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Autobahnbrücken:Verkehrsminister Scheuer hält den Genua-Vergleich für unpassend

Vor zwei Jahren aber machte ein schwerer Unfall auch in Deutschland klar, wie schwer die Konstruktionen zu berechnen - und wie folgenschwer Fehler sind. Im Juni 2016 war ein gerade frisch betoniertes Teil der neuen Schraudenbach-Talbrücke der A7 zwischen der Raststätte Riedener Wald und dem Kreuz Schweinfurt/Werneck eingestürzt. Mehrere Bauarbeiter wurden bis zu 26 Metern in die Tiefe gerissen. Ein Arbeiter starb. Verbindungselemente sollen unterdimensioniert gewesen sein, urteilte ein Gutachten später. Deshalb wurde eine Stütze instabil. Sie hielt dem Gewicht der Brücke einfach nicht mehr stand.

Roboter prüfen die Seile von Hängebrücken, Sensoren messen Erschütterungen

Regelmäßige Tests sollen dafür sorgen, dass die gewaltigen Bauten unter dem rollenden Verkehr nicht zum Sicherheitsrisiko werden. Alle sechs Jahre wird eine Brücke intensiv von Experten durchleuchtet. Sie fahnden nach Rissen. Sie kontrollieren Schrauben, Bolzen oder Schweißnähte. Sie klopfen mit Hämmerchen gegen den Beton, um Hohlräume aufzuspüren. Infrarotgeräte erkennen Feuchtigkeit, kleine Roboter prüfen die Seile von Hängebrücken, Sensoren messen Erschütterungen. Diese Pflicht gelte auch für Autobahnabschnitte, die von privaten Investoren betrieben werden, teilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin mit.

Der Einsturz in Genua könnte aber auch auf hiesige Kontrollen Einfluss haben. "Wir werden uns sehr genau anschauen, was die Brücke zum Einsturz gebracht hat", sagt Durth. Denn wie die vierspurige Morandi-Brücke wurden auch die meisten Brückenbauwerke in Deutschland aus Spannbeton hergestellt - eine nach dem Zweiten Weltkrieg neue Bauweise. 70 Prozent der Fernstraßenbrücken bestehen hierzulande aus solchen Konstruktionen. Spannbeton enthält Stahleinlagen, die ihn zusammenpressen und stabiler machen. Erst im Lauf der Zeit spürten Ingenieure eine Schwachstelle auf: Wo Bauteile aneinandergekoppelt werden, treten Ermüdungen auf.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält den Vergleich von deutschen und ausländischen Brücken allerdings für unpassend. "Was in Deutschland als marode oder nicht ausreichend gilt, ist anderswo in einem guten Zustand eingestuft", sagte Scheuer.

Mehr Geld soll trotzdem in die Brückensanierung fließen. Die Mittel von 1,4 Milliarden Euro im aktuellen Haushalt sollen bis 2022 auf 1,6 Milliarden steigen - vorsichtshalber.

© SZ vom 16.08.2018/fued
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