90 Jahre Nürburgring"Schwer zu fahren, leicht zu sterben"

Selbst Formel-1-Weltmeister hatten riesigen Respekt vor dem Nürburgring - manche riefen ihre Kollegen gar zum Rennboykott auf. Erinnerungen aus 90 Jahren "Grüne Hölle".

Von Thomas Harloff

Es war - auf die Größe bezogen - ein kümmerlicher Pokal, den Rudolf Caracciola überreicht bekam. Seine historische Bedeutung ist jedenfalls deutlich größer. Schließlich ehrte die Trophäe den ersten Sieger eines Autorennens auf dem Nürburgring: Am 19. Juni 1927 siegte Werksfahrer Caracciola mit seinem Kompressor-Mercedes beim Großen Preis von Deutschland auf der tags zuvor mit einem Motorradrennen neueröffneten Rennstrecke. Der Kommentar des Triumphators zur Strecke: Sie sei "bärig schwer".

Keine zwei Jahre hatte es gedauert, bis das 22,8 Kilometer lange Straßenband durch die Eifel fertig war. Es war ein Konjunkturprogramm für die strukturschwache Region, zeitweise arbeiteten 2500 Menschen gleichzeitig auf der riesigen Baustelle. Der Nürburgring sollte nicht einfach nur eine Rennstrecke werden. Auf der "Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke", die reich an Kurven, Gefällen und "Steigungen, die dem Motor scharf an die Lungen griffen" (Caracciola) war, testeten die aufstrebenden deutschen Autobauer ihre Modelle.

Bild: Süddeutsche Zeitung Photo 1. September 2017, 11:152017-09-01 11:15:04 © SZ.de/harl/mkoh/sks