen aber keiner tun wird.

Wer kauft nun ein Auto wie den i8, wenn er für das gleiche Geld bei der Konkurrenz mit mehr Zylindern und mehr PS bedient wird? Von der ersten Generation des i8 Coupés hat BMW etwa 14 000 Exemplare verkauft, beim neuen Roadster geht man von einer ähnlichen Zahl aus. Klar, das ist ein Nischenauto, aber für einen Sportwagen ist das keineswegs eine so kleine Nische, bei dem Stückpreis kommt durchaus ein beachtlicher Umsatz zusammen. Bei BMW müsse jedes Modell aus sich heraus Profit abwerfen, "das gilt auch für den i8", versichert Rump. Der i8 richte sich an Käufer, "die das besondere Auto suchen" und die zugleich "technologieaffin" seien.

Mehr als nur eine Ikone fürs Museum

Kein Wunder, dass die größte Nachfrage aus den USA kommt. BMW sei dort als Marke ohnehin sehr angesagt, und speziell in Kalifornien gebe es, wie Rump das ausdrückt, "eine Affinität zum umweltbewussten, aber nicht verzichtenden Lebensstil". Der smarte, wohlhabende Kalifornier aus dem Silicon Valley und ein aufregend gestylter Plug-in-Hybrid mit einer Gesamtleistung von 374 PS, das klingt in der Tat nach einer passenden Kombination.

Den Verfechtern der reinen Lehre wird das alles nicht reichen. Zu wenig Sportwagen, und das zu einem horrenden Preis, werden die einen mäkeln, zu wenig öko für so viel Geld die anderen, und zu viel Aufwand für ein Nischenauto die Dritten.

Alles durchaus berechtigte Einwände. Dennoch ist der i8 Roadster mehr als nur eine Ikone, die irgendwann einen Platz im BMW-Museum bekommen wird. Er zeigt, welche Möglichkeiten in der Mischung aus Elektroantrieb und Verbrenner schlummern, wenn man sie sinnvoll kombiniert. Und diese Mischung wird es noch länger geben, als viele glauben.

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